Ifo-Geschäftsklimaindex sinkt wieder

Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Oktober auf 92,7 Punkte gesunken, nach 93,2 Punkten im September.
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Nach dem Beschluss eines Lockdown-Light in Deutschland und angesichts weiter steigender Corona-Infektionen mehren sich auch wieder mahnende Stimmen unter den Wirtschaftsexperten. Mehrfach in der Woche gibt es neue Ausblicke – mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Prognosen. Die Unternehmeredition gibt einen kompakten Überblick.

Das Münchener ifo-Institut hat vor zwei Tagen seinen neuen Geschäftsklimaindex veröffentlicht. Erstmals seit fünf Monaten sinkt der Wert, die Stimmung unter den Unternehmenslenkern hat sich eingetrübt. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Oktober auf 92,7 Punkte gesunken, nach 93,2 Punkten im September. Die deutschen Unternehmen blicken deutlich skeptischer auf die Entwicklung in den kommenden Monaten bis zum Jahresende. „Angesichts steigender Infektionszahlen nehmen die Sorgen der deutschen Wirtschaft zu“, erklärt Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts.

Ihre aktuelle Situation beurteilen die befragten 9.000 Unternehmer hingegen etwas besser als im Vormonat. Gleichwohl liegt der Wert der Lagebeurteilung immer noch rund zehn Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Es zeichnet sich eine Spaltung in der deutschen Wirtschaft ab, denn insbesondere im Dienstleistungssektor und im Handel haben sich die Geschäftserwartungen besonders stark abgesenkt. Hingegen steigt die Stimmung beim verarbeitenden Gewerbe. Erst in den kommenden Wochen werden sich die neuen Einschränkungen auch auf die Stimmungslage in der deutschen Wirtschaft auswirken.

KfW: Mittelstand verfügt über hohe Widerstandskraft

Mehr als die Hälfte der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Deutschland rechnen für das laufende Jahr mit rückläufigen Umsätzen. Nach dem aktuellen KfW-Mittelstandspanel belaufen sich die erwarteten Rückgänge auf etwa 12% der Vorjahresumsätze, was rund 545 Mrd. EUR entspricht. Die KfW-Experten haben aber auch ermittelt, dass sich die Liquiditätslage der KMU seit dem Tiefpunkt der Krise im April merklich entspannt hat. Angesichts eines erneuten Lockdowns sieht sich aktuell rund jeder dritte Mittelständler mit ausreichenden Liquiditätsreserven gewappnet – zwölf Prozentpunkte mehr als noch Anfang April. Weitere 28% haben Liquiditätsreserven für zwischen sechs und zwölf Monate. „Insgesamt verfügt der Mittelstand in Deutschland aber über eine hohe finanzielle Widerstandskraft. Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren einen hohen Bestand an Eigenkapital aufgebaut, wovon sie nun profitieren“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW.

IHS Markit-Index sieht Produktionssteigerung

Erneut hat ein Wirtschaftsinstitut der deutschen Wirtschaft gute Erfolgsaussichten bei der Bewältigung der Corona-Pandemie bescheinigt. Durch eine erneute kräftige Steigerung der Industrieproduktion wird auch im Oktober der Wachstumskurs fortgesetzt. Das Londoner Ökonomen-Institut IHS Markit signalisiert in seinem aktuellen Index weiter ein anhaltend kräftiges Wachstum – insbesondere in der Produktion. Gleichzeitig gibt es einen Rückgang der Geschäftstätigkeit im Servicesektor, ausgelöst durch die zunehmende Unsicherheit infolge der zweiten Infektionswelle. Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit kommentiert: „Obwohl einige Dienstleistungsunternehmen unter den neuen Restriktionen und der zunehmenden Unsicherheit im Zusammenhang mit der ‘zweiten Welle’ leiden, hielten sich die Geschäftseinbußen hier insgesamt noch in Grenzen. Gleichzeitig hat die boomende Industrie der Konjunktur ordentlich Auftrieb verliehen.“

Rückgang der Kurzarbeit verlangsamt sich

Die Kurzarbeit ist im Oktober deutlich langsamer zurückgegangen als in den Monaten zuvor. Sie sank nach exklusiven Schätzungen und Berechnungen des ifo Instituts nur noch um rund 450.000 Beschäftigte auf knapp 3,3 Millionen. Zuvor betrug der Rückgang rund eine Million Menschen im Monat. „In der Industrie hält sich die Kurzarbeit besonders hartnäckig. Sie liegt dort bei 19 Prozent oder 1,3 Millionen Menschen. Vor allem bei Metall, Elektro und Maschinenbau hat es praktisch keinen Rückgang gegeben“, sagt Sebastian Link, Arbeitsmarkt-Experte beim ifo.

Die deutschen Unternehmen sind bei Einstellungen vorsichtig optimistisch. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im Oktober auf 96,5 Punkte gestiegen, von 96,3 Punkten im September. Das deutet auf eine steigende Zahl von Beschäftigten im vierten Quartal hin, es bleiben aber Risiken wegen der Coronakrise. In der Industrie ist das ifo-Barometer das fünfte Mal in Folge gestiegen. Trotzdem planen mehr Unternehmen Entlassungen als Einstellungen.

Wenige Corona-Hilfen für Unternehmen ausgezahlt

Weniger als ein Drittel der zur Verfügung stehenden Corona-Soforthilfen für Unternehmen hat die Bundesregierung bisher ausgezahlt. Aus dem im März aufgelegten Programm sind nach Angaben des Bundesfinanzministeriums aus einer Antwort auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Fabio de Masi (Linke) bislang 13,6 Milliarden Euro abgeflossen. Insgesamt standen für kleine Unternehmen und Freiberufler 50 Mrd. Euro zur Verfügung. Nach einer im August durchgeführten Umfrage des Beratungshauses McKinsey unter 500 deutschen Mittelständlern hat schon jedes fünfte Unternehmen Geld aus der Staatskasse erhalten. Weitere 25 Prozent wollen erst noch einen Antrag stellen.