Wirtschaftsprognosen weiter positiv

Wirtschaftsprognosen
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Im Anbetracht weiterer Lockerungsmaßnahmen, hat die Erholung im deutschen Servicesektor im Juni nochmals an Dynamik gewonnen. Der IHS Markit Service-Index Geschäftstätigkeit für die Dienstleistungsbranche notierte im Juni mit 57,5 Punkten auf dem höchsten Stand seit März 2011. Mit dieser sehr erfreulichen Nachricht beginnen wir unseren Überblick über die aktuellen Wirtschaftsprognosen.

Alle erfassten Teilsektoren verzeichneten laut IHS Markit Zuwächse, was hauptsächlich den neuerlichen Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen und weiteren Schritten hin zu normalen Nachfragekonditionen zuzuschreiben war. Die Auftragseingänge stiegen den zweiten Monat in Folge und mit der stärksten Rate seit über einem Jahrzehnt an. Auch die Zuversicht der Serviceanbieter im Hinblick auf die kommenden zwölf Monate hat sich massiv verbessert. Viele äußerten sich in der Befragung so optimistisch wie zuletzt im Februar 2000. Rund 46% der Firmen gehen davon aus, dass die Geschäfte weiter anziehen werden. Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit, kommentiert die aktuellen PMI Daten: „Die weiteren Lockerungsmaßnahmen waren im Juni ein wesentlicher Grund dafür, dass die Erholung im Dienstleistungssektor merklich an Fahrt gewann. Tatsächlich war der positive Trend sektorweit deutlich spürbar.“

Konjunkturampel springt auf Grün

Wirtschaftsprognosen Angesichts der deutlichen Entspannung bei der Coronapandemie macht die Stimmung der mittelständischen Betriebe im Juni erneut einen ähnlich großen Sprung nach oben – wie schon im Mai. Das von der KfW und dem ifo-Institut ermittelte mittelständische Geschäftsklima steigt mit Beginn des Sommers um 6,7 Zähler auf 12,3 Saldenpunkte. Besser war die Stimmung zuletzt im November 2018. Die Lagebeurteilung und die Geschäftsaussichten erreichen sehr positive Werte. Auch in den Großunternehmen zieht die Stimmung im Juni an. Die Geschäftserwartungen verharren auf dem bisherigen Niveau, da die fortbestehende Knappheit bei Vorleistungsgütern und Rohstoffen die Produktion bremst. Alle Zeichen stehen nach der neuen Befragung auf Aufschwung – das ist die schöne Botschaft des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers im Juni. Sämtliche Indikatoren des Barometers haben sich seit Jahresbeginn erheblich verbessert. „Deutschland darf sich nach konjunkturell schwierigem Beginn also auf einen Wachstumsschub im weiteren Jahresverlauf freuen. Möglich machen dies die Erfolge bei der Eindämmung der Pandemie“, heißt es wörtlich in dem Bericht.

Lage der Autoindustrie verbessert sich

Die Geschäfte der deutschen Autohersteller und ihrer Zulieferer sind im Juni besser gelaufen als im Vormonat. Der Indikator zur Geschäftslage stieg nach einer aktuellen Befragung des Münchener ifo-Instituts auf plus 44,2 Punkte. Das ist der beste Wert seit August 2018. Auch die Geschäftserwartungen haben sich verbessert. „Die Autobranche ist im Strukturwandel bescheidener geworden“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien. Die Nachfrage nach Autos hat der ifo-Umfrage zufolge im Juni leicht zugenommen. Die Produktion werde allerdings langsamer wachsen als noch im Frühling 2021. Für die Beschäftigten der Branche bleiben die Aussichten verhalten: Die Unternehmen planen weiter einen Arbeitsplatzabbau. „Der Abbau dürfte vor allem die Produktion treffen. Um den Strukturwandel zu bewältigen, wird im Bereich der Informatik und IKT, Entwicklung und Unternehmensorganisation weiter Personal aufgebaut“, schätzt Falck.

Lieferengpässe kosten 25 Mrd. EUR

Nach Schätzungen des IfW Kiel liegt die Industrieproduktion gegenwärtig deutlich unter dem Niveau, das die Auftragslage hergibt. Maßgeblicher Grund seien fehlende Zulieferungen, etwa aufgrund der Transportengpässe in der Schifffahrt Die Kosten dieser Verluste für die deutsche Wirtschaft beziffert das IfW auf rund 25 Mrd. EUR in diesem Jahr. „Die Schätzungen legen nahe, dass die deutsche Industrieproduktion mindestens 5% höher sein könnte, als sie es derzeit ist, wenn ausreichend Produktionsmaterialien und Zwischenprodukte zur Verfügung stünden. Voraussichtlich werden die Lieferengpässe die Industrieproduktion noch bis weit ins dritte Quartal hinein belasten“, sagte Klaus-Jürgen Gern, Leiter der internationalen Konjunkturanalyse am IfW Kiel. Ein großer Teil der derzeit verhinderten Produktion könne aber nachgeholt werden und die Konjunktur dann im kommenden Jahr unterstützen.

Industrie beklagt steigende Einkaufspreise

Fast alle deutschen Industriefirmen haben Preissteigerungen für Material in den vergangenen drei Monaten gemeldet. Laut einer aktuellen ifo-Umfrage waren es 92,0%. In der Textilbranche und bei der Möbelherstellung lag der Anteil sogar bei 100%. Die Gummi- und Kunststoffwaren waren mit 99,4% kaum schwächer betroffen. „Beim Stahl und auch beim Schnittholz sowie anderen holzbasierten Grundstoffen gibt es Lieferengpässe und damit einhergehend teils dramatische Preisbewegungen. Wegen des Holzmangels sind nun mancherorts sogar Paletten knapp geworden. Aber auch bei Aluminium- und Kupferprodukten gibt es Lieferprobleme, hören wir aus den Branchen. Auch die Versorgung mit Halbleitern und anderen elektronischen Bauteilen stockt noch immer. Die Preise steigen in Anbetracht der Knappheiten vielerorts.“, sagt Felix Leiss, Umfrageexperte beim ifo Institut.

HDE-Konsumbarometer klettert

Die Verbraucherstimmung steigt auch im Juli weiter. Wie das aktuelle HDE-Konsumbarometer zeigt, klettert der Index auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Der fünfte monatliche Anstieg in Folge ist nach Aussage des Handelsverbands Deutschland (HDE) auf das rückläufige Infektionsgeschehen und bundesweite Öffnungsschritte zurückzuführen. Mit Blick auf die Lockerungen im öffentlichen Leben treffen die Konsumwünsche der Verbraucher nach Aussage des HDE inzwischen auch auf entsprechende Konsummöglichkeiten in Einzelhandel, Gastronomie und Tourismus. In den nächsten Wochen sei daher mit einer Zunahme des privaten Konsums zu rechnen. Die Bereitschaft zu Konsumausgaben sei auch das Resultat verbesserter Einkommenserwartungen.

Zahl der Kurzarbeiter sank im Juni kräftig

Die Zahl der Kurzarbeiter ist im Juni kräftig gesunken, von 2,3 auf 1,5 Millionen Menschen. Das ist nach Aussage des Münchener ifo-Instituts die niedrigste Zahl seit Februar 2020. Im Juni waren noch 4,5% der abhängig Beschäftigten in Kurzarbeit, nach 6,8% im Vormonat. „Vor allem in den Branchen mit Lockerungen der Coronamaßnahmen gingen die Zahlen stark zurück“, sagt ifo-Umfrageexperte Stefan Sauer. „In der Industrie sehen wir bisher keine Auswirkungen der Lieferengpässe bei Vorprodukten und Rohmaterialien auf die Kurzarbeiterzahlen“, fügt er hinzu.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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