Die Serafin Unternehmensgruppe ist eine langfristig orientierte Beteiligungsgesellschaft, deren Philosophie auf die 150-jährige Unternehmertradition der Gesellschafterfamilie zurückgeht. Wir sprachen mit Geschäftsführer Martin Pfletschinger darüber, wie langfristige Eigentümerschaft strategische Entscheidungen prägt, wann auch für einen Langfristinvestor ein Verkauf sinnvoll sein kann und welche Rolle Carve-outs, Add-ons und Nachfolgelösungen für die weitere Entwicklung spielen.
Unternehmeredition: Wie verändert der Verzicht auf feste Exitzwänge die Art und Weise, wie Sie mit Geschäftsführern über die nächsten zehn bis 20 Jahre planen?
Martin Pfletschinger: In der Tat liegt unser Fokus auf der langfristigen Ausrichtung unserer Unternehmen, ohne den Zwang, verkaufen zu müssen. So können auch Zukäufe wie im Fall unseres Systemlieferanten für Bau- und Heimwerkermärkte suki nach fast zehn Jahren unter dem Dach der Serafin Gruppe vollzogen werden. Bei allen unmittelbaren Herausforderungen, ob geopolitisch oder zum Beispiel durch künstliche Intelligenz, haben wir auch die langfristige strategische Ausrichtung der Unternehmen weiter im Fokus. Wir sehen hier auch eine sehr positive Resonanz bei unseren Geschäftsführern hinsichtlich des gemeinsamen Austauschs.
Sie haben Perga nach 15 Jahren an einen US-Strategen verkauft. Wann ist für einen Langfristinvestor trotz „ewigen Horizonts“ der richtige Moment für eine Trennung gekommen?
Wir sehen uns als aktiven Eigentümer, der Einfluss nimmt und gemeinsam mit dem Management die Ausrichtung des Unternehmens gestaltet. Serafin investiert in mittelständische Unternehmen in verschiedenen Branchen. Dabei wollen wir die Unternehmen operativ und strategisch weiterentwickeln. Der Mehrwert, den wir bieten, kann allerdings über die Zeit abnehmen. Die Sonderthemen direkt nach einer Transaktion – bei Konzernausgliederung oder Nachfolge – werden weniger. Dann kann eine Veräußerung und eine Weiterführung zum Beispiel durch einen strategischen Käufer durchaus sinnvoll sein. Bei Perga war dies der Fall, da das Unternehmen mit dem neuen Eigentümer die Marktpositionierung stärkt und von den Ressourcen des international tätigen Konzerns profitiert.
Mit OTB und der Gross GmbH bauen Sie massiv im Gesundheitsmarkt aus. Planen Sie hier eine europäische Plattformstrategie durch weitere Zukäufe?
Der Markt für Sanitätsfachgeschäfte ist europaweit aufgrund regulatorischer Unterschiede weiterhin sehr fragmentiert. Daher liegt unser Fokus hier stärker auf Zukäufen innerhalb Deutschlands. Wir sind als einer der wenigen Anbieter bereits überregional vertreten. Allerdings wollen wir unsere Präsenz in bestimmten Regionen durch Zukäufe gezielt stärken. Der Markt hat aus unserer Sicht großes Potenzial, und wir können Synergieeffekte erzielen, wenn wir gezielt weitere Anbieter zukaufen. Vor allem das Thema Nachfolge spielt hier bei den eigentümergeführten Unternehmen eine große Rolle. Serafin kann seine Stärken einbringen und eine langfristige Perspektive bieten.
Die Übernahme von AkyVer durch Exolon zeigt Ihre Stärke bei komplexen Ausgliederungen. Warum scheitern viele Wettbewerber genau an diesen Schnittstellen?
Wir verfügen über viel Erfahrung aus zahlreichen Carve-out-Transaktionen seit der Gründung von Serafin vor 16 Jahren. Bei Übernahmen ist eine individuelle Betrachtung notwendig, auch wenn es oft ähnliche Herausforderungen gibt, etwa eine Neuaufstellung der IT und die Positionierung als mittelständisches Unternehmen. Zudem unterstützen unsere eigenen Mitarbeiter einen solchen Prozess aktiv – insbesondere auch bei der Integration von Add-on-Transaktionen.
In einer Zeit, in der Konzerne sich weltweit von Randaktivitäten trennen – welche Nischenmärkte stehen aktuell ganz oben auf Ihrer Beobachtungsliste?
Verschiedene Branchen sind aktuell in unserem Fokus; neben produzierenden Unternehmen auch Anbieter von Dienstleistungen. Zentral ist immer die Frage: Können wir als Serafin als aktiver, langfristig ausgerichteter Eigentümer mit Familienhintergrund hier der Richtige sein? Welchen Mehrwert können wir durch unseren operativ unterstützenden Ansatz generieren? Die Branche ist im Einzelnen dann weniger relevant.
Vielen Dank für das Gespräch!
👉 Dieser Beitrag erscheint auch im Spezial „Investoren im Mittelstand 2026“.
ZUM INTERVIEWPARTNER

Martin Pfletschinger
Geschäftsführer
Serafin Unternehmensgruppe GmbH,









