Der Batteriehersteller Varta schließt sein Werk im bayerischen Nördlingen komplett zum Ende des kommenden Oktobers. Grund für diese einschneidende Maßnahme ist der vollständige Verlust des wichtigsten Großkunden. Bei dem bisherigen Abnehmer handelt es sich laut Medienberichten um den US-Technologiekonzern Apple.
Das bittere Ende
Der US-Konzern hat kurzfristig angekündigt, keine weiteren wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Knopfzellen der Reihe Coin-Power mehr aus Ellwangen zu beziehen. Künftig setzt das Unternehmen für die nächste Generation seiner kabellosen Ohrhörer stattdessen auf günstigere Produzenten aus dem asiatischen Raum. Nach Branchenangaben war ausschließlich der niedrigere Preis ausschlaggebend für den Wechsel der Lieferanten. In Fragen der Qualität sei das schwäbische Traditionsunternehmen weiterhin auf Augenhöhe oder sogar besser aufgestellt gewesen. Für die hochspezialisierte Produktionseinheit in der Region Nördlingen fällt mit diesem Schritt die gesamte wirtschaftliche Grundlage weg.
Zuletzt lieferte der deutsche Hersteller rund 80 Millionen Zellen pro Jahr an den Großkunden. Dies entsprach einer Auslastung von etwa 98% der gesamten Produktionskapazität vor Ort. Zwar konnten in der Zwischenzeit neue Auftraggeber gewonnen werden. Die neuen Aufträge reichen laut Firmenangaben jedoch nicht ansatzweise aus, um die Fabrik in Nördlingen auszulasten. Die vorhandenen Kapazitäten am Stammsitz in Ellwangen genügen völlig für diese Nachfrage.
Jobabbau schockiert die Region
Die Entscheidung des wichtigen Ankerkunden hat für den bayerischen Standort dramatische Auswirkungen. Rund 350 Arbeitsplätze fallen durch das Aus der Fabrik komplett weg. Zudem sind einige Stellen in der Unternehmenszentrale in Ellwangen von Kürzungen betroffen. Der Vorstandsvorsitzende Michael Ostermann betonte, die Schließung des Werks sei letztlich unausweichlich geworden. „Leidtragende sind allen voran unsere Mitarbeitenden vor Ort, die diese Entwicklung nicht zu vertreten haben“, erklärte der Konzernchef. Das Unternehmen bereite die nächsten Schritte in engem Dialog mit dem zuständigen Betriebsrat vor. Es sollen sozialverträgliche Lösungen erarbeitet und Übernahmen an anderen Standorten geprüft werden.
Fokussierung führt in die Krise
Die jetzige Entwicklung ist die Folge einer jahrelangen, extremen Abhängigkeit von nur einem Auftraggeber. Der frühere Vorstand richtete die Expansion fast ausschließlich auf den amerikanischen Elektronikkonzern aus. Für den Ausbau der Fertigung investierte das Management fast 500 Mio. EUR. Diese Summe wurde zu einem großen Teil über Kredite finanziert. Als der Abnehmer ab dem Herbst 2022 weitere Zulieferer wie Samsung SDI aufnahm, sank die Auslastung drastisch. Die Anlagen liefen zeitweise mit einer Auslastung von deutlich unter 50%. Hohe Energiekosten und starker Wettbewerbsdruck aus Asien verschärften die wirtschaftliche Notlage. Um eine drohende Insolvenz abzuwenden, folgte im Jahr 2024 ein Sanierungsverfahren nach dem StaRUG-Gesetz. Dies führte zu einem drastischen Schuldenschnitt und dem Totalverlust für die bisherigen Aktionäre.
Abwicklung erfordert Zustimmung der Gläubiger
Der aktuelle Sanierungsplan des Batterieherstellers muss aufgrund der Werksschließung grundlegend angepasst werden. Das Management plant eine geordnete und solvente Abwicklung der betroffenen Gesellschaft Micro Production GmbH. Dafür ist jedoch zwingend die Zustimmung der Gläubiger erforderlich. Nach eigenen Angaben benötigt das Unternehmen für diesen Prozess einen zweistelligen Millionenbetrag in Mio. EUR. Als zusätzlicher Belastungsfaktor erwies sich zuletzt eine ungünstige Entwicklung des Wechselkurses. Da die Abrechnung in Dollar erfolgte, blieben die Gewinne minimal. Die anderen Unternehmensbereiche, wie Haushaltsbatterien und Energiespeicher, laufen stabil und sind nicht betroffen. Zudem besteht eine Kooperation mit der Porsche AG für Sportwagenbatterien.









