Börsennotierte Beteiligungs­gesellschaften als Alternative

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Der Blick zurück zeigt die historisch herausragenden Renditen von Private Equity (PE).
Der Performancevergleich macht deutlich: Gegenüber beinahe allen anderen Indizes schneidet Private Equity über längere Zeiträume deutlich besser ab. Dabei müssen Investoren nicht einmal in die Ferne schweifen – vielversprechende PE-Alternativen finden
sich auch auf deutschen Kurszetteln. Wir beleuchten einige börsengelistete Private-Equity-Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum. 

Über längere Zeiträume lässt sich mit Private Equity eine deutliche Outperformance erzielen. Oftmals sind börsennotierte Vehikel dabei aber nicht auf dem Radar der Anleger. Ein großer Anteil an Private-Equity-­Investments sind geschlossene Fonds. Direktinvestments in geschlossene Private-Equity-Fonds sind jedoch mit einigen Hürden verbunden. Nicht jeder ­Investor hat die teils notwendigen Kontakte oder auch das notwendige Kapital, um entsprechende Fonds zu zeichnen. Von derartigen

Hürden müssen sich Anleger jedoch nicht verschrecken lassen – auch ohne entsprechende Kontakte und das notwendige Kapital lässt sich an der Anlageklasse Private Equity mitverdienen. Die Lösung: börsen­notierte Beteiligungsunternehmen. ­Diese lassen sich nicht nur einfach und jederzeit über die Börsen zeichnen, sondern ermöglichen auch einen Handel zu kleineren Volumina.

Vorteile gelisteter Private-Equity-Unternehmen

Investments in Aktien von Private Equity-­Gesellschaften können sich auf vielen Wegen rentieren. Investoren profitieren vom Know-how des Managements. ­Erfahrene Manager sind geschult darin, aus einer Reihe von potenziellen Übernahmekandidaten die richtigen Ziele zu identifizieren und anschließend den Turnaround einzuleiten. Gelingt das Unterfangen, lassen sich spektakuläre Renditen erwirtschaften. Beteiligungsunternehmen profi­tieren unter anderem über die Gewinnausschüttungen der gehaltenen Beteiligungen und über einen späteren potenziellen Verkauf der Beteiligung. Zusätzlich werden Gewinne über Beratungshonorare, Gebühren ­eigens aufgelegter Fonds und somit auch aus Geschäftsbereichen außerhalb des Kerngeschäfts erzielt. Anleger erhalten neben den Kurszuwächsen ­oftmals attraktive Dividenden. Diese sollten nach Möglichkeit auch operativ verdient worden sein und nicht durch Kapitalerhöhungen finanziert. Durch geschicktes Inves­tieren innerhalb der Holdingstruktur kann für die Anleger ein hoher „Return on Invested Capital“, also Kapitalrückfluss der Investition entstehen.

Unterschiedliche Formen von Private Equity

Doch Private Equity ist nicht gleich Private Equity – zu unterschiedlich sind die Ansätze der einzelnen Beteiligungsfirmen. Unter den börsennotierten ­Beteiligungsspezialisten finden sich zum Beispiel solche, die klassisches „Buy, Improve and Hold“, also Kauf, Verbesserung und Integration der Übernahmen, in das Portfolio betreiben. Die Veräußerung von Beteiligungen haben diese Gesellschaften nicht primär auf der Agenda. Das Ziel ist dabei, Unternehmen durchaus preiswert zu kaufen und dabei vergleichsweise niedrige Multiples zu bezahlen. Anschließend werden die Unternehmen im Optimierungsprozess begleitet. Dies geschieht jedoch nicht mit dem Fokus, das Unternehmen zeitnah wieder abzustoßen – sie können so auch länger im Portfolio verbleiben, der Fokus liegt dabei klar auf der Transformation. In der Regel werden bei Zukäufen Unternehmen ­bevorzugt, die bereits auf einem­ gesunden Fundament stehen und ­zusätzliche Optimierung benötigen. Beispiele hierfür wären in Deutschland Indus, Gesco, Deutsche Beteiligungs AG, Blue Cap oder international auch das Warren-­Buffett-Konglomerat Berk­shire Hatha­way sowie die amerikanische Danaher Corporation.

Das krasse Gegenteil zu diesem ­Ansatz stellen Beteiligungsunternehmen dar, die speziell auch Unternehmen in „Distressed Situations“, also in schwierigem Fahrwasser übernehmen. Diese Ziele sind dann oftmals sehr günstig zu haben; nicht selten bekommt der Käufer auch noch ein sogenanntes Mitgift zum Kauf hinzu, meist in Form von Cash. Im Anschluss werden die zugekauften Beteiligungen unter Hochdruck umgedreht und neu ausgerichtet („Turnaround“). Das Ziel ist dabei der anschließende Verkauf. Diese Verfahrensweise nennt sich „Buy, Turnaround and Sell“ und verspricht hohe Hebel – in beide Richtungen. Die oft schwierigen Turnaround-Prozesse gehen auch mal schief, schließlich befanden sich die Übernahmen davor nicht ohne Grund in schwierigem Fahrwasser.

 ­Gelingen sie jedoch, winken hohe Profite und damit einhergehend eine Verviel­fachung des eingesetzten Kapitals. Beispiele auf dem deutschen Kurszettel wären die börsennotierten Aurelius Equity Oppor­tunities SE & Co. KGaA, die Mutares SE & Co. KGaA oder auch die Blue Cap AG.

Worauf Anleger bei der Auswahl achten sollten

Im Folgenden werden wir Ihnen einige interessante Private-Equity-Beteiligungs­firmen mit dem Schwerpunkt Deutschland vorstellen. Doch zuvor: Worauf sollten Anleger bei der Auswahl geeigneter Investmentziele achten? Prinzipiell vermittelt das oftmals angewandte Kurs-Gewinn-Verhältnis („KGV“) bei Beteiligungsunternehmen nur bedingt ein geeignetes Bild über den Preis des ­Unternehmens. Bedingt durch die Tatsache, dass PE-Beteiligungsgesellschaften auch gering profitable oder sogar unter dem Strich verlustreiche Unternehmen halten, ist das KGV häufig ­wenig aussagekräftig. Dies trifft ins­besondere auf Beteiligungsunternehmen der Kategorie Buy, Turnaround and Sell zu. Hinzu kommt, dass Beteiligungsverkäufe den Gewinn auch nach oben maßgeblich durch Einmaleffekte beeinflussen können. Interessierte ­Anleger sollten stattdessen ein größeres Augenmerk auf die ausgewiesenen Buchwerte oder den sogenannten Net Asset Value (NAV) der Gesellschaften legen. Diese Kennzahlen weisen mittlerweile nahezu alle börsengelisteten Private-Equity-Unternehmen aus. Klassische Buy-and-Hold-Beteiligungsfirmen können zusätzlich anhand des KGV bewertet werden.

Vielfältige Herausforderungen für deutsche börsennotierte Beteiligungen

Die Auswirkungen der Coronapandemie sind auch 2021 weiterhin zu spüren. Wohingegen zu Beginn des Jahres vor allem Nachholeffekte positiven Einfluss auf die Weltwirtschaft hatten, stehen in der zweiten Jahreshälfte insbesondere der weltweite Chipmangel und gestörte Lieferketten im Fokus. Da viele Beteiligungsunternehmen Firmen aus dem verarbeitenden Gewerbe im Portfolio haben, hinterlassen diese Engpässe ­ihre Spuren. Weitere Probleme: Rohstoff- und Materialknappheit sowie ­generelle Schwierigkeiten in den globalen Lieferketten.

So musste die Münchner Beteiligungsgesellschaft Blue Cap AG im Rahmen der Neunmonatszahlen zuletzt ­bekannt geben, dass voraussichtlich nur die untere Spanne der geplanten ­Ergebnisse 2021 erreicht werden kann. Insbesondere der anhaltende Chipmangel machte dabei Unternehmen im ­Umfeld der Automobilindustrie und ins­gesamt dem verarbeitenden Gewerbe zu schaffen. Nichtsdestoweniger peilt der Beteiligungsspezialist ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr an. Im Portfolio der Münchner finden sich Anteile an acht mittelständischen Unter­nehmen. Das Portfolio mit Beteiligungen aus den Bereichen Beschichtungs-, Klebstoff- und Kunststofftechnik ist diversifiziert und relativ robust. Zudem liegt der Börsenwert deutlich unter dem ausgewiesenen Net Asset Value; dieser betrug zum 30. Juni 2021 zuletzt 170,6 Mio. EUR und somit 38,82 EUR pro Aktie – womit er den Börsenwert um 40% übertraf. Hieraus ergibt sich eine zusätzliche „Margin of ­Safety“, also Sicherheitsmarge für ­Anleger. Hinzu kommt eine attraktive Dividendenrendite: 2021 lag die Ausschüttung bei 1,00 EUR je Anteilschein, was aktuell in etwa einer Rendite von 3,5% entspricht. In den Vorjahren betrug die Dividende jeweils 0,75 EUR, woraus sich ein stabiles Ausschüttungsniveau ergibt. Dieses soll mindestens beibehalten werden. Sollten die aktuellen Verwerfungen im Beschaffungsmarkt nur temporärer ­Natur sein und eine Erholung einsetzen, bietet die Aktie interessante Perspektiven. Hierfür sorgen die aktuellen Portfoliounternehmen wie auch mög­liche weitere Zukäufe.

Nach dem jüngsten Verkauf des Portfoliounternehmens Carl Schaefer prüft Blue Cap eigenen Angaben zufolge regel­mäßig weitere Exitoptionen. Auf dem virtuell abgehaltenen Eigen­kapital­forum beantwortete CIO Tobias Hoffmann-­Becking Teilnehmerkreisen zufolge die Frage, ob auch Börsengänge eine mög­liche Exitoption darstellen, positiv. Dies könne sich Blue Cap beispielsweise bei der Minderheits­beteiligung Inheco vorstellen (die ­Zustimmung der Co-Investoren vorausgesetzt).

Die in Grünwald ansässige Gesellschaft Aurelius Equity Opportunities SE & Co. KGaA zeigte sich zuletzt ebenfalls sehr umtriebig und gab sowohl ­Zugänge als auch Abgänge im Portfolio bekannt. 2021 ließ eine der größten Übernahmen der Unternehmens­geschichte aufhorchen: Der Zukauf der im britischen Gesundheitssektor tätigen McKesson UK wurde mit einem ­Volumen von 477 Mio. GBP gestemmt. Die Finanzierung erfolgte über den neu aufgesetzten eigenen Aurelius Euro­pean Opportunities Fund IV. Das neue Co-Investment-Vehikel bietet noch zusätzliches freies Kapital für Übernahmen. Der zum Halbjahr ausgewiesene NAV betrug 38,50 EUR. Der Aktienkurs notiert somit in etwa 27,5% unter dem ausgewiesenen Wert. Das Portfolio von Aurelius umfasst dabei einige Beteiligungen in einem „reifen“ Stadium. Dies könnte dazu führen, dass Aurelius in den kommenden Jahren einige Verkäufe („Exits“) verzeichnet und dadurch hohe Geldzuflüsse erzielt.

Fast schon traditionell umtriebig zeigte sich auch die dritte Münchner Beteiligungsgesellschaft aus dem ­Bereich Buy, Turnaround and Sell: die Mutares SE & Co. KGaA. Bereits fünf Exits und zehn Akquisitionen stehen 2021 unter dem Strich auf der Habenseite. Verkauft wurde unter anderem die STS Group an die Adler Pelzer Group. Der gesamte Rückfluss aus dem Investment in die STS Group betrug 72 Mio. EUR, was in etwa einer Verneunfachung des eingesetzten Kapitals entspricht. Zuletzt konnte Mutares zudem im Rahmen der Neunmonatszahlen neue Umsatzrekorde vermelden.

Als Vertreter des Ansatzes Buy, Im­prove and Hold führt die deutsche ­Beteiligungsholding Gesco derzeit umfangreiche Operating-Expenses-(OPEX-)Maßnahmen, also Schritte zur Optimierung der laufenden Betriebsausgaben durch. 2021 wurde der Bereich Medizintechnik durch die Übernahme der UMT Gruppe ausgebaut. Auch Indus setzt den Fokus auf weitere Optimierungen im Rahmen der konzerneigenen Strategie „Zwischenspurt“. Im August wurde zuletzt die eigene Prognose angehoben. Ein weiterer Vertreter des Ansatzes ist die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG). Der größte deutsche Private-­Equity-Investor im Small- und Mid-Cap-Bereich verfügt über eine Vielzahl an Portfolio­unternehmen und legt darüber hinaus auch eigene geschlossene Fonds auf. Das im März 2021 aus dem SDAX ausgeschiedene Unternehmen verzeichnete seine ersten Aktivitäten bereits 1965 und gilt somit als einer der Pioniere auf dem deutschen Private-­Equity-Markt.


Hinweis auf Interessenkonflikt (IK): Der Autor hält derzeit Aktien der Blue Cap AG (Kennzeichnung mit (IK) in der Tabelle).


FAZIT

Rohstoffmangel, Halbleiterkrise und angespannte Lieferketten – die Herausforderungen für die Wirtschaft und ­damit für viele Beteiligungsunternehmen sind auch 2021 vielfältig. Hieraus entstehen aber auch Chancen für Anleger. Erfahrene Beteiligungsmanager ­navigieren mit kleineren Gesellschaften schneller und flexibler durch schwierige Gemengelagen als unflexible Großkonzerne. Zudem lässt sich durch eine vermehrte Ausrichtung in konjunkturunsensible Branchen wie Medizintechnik die Abhängigkeit von der Konjunktur weiter verringern. Gute Manager ­haben dies im Blick. Entspannt sich 2022 die aktuelle Lieferkettenproble­matik wieder, dürften einige aufgeschobene Aufträge zudem nachgeholt ­werden. Die Ergebnisse könnten dann wieder anziehen. Zudem wurden die ­Dividenden in der Regel zuletzt nicht gekürzt – somit sind auch weiterhin ­attraktive Ausschüttungen zu erwarten. In den Bereich Private Equity lässt sich hervorragend über die Börse investieren. Anleger profitieren weiterhin von den klassischen Vorteilen börsennotierter Gesellschaften: geringe Gebühren und entsprechende Liquidität. Somit stehen für börsengelistete Private-Equity-­Unter­nehmen auch weiterhin alle Ampeln auf Grün. Von den genannten Alternativen erscheinen insbesondere die beiden Münchner Gesellschaften Blue Cap und Aurelius attraktiv. Auf dem aktuellen ­Niveau bietet sich bei beiden Werten die Chance, mit einem Abschlag auf den ausgewiesenen NAV ­einzusteigen.

Autorenprofil
Yannick Barth

Yannick Barth ist studierter Betriebswirt und beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren intensiv mit dem internationalen Kapitalmarktgeschehen. Seine Fokusthemen sind Small Caps, Börsengänge (IPOs) und Private Equity. Er schreibt sowohl für die Unternehmeredition als auch für Goingpublic. Zusätzlich verfasst er Analysen und Interviews auf seiner eigenen Homepage langfristanleger.net.

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