Strategieberatung: Heute gibt es mehr Alternativen denn je bei der Vermögensverwaltung.

Unterbrochene Lieferketten und Branchen, denen schlagartig ihr Geschäft weggebrochen ist: Die Coronavirus-Pandemie hat die Weltwirtschaft innerhalb weniger Wochen auf eine Art und Weise getroffen, wie wir es selbst nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Jahr 2008 nicht erlebt haben! Während aber seinerzeit der Finanzsektor die Realwirtschaft infiziert hat, ist jetzt primär die Unternehmensseite weltweit in ganzer Breite tangiert mit der Gefahr einer Insolvenzwelle. VON DR. KLAUS WEIGEL

Banken und Sparkassen könnten bald durch hohe Kreditausfälle in Schieflage kommen. Die Unternehmen sind jetzt erst einmal gefordert, ihre finanzwirtschaftliche Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Dazu gehört u.a. eine akribische Liquiditätsplanung, die Adjustierung der bisherigen Finanzierungsinstrumente und der intensive Dialog mit den Finanzierungspartnern, um rechtzeitig auf der Basis von Fakten notwendige Maßnahmen vereinbaren zu können. Dabei muss aber akzeptiert werden, dass Liquidität zu Lasten der Rentabilität geht, wie die nächsten Monats- bzw. Quartalsabschlüsse zeigen werden. Ein starker Fokus wird aber auch gelegt werden müssen auf alle Belange einer Optimierung des Working Capital.

In einer längerfristigen Analyse müssen dann die Geschäftsmodelle der Unternehmen auf den Prüfstand. Passt die bisherige Produktpalette, die mögliche Abhängigkeit von Lieferbeziehungen sowie die internationale Ausrichtung noch zu der „Welt nach Corona“? Viele Führungskräfte in den Unternehmen kennen nur das Umfeld positiven Wachstums und benötigen ggfs. strategische Sparringspartner. Hinzu kommen die nicht gewichenen Herausforderungen durch die Digitalisierung und Umwälzungen wie etwa in der Automobilwirtschaft. Daher gilt es auch das Thema einer qualifizierteren Besetzung von Beiräten bzw. Aufsichtsräten neu zu durchdenken.

Erfahrene Persönlichkeiten einbinden

Ein Aufsichtsrat bzw. Beirat bietet die einmalige Chance, externe Know-how-Träger mit unternehmerischer Erfahrung in das Unternehmen einzubinden. Dabei ist ein Beirat in Familienunternehmen in der Regel kein juristisch definiertes Organ, sofern nicht die Rechtsform bzw. die Größe eines Unternehmens einen Aufsichtsrat gesetzlich vorschreiben. Diesem freiwilligen Gremium können ganz individuell bestimmte Beratungs- und Entscheidungsfunktionen übertragen werden.

Aufsichtsräte bzw. Beiräte bringen etwa bei Fragen zur strategischen Neupositionierung eine unabhängige Sichtweise ohne betriebsinterne Zwänge und Interessenkonflikte ein. Sie stellen damit zusätzliches externes Know-how zur Verfügung, um Risiken zu verringern und Fehler zu vermeiden. Über Gremienmitglieder können auch neue Kontakte und Netzwerke erschlossen werden.

Empfehlungen für ein erfolgreiches Aufsichts- bzw. Beiratsgremium

Nachfolgend einige „Spielregeln“, bei deren Beachtung ein Aufsichtsrat bzw. Beirat gerade auch für Familienunternehmen zu einem Erfolgsmodell werden kann:

  1. Bei der Auswahl von Gremienmitgliedern stehen unternehmerische Kompetenzen, Integrität und Loyalität sowie das Engagement, das die betreffende Person zu erbringen bereit ist, im Vordergrund. Gremienmitglieder müssen materiell, emotional und persönlich unabhängig sein.
  2. Ein Gremienmitglied muss ausreichend Zeit mitbringen können, um sich gewissenhaft mit den relevanten Themen in einem Unternehmen befassen zu können. Der zeitliche Aufwand für eine verantwortungsbewußte Mandatstätigkeit hat auch in Familienunternehmen deutlich zugenommen.
  3. Die Besetzung des Kontroll- und Aufsichtsgremiums mit Beratern, die dem Unternehmen nahestehen, kann bei diesen zu Interessenkonflikten führen. Diesem Personenkreis fehlt darüber hinaus oft die für die Gremienarbeit wertvolle operative Erfahrung.
  4. Die Vergütung der Gremienmitglieder sollte den Anforderungen, die an sie gestellt werden, entsprechen. Lieber ein Aufsichtsgremium mit wenigen Personen, aber dafür sehr qualifiziert besetzen und seine Mitglieder angemessen honorieren. Hier kann als Richtschnur der Tagessatz von qualifizierten Beratern oder auch die Vergütung der Geschäftsführer dienen.
  5. Gremienmitglieder sollten, auch wenn sie keine operative Verantwortung mehr tragen, mit den aktuellen Branchen- und Marktentwicklungen vertraut sein. Prominente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind im Zweifel nicht für die Besetzung von Aufsichtsgremien in Familienunternehmen geeignet.

Fazit

Ein qualifiziert besetzter Aufsichtsrat bzw. Beirat ist insbesondere in Krisensituationen ein strategisches Instrument zur Sicherung der Unternehmenszukunft. Richtig besetzt hilft er das unternehmerische Vermögen zu erhalten und zu mehren. Es ist durchaus auch sinnvoll, einen erfahrenen Restrukturierer in einen Aufsichtsrat bzw. Beirat aufzunehmen. Dieser kann die Geschäftsführung bei der Erarbeitung eines tragfähigen Restrukturierungsplans aktiv unterstützen und für Konsens zwischen den verschiedenen Stakeholdern sorgen. In Zeiten sich immer rascher verändernder Rahmenbedingungen und auch disruptiver Veränderungen gilt es regelmäßig die Robustheit der Unternehmensstrategie zu hinterfragen. Letztlich geht es um die Frage, wie anfällig das Unternehmen für exogene bzw. disruptive Veränderungen ist. Diese Fähigkeit von Aufsichtsräten bzw. Beiräten Entwicklungen zu antizipieren muss eine Kernkompetenz sein, denn sie entscheidet mit über Erfolg und Mißerfolg eines Unternehmens. Bei der Suche nach qualifizierten Aufsichtsräten und Beiräten empfiehlt es sich, auch auf professionelle und auf diesem Gebiet spezialisierte Dienstleister zurückzugreifen, da diese den Kreis möglicher Kandidaten über das eigene Umfeld hinaus erweitern können.


ZUM AUTOR

Dr. Klaus Weigel, Board Xperts

Dr. Klaus Weigel ist seit 2007 Geschäftsführender Gesellschafter der Board Xperts GmbH, Frankfurt am Main. Er war 25 Jahre für verschiedene Banken im Corporate-Finance- und Private-Equity-Geschäft in leitender Funktion und als Mitglied in Beiräten und Aufsichtsräten tätig. Die Board Xperts GmbH ist spezialisiert auf die Vermittlung qualifizierter Aufsichtsräte und Beiräte. Dr. Weigel ist zugleich Mitgründer und Vorstandsmitglied der Vereinigung Aufsichtsräte Mittelstand in Deutschland e.V. (ArMiD). klaus.weigel@board-experts.de

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Dr. Klaus Weigel ist Gastautor.