Ein technologischer Marktführer in Schieflage: Als inhabergeführter Mittelständler mit Hauptsitz in Nordrhein-Westfalen und knapp 300 Mitarbeitern investierte ein Unternehmen in der Vergangenheit konsequent in Forschung und Entwicklung. Doch Ende 2012 mehrten sich die Probleme und nach einer missglückten Umstellung der IT-Systeme sowie dem Ausfall zweier Großkunden stand man vor einem Scherbenhaufen. Es wurde zügig eine Restrukturierungsberatung beauftragt, die nach kurzer Zeit als Lösungsweg eine Sanierung nach dem ESUG vorschlug.

Eine Frage der Finanzierung
Bei der geplanten Sanierung im Rahmen des ESUG stand man nun vor der Situation, dass Sachwalter, eigenverwaltender Schuldner, vorläufiger Gläubigerausschuss sowie Gläubigerbanken dem Insolvenzplan zustimmen mussten. Knackpunkt war in diesem Fall die Frage der Finanzierung. Für den schwierigen Weg des „wirtschaftlichen Turnarounds“ benötigte das Unternehmen erst einmal Liquidität. Bei der Eröffnung des Insolvenzverfahrens schnitten jedoch die Gläubiger das Unternehmen von der Liquiditätszufuhr ab. Es musste ein Weg gefunden werden, frisches Geld für die Fortführung des Betriebes zu finden. Mit Ausnahme eines Massedarlehens stand dem Unternehmen auf den ersten Blick keine Alternative offen.

Sale & Lease-back als Rettungsanker
Um die notwendige Finanzierung sicherzustellen, entschloss sich die Unternehmensführung schließlich zu einer Sale & Lease-back-Lösung. „Wir suchten nach Möglichkeiten, um frische Liquidität in dieser angespannten Situation zu generieren“, so der Geschäftsführer der mandatierten Unternehmensberatung. „Bei den Banken rannten wir in dieser Situation nicht gerade offene Türen ein, gerade die Hausbanken standen unter Schockstarre“. Mit dieser Finanzspritze konnte das Unternehmen im April 2013 schließlich ca. 1,6 Mio. EUR zusätzliche Liquidität generieren – rein auf Basis des Anlagevermögens, ohne Stellung zusätzlicher Sicherheiten. Der Betrieb verkaufte dafür seine gebrauchten Maschinen an einen externen Finanzdienstleister. Im Anschluss leaste das Unternehmen diese zurück. „Wir konnten innerhalb von knapp sieben Wochen wieder frei atmen“, so ein Vertreter der Gesellschafterfamilie.

Liquidität aus dem Anlagevermögen
Seit Basel II/III erfahren sogenannte Asset-Based-Finanzierungen wie Factoring und Sale & Lease-back als Alternative zu traditionellen Cashflow-/EBITDA-Finanzierungen einen Aufschwung. Das Leasingmodell kann hierbei eine intelligente Möglichkeit zur Nutzung interner Liquiditätsreserven sein. Per Kaufvertrag wird ein Teil des Maschinenparks aus dem Eigentum des Unternehmens an die Leasinggesellschaft übertragen. Diese begleicht den Kaufpreis an das Unternehmen. Die Maschinen stehen weiterhin dem Unternehmen zur Verfügung und für die Nutzung wird ab sofort eine monatliche Leasingrate gezahlt. Diese Konstruktion ermöglicht eine Liquiditäts- und Ertragsbeschaffung aus der Substanz. Langfristig in Anlagen und Maschinen gebundenes Kapital wird aktiviert. Häufig können zudem auch erhebliche stille Reserven aus Wertsteigerungen aufgedeckt werden.

Fazit:
Mittelständischen Unternehmern steht mit Sale & Lease-back eine Finanzierungslösung im Rahmen der Insolvenz zur Verfügung. Dieser Finanzierungsbaustein kann ein Weg sein, das Unternehmen kurzfristig mit der notwendigen Liquidität zu versorgen. Ein solches Vorhaben verhilft dem Unternehmen bankenunabhängig und innerhalb kurzer Zeit zu neuem Spielraum, insbesondere in Phasen der Sanierung und Restrukturierung.


Zur Person

Carl-Jan von der Goltz (goltz@maturus-finance.com) ist geschäftsführender Gesellschafter der Maturus Finance GmbH. Maturus Finance ist eine bankenunabhängige Finanzierungsgesellschaft und bietet innovative Wege in der Unternehmensfinanzierung an.