Wahl-Gruppe beantragt Sanierung in Eigenverwaltung

Insolvenz, Wirtschaftskrise
INSOLVENZVERWALTER

Die Wahl-Gruppe beantragt die Einleitung eines Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung für sechs operative Gesellschaften beim Amtsgericht Siegen. Die Geschäftsführung strebt eine zukunftsfähige Neuaufstellung des Unternehmens an. Betroffen sind die Horst Wahl GmbH & Co. KG und die Alfred Wahl GmbH & Co. KG. Weitere Verfahren betreffen die K & W-Wahl Management GmbH und die Räder- & Pflegecenter Wahl GmbH. Ebenso gehören die Lackierzentrum Siegerland GmbH sowie die K & W mobility GmbH dazu. Der Geschäftsbetrieb an allen 31 Standorten läuft uneingeschränkt weiter. Die Gruppe vertreibt 16 Marken in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz. Dazu zählen Fahrzeuge von BMW, Mini, Mazda, Kia, Xpeng, MG sowie Stellantis-Marken. Das 1898 gegründete Familienunternehmen beschäftigt insgesamt rund 1.000 Mitarbeiter.

Umsatzrückgänge und hoher Kostendruck

Als Ursachen nennt das Unternehmen erhebliche Kostensteigerungen sowie spürbare Umsatzrückgänge. Die geopolitischen Verwerfungen der vergangenen Jahre führten zu einer Kaufzurückhaltung bei Privatkunden und Firmenkunden. Laut dem Institut für Automobilwirtschaft erzielte die Gruppe zuletzt 468 Mio. EUR Umsatz. Dabei setzte der Händler etwa 8.700 Neuwagen und 7.400 Gebrauchtwagen ab. Zuvor geriet bereits die König-Gruppe in wirtschaftliche Bedrängnis.

Bruch mit Renault erzwingt Portfolioänderung

Zusätzlich belastete eine Neuausrichtung des Markenportfolios die finanzielle Lage des Handelsunternehmens. Zuvor agierte die Autohausgruppe als einer der bundesweit größten Händler für Renault. Nach einem Streit trennte sich der Hersteller von dem Unternehmen. Die Gruppe musste ihr gesamtes Angebot innerhalb weniger Monate umbauen. Dabei nahm das Unternehmen vor allem Marken des Stellantis-Konzerns neu auf. Eine vergleichbare Entwicklung führte bereits bei der Preckel-Gruppe zu einer Insolvenz. Der geschäftsführende Gesellschafter Thomas Wahl erklärte dazu: „Diese Kombination von Herausforderungen war und ist auch für uns als vorsichtig planendes und agierendes Familienunternehmen über einen Zeitraum von inzwischen mehreren Jahren nicht durchzuhalten. Wir sind aber überzeugt davon, dass wir uns mit dem nun begonnenen Sanierungsverfahren neu und zukunftsfähig aufstellen können.“

Löhne bis Ende November gesichert

Die Entgelte der Beschäftigten sind bis Ende November über das Insolvenzgeld abgesichert. Ab Dezember plant die Gruppe die Zahlung der Gehälter wieder aus eigenen Mitteln. Nach Angaben der Geschäftsführung soll das operative Geschäft die Personalkosten vollständig erwirtschaften. Im Rahmen der Eigenverwaltung bleibt die bisherige Unternehmensleitung voll handlungsfähig im Amt. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht das gesamte Verfahren. Sanierungsexperte Dr. Jürgen Erbe und Sanierungsexperte Michael Böhner von der Kanzlei Schultze & Braun treten als Generalbevollmächtigte ein. Betriebswirtschaftliche Unterstützung liefert zudem die Beratungsgesellschaft Prudentes Management GmbH. Erbe und Wahl betonten gemeinsam: „Wir werden die Sanierungsverfahren nutzen, um den bereits eingeschlagenen Weg der Neuaufstellung fortzusetzen und abzuschließen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass uns das gelingen wird. Mit der avisierten Neuaufstellung soll eine Zukunftsperspektive für die zahlreichen Standorte und das weitreichende Händlernetzwerk geschaffen werden.“ Das Verfahren soll nun zügig beendet werden.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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