„Der Hafenmeister ist der König“

Geschäftsmodell in Kroatien (© European Coastal Airlines )
Geschäftsmodell in Kroatien: European Coastal Airlines.

Klaus Dieter Martin, langjähriger Flugkapitän bei der LTU, ging in diesem Jahr mit einer eigenen Airline in Kroatien an den Start. Im Interview erklärt er, warum er einen langen Atem haben brauchte, um letztlich abheben zu können. 

Herr Martin, wie kommt man auf die Idee, eine eigene Airline aufzubauen?

Das war 1999 beim Segeltörn vor Kroatien. Wir sahen das Entwicklungspotenzial der über 1.200 Inseln vor der Küste des Landes, die bislang nur per Schiff erreicht wurden. Ich wollte mit Wasserflugzeugen den Transfer vom Festland für Touristen und Einheimische abwickeln. Man konnte zwar von Deutschland aus in ein, zwei Stunden die großen Flughäfen wie Zagreb oder Split erreichen – danach brauchte man aber mehrere Stunden, um auf die Inseln zu kommen.

Von der Idee bis zum Start des ersten Fluges vergingen fast 16 Jahre. Worin lagen die Schwierigkeiten?

Als wir 1999 bei der kroatischen Regierung vorstellig wurden, waren wir eindeutig zu früh. Kroatien war noch nicht in der westlichen Welt angekommen. Dann kam der 11. September 2001, und als 2002 die Swiss Air Pleite ging, hieß es bei allen Banken auf der Welt: Alles was Flügel hat und Flugzeug heißt, wird nicht finanziert. 2007 habe ich einen neuen Anlauf genommen, der geradewegs 2009 in die Finanzkrise mündete. So kam erst 2011 die Münchner Lehel Industrie GmbH als Investor mit 600.000 Euro an Bord. Bis dahin hatte ich nahezu zwei Mio. Euro von meinen Verdienst ins Projekt gesteckt.

Womit haben Sie in der Zwischenzeit Geld verdient?

Ich habe nebenher immer wieder als Flugkapitän gearbeitet, dabei aber die angebotenen Teilzeitmodelle sehr intensiv genutzt, um jede freie Minute ins Projekt zu stecken.

Der Aufbau einer Airline ist sehr kapitalintensiv. Wie viel Geld brauchten Sie?

Wir brauchen Geld für die 20 Dockstationen auf den Inseln, wo jede zwischen eine halbe Million und drei Mio. Euro kostet. Dazu Geld für das Personal, die Infrastruktur für die Wartung. In einer ersten Finanzierungsrunde haben wir 17 Mio. Euro von malaysischen Investoren zusammen bekommen. In der zweiten Runde gaben sie uns dieses Jahr nochmal 20 Mio. Euro. Das Geld wird als Private Equity und Mezzanine zur Verfügung gestellt. Hinzu kommen noch die Flugzeuge.