Anne Koark (© Sigrid Reinichs)
Anne Koark (© Sigrid Reinichs)

Anne Koark bezeichnet sich selbst als Pleitier. Im Jahr 2003 ging Ihr Unternehmen insolvent, mit Ihrem Wirtschaftsbestseller „Insolvent und trotzdem erfolgreich“ hat sie Unternehmern Mut gemacht, offen mit dem Scheitern umzugehen.

Frau Koark, bei den Olympischen Spielen in Rio wurde vor allem über Sieger und Medaillengewinner gesprochen. Sie haben da wahrscheinlich einen anderen Blick drauf…

Ich verfolge so etwas intensiv. Für mich ist das ein Kleinkosmos des Lebens. Man arbeitet so lange auf etwas hin und hat das Gefühl, unschlagbar zu sein. Nur wenn der entscheidende Tag dann kommt, kann es sein, dass es nicht läuft. Dann muss man sich damit auseinandersetzen, etwas nicht geschafft zu haben und ein Mensch zu sein. Ein Beispiel ist für mich Fabian Hambüchen, der über Jahre hinweg damit leben musste, sein Ziel nicht zu erreichen und trotzdem nicht zu verkrampfen. Jetzt hat er es dann doch geschafft mit seiner Goldmedaille.


„Ohne Scheitern gibt es keine Innovation.“

Anne Koark, Ex-Pleitier und Unternehmensberaterin


Kommen wir zum wirtschaftlichen Scheitern, das für Sie eine positive Bedeutung hat. Wieso?

Ich denke, dass wir eine Begriffsrevolution beim Wort Scheitern brauchen. Denn die Fehler, die dahin führen, sind nichts Schlechtes. Ohne Scheitern gibt es keine Innovation. Nehmen sie das Beispiel Fliegen. Wie viele Menschen mussten sich ausprobieren und daran scheitern, bis dann die richtige Technik erfunden wurde. Dasselbe gilt für moderne Technologien. Keine Software funktioniert bei der ersten Version. Dafür gibt es Updates.