Traditionsbetrieb Eberle insolvent – Geschäftsbetrieb läuft weiter

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Die J.N. Eberle & Cie. GmbH hat beim Amtsgericht Augsburg einen Insolvenzantrag gestellt. Das Gericht ordnete daraufhin die vorläufige Insolvenzverwaltung für das Augsburger Traditionsunternehmen an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Georg Jakob Stemshorn von der Gesellschaft Pluta bestellt. Der Geschäftsbetrieb des Spezialisten für Stahlprodukte läuft derzeit unverändert weiter. Alle bestehenden Aufträge werden laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter wie gewohnt bearbeitet. Die rund 250 Mitarbeiter des Betriebs wurden bereits im Rahmen einer Versammlung informiert.

Sicherung der Löhne

Die Bezüge der Beschäftigten sind für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert. Eine Vorfinanzierung dieser Gelder leitet das Team um Georg Jakob Stemshorn derzeit ein. Neben dem Sanierungsexperten gehört auch der Wirtschaftsjurist Maximilian König zum eingesetzten Team. Die Experten verschaffen sich aktuell einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens. In den kommenden Wochen soll ein strukturierter Prozess zur Kapitalbeschaffung beginnen. Ziel ist die Durchführung eines sogenannten M&A-Prozesses zur Gewinnung neuer Investoren.

Herausforderungen im Stahlsektor

„Der Fokus liegt aktuell auf der Stabilisierung des Geschäftsbetriebs“, erklärt Georg Jakob Stemshorn. Laut dem Sanierungsexperten erfolgt zudem eine genaue Analyse der Rahmenbedingungen. Auf dieser Basis sollen die weiteren Schritte im Verfahren geprüft werden. Die Ursprünge der Firma reichen bis in das Jahr 1836 zurück. Das Unternehmen fertigt Präzisionsbandstahl, Bimetall und Bandsägen für industrielle Anwendungen. Nach Angaben der Verantwortlichen sind Liquiditätsschwierigkeiten der Grund für den Gang zum Insolvenzgericht. Belastend wirken laut dem Betrieb die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Einfluss geopolitischer Faktoren

Geopolitische Konflikte und hohe Energiepreise belasten die gesamte Branche erheblich. Zudem sorgen Unsicherheiten im internationalen Umfeld für eine sinkende Nachfrage bei Industriekunden. Viele Abnehmer sehen sich laut dem Unternehmen ebenfalls wirtschaftlichen Herausforderungen gegenüber. Dies wirkte sich dämpfend auf den Absatz der Augsburger Produktion aus. Das Unternehmen bildet die gesamte Prozesskette von der Härtung bis zur Qualitätssicherung ab. Diese hohe Fertigungstiefe soll bei der Sanierung eine Rolle spielen.

Zukunft der Holding

„Unser Unternehmen Eberle verfügt über eine hohe technologische Kompetenz“, erklärt Geschäftsführer Gernot Egretzberger. Laut dem Manager bestehen langjährige Kundenbeziehungen und eine klare Positionierung im Markt. Die Gespräche mit der Kanzlei Pluta verlaufen nach Angaben der Geschäftsführung konstruktiv. Parallel hat auch die Muttergesellschaft Greiffenberger AG einen Insolvenzantrag gestellt. Die börsennotierte Holding verfügt selbst über keinen operativen Geschäftsbetrieb. Zur Gruppe gehören weitere Gesellschaften in Polen, Italien, Frankreich, den USA und Südkorea.

Laut der Greiffenberger AG besteht derzeit keine positive Fortführungsprognose für die Holding. Der Vorstand erwartet nach aktuellen Mitteilungen keine wesentlichen Verwertungserlöse im Verfahren. Dennoch werden die Kunden der J.N. Eberle & Cie. GmbH weiterhin mit Produkten versorgt. Ziel aller Beteiligten bleibt die Erarbeitung einer tragfähigen Lösung für den Standort. Die technologische Kompetenz soll dabei helfen, neue Partner zu finden. Das weltweite Netzwerk an Vertriebsgesellschaften bleibt bis auf Weiteres aktiv. Weitere Entwicklungen hängen von den Ergebnissen der laufenden wirtschaftlichen Prüfungen ab.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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