Geopolitische Spannungen verlängern den Zyklus der Unternehmensrestrukturierungen auf dem europäischen Kontinent spürbar. Die Aktivitäten verlagern sich von Osteuropa nach Westeuropa. Dies geht aus einer Studie der Beratung EY-Parthenon hervor. Die Autoren Ben Trask von der Ernst & Young Management Consulting GmbH und Henry Beech werteten die Daten aus. Die Experten befragten dafür Kreditspezialisten aus 30 Ländern. Die Befragung fand im März und April des Jahres 2026 statt. Laut der Untersuchung verzeichneten 60% der befragten Kreditspezialisten im zweiten Halbjahr 2025 einen Anstieg der Restrukturierungen. Für das erste Halbjahr 2026 erwarten sogar 73% der Experten eine Zunahme der Fälle. Der Höhepunkt des aktuellen Zyklus verschiebt sich damit weiter nach hinten. Rund 60% der Befragten rechnen erst im zweiten Halbjahr 2026 mit dem maximalen Fallvolumen. Weitere 22% erwarten den Scheitelpunkt sogar erst im ersten Halbjahr 2027. Viele Unternehmen besaßen anfangs noch hohe Liquidität und langfristige Kredite mit niedrigen Zinsen. Diese finanziellen Puffer verzögerten den Ausbruch offener Krisen in der Wirtschaft nachhaltig. Überlappende Herausforderungen verhindern derzeit eine schnelle Entlastung der Betriebe.
Industriesektoren unter hohem Druck
Die Krise trifft die europäischen Industriezweige besonders stark. Als Hauptursache für den Anstieg gelten die Kosten für Energie und Rohstoffe. Schwaches Wachstum und sinkende Umsätze belasten die Bilanzen zusätzlich. Geopolitische Konflikte verschärfen die Situation der Unternehmen. Nach Angaben der Studienautoren stufen 60% der europäischen Konzernchefs geopolitische Spannungen als das größte Risiko ein. Im Vereinigten Königreich teilen 54% der Vorstandsvorsitzenden diese Einschätzung.
Der Automobilsektor führt die Liste der krisengeschüttelten Branchen bereits zum dritten Mal an. Hohe Fixkosten und intensiver Wettbewerb treffen auf strenge Regulierungen. Zulieferer der zweiten und dritten Ebene leiden unter der starken Konkurrenz aus China. Zudem belasten Zölle aus den USA und eine langsame Akzeptanz von Elektrofahrzeugen die Gewinnmargen. Westeuropäische Werke kämpfen mit Überkapazitäten und einer geringen Auslastung. Der Maschinenbau verzeichnet ebenfalls steigende Risiken. Die Betriebe leiden unter einer schwachen Nachfrage und volatilen Energiepreisen. Gleichzeitig erfordert die Modernisierung hohe Investitionen. Viele mittelständische Betriebe stoßen bei der Finanzierung an ihre Grenzen. Im Vereinigten Königreich zeigt sich ein anderes Bild. Dort sind die Branchen Chemie und Bauwirtschaft stärker betroffen als der Automobilbau.
Ausweitung der Krise auf die Landwirtschaft
Die Spannungen im Nahen Osten belasten nun auch die Landwirtschaft. Die Kosten für Düngemittel, Energie und Logistik steigen dadurch an. Höhere Löhne und strengere Vorschriften erhöhen den Druck. Das Wetterphänomen El Niño könnte die Erntemengen zusätzlich gefährden. Der Transportsektor kämpft mit Kraftstoffpreisen und schwankender Nachfrage. Die Betriebe müssen ihre Lieferketten flexibler gestalten. Lokale Faktoren verstärken die globalen Schocks in diesen Regionen erheblich. Die Krise im Chemiesektor konzentriert sich vor allem auf Deutschland, Polen und die Benelux-Staaten.
Die Restrukturierungsaktivitäten verlagern sich regional deutlich. Mehr als 80% der Experten in Westeuropa erwarten im ersten Halbjahr 2026 steigende Fallzahlen. Über die Hälfte dieser Befragungsteilnehmer prognostiziert ein Wachstum von mehr als 10%. In Osteuropa rechnen dagegen nur 70% der Spezialisten mit einer Zunahme. Ein zweistelliges Wachstum erwarten dort lediglich 33% der Teilnehmer. Die Schwerpunkte der Krise liegen in Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich.
Strategien zur Bewältigung der Krisen
Die Marktteilnehmer bevorzugen weiterhin einvernehmliche Lösungen. Die Stundung und Verlängerung von Krediten bleibt das wichtigste Instrument. Dahinter folgen betriebliche Sanierungen und Refinanzierungen. Spanien bildet hier eine Ausnahme. Dort spielen Refinanzierungen die Hauptrolle. Bestehende Banken und Aktionäre bleiben die wichtigsten Geldgeber für die Unternehmen. Die Bedeutung von Fonds für notleidende Kredite nimmt jedoch zu. Dieser Trend zeigt sich besonders im Vereinigten Königreich, in Spanien und in Polen. Der Markt verzeichnet zudem vermehrt beschleunigte Unternehmensverkäufe. Diese Entwicklung betrifft vor allem das Vereinigte Königreich. Tiefe Private-Equity-Märkte und dienstleistungsorientierte Sektoren begünstigen dort schnelle Synergien durch Konsolidierung.
In Großbritannien gewinnen strukturierte Haftungsmanagements an Bedeutung. Rund 50% der dortigen Experten erwarten den Einsatz dieser Instrumente. Im europäischen Durchschnitt liegt dieser Wert bei knapp 30%. Kreditgeber knüpfen ihre Unterstützung an strenge Bedingungen. Die Unterstützung der Aktionäre und ein glaubwürdiger Geschäftsplan sind dafür zwingend erforderlich. Ein gläubigergesteuertes Umfeld erfordert schnelles Handeln. Unternehmen müssen sich an geringeres Wachstum und höhere Kosten anpassen. Auch der technologische Wandel erfordert eine schnelle Reaktion der Betriebe. Rechtzeitiges Handeln sichert den langfristigen Fortbestand der Unternehmen. Die operative Unterstützung bei der Durchführung der gesamten Umfrage leistete David Koudela von der Ernst & Young s.r.o..







