Der Karrieretag Familienunternehmen am vergangenen Freitag bei Trumpf: Stellvertreter des deutschen Mittelstands.
Der Karrieretag Familienunternehmen am vergangenen Freitag bei Trumpf: Stellvertreter des deutschen Mittelstands.

Beim 23. Karrieretag Familienunternehmen folgten 650 Bewerber der Einladung nach Ditzingen nahe Stuttgart, wo der Werkzeughersteller Trumpf seinen Hauptsitz hat.  Die Initiatoren der Jobbörse heben dieses Mal die technischen und digitalen Kompetenzen der Talente hervor, betonen aber auch explizit fachfremde Interessen.

Der Gastgeber der neuen Ausgabe des Karrieretags Familienunternehmen repräsentiert in vielerlei Hinsicht den Status inhabergeführter Mittelständler: Im Stuttgarter Speckgürtel gelegen und umringt von klangvollen Namen wie Porsche, Daimler, Bosch und Mahle, hat sich Trumpf in den vergangenen Jahrzehnten eine eigene Marke aufgebaut. Heute steht Trumpf stellvertretend für den deutschen Mittelstand. Das belegt nicht zuletzt das persönliche Verhältnis zwischen Firmenchefin Nicola Leibinger-Kammüller und Bundeskanzlerin Angela Merkel.


Deshalb passten an diesem Ort die Botschaften der Initiatoren – der Entrepreneurs Club sowie die Stiftung Familienunternehmen – besonders gut. Stefan Klemm, Gründer des Entrepreneurs Club, erklärte bei der Pressekonferenz die Idee hinter der Jobbörse: „Es geht darum, Nischenanbieter herzuzeigen.“ Stefan Heidbreder von der Stiftung Familienunternehmen ergänzte: „Familienunternehmen liegen nicht so oft wie Konzerne in Großstädten oder in der Nähe von Forschungsinstituten. Dafür bieten sie ganz eigene Qualitäten, vor allem einen zwischenmenschlichen Kitt.“

Gastgeberin Nicola Leibinger-Kammüller: Das Profil abseits der Qualifikation ist auch wichtig.
Gastgeberin Nicola Leibinger-Kammüller: Das Profil abseits der Qualifikation ist auch wichtig.

Dieser Kitt scheint in der heutigen Zeit wieder wichtiger zu werden. Das belegt die Bewerberauswahl. Denn auch wenn die meisten Mitte zwanzig sind und mit einem Masterabschluss zum Karrieretag kommen, gibt es immer mehr gestandene Bewerber bis hin zu Führungskräften. Insgesamt trafen an dem Tag 650 Kandidaten auf 50 Familienunternehmen – darunter Haribo, Festo, Hansgrohe oder Voith – die teilweise sogar mit dem Firmenchef angereist waren.

Neben der Priorität für ein gutes Arbeitsverhältnis zeigt sich auch ein Trend zur intrinsischen Motivation. Es besteht eine Art Sättigung, was internationale Karrieren oder hohe Gehälter betrifft, wie Heidbreder und Klemm erläuterten. Auf der anderen Seite würden gerade hochspezialisierte Talente schnell den Arbeitgeber wechseln, wenn ein formal attraktiveres Angebot auf dem Tisch liege. Und das betrifft gerade die derzeit händeringend gesuchten Softwareentwickler oder Informatiker. Hierbei gilt es für die Familienunternehmen, flexible und mobile Arbeitsformen anzubieten.

Bei aller fachlichen Kompetenz sind gerade für Familienunternehmen andere Qualitäten wichtig. So hob die Gastgeberin Kammüller-Leibinger mehrfach hervor, dass ihr erster Blick nicht den Abschlussnoten gilt. Vielmehr achtet sich auf ein persönliches Profil: „Ich schaue darauf, ob sich jemand außerhalb des Fachbereichs interessiert, sich in Parteien oder Vereinen engagiert. Besonders fällt mir auf, wenn jemand liest – und damit meine ich keine Fachbücher.“ Vielleicht liegt die Affinität von Frau Leibinger-Kammüller für Literatur und Lyrik auch daran, dass keine fünf Minuten von der Trumpf-Zentrale entfernt der Reclam-Verlag seinen Hauptsitz hat.

Nähere Informationen zum Karrieretag Familienunternehmen finden Sie hier.