Deutschlands Industrie ist laut aktuellen Daten zum Hamburg Commercial Bank Einkaufsmanagerindex vielversprechend in das Jahr 2026 gestartet. Die Produktion wurde nach einem kurzen Rückgang im Dezember wieder ausgeweitet. Der entsprechende Index für die Produktion kletterte von 48,3 im Dezember auf 51,4 Punkte. Auch die Zahl der Neuaufträge nahm zum ersten Mal seit drei Monaten wieder zu. Die Nachfrage zog nach einer Schwächephase Ende 2025 jedoch nur leicht an. Laut der Pressemitteilung arbeiteten viele Hersteller verstärkt Rückstände ab. Dadurch schrumpften die Auftragsbestände kräftiger als im Vormonat. Der Hauptindex verbesserte sich insgesamt auf ein Dreimonatshoch von 49,1 Punkten. Dennoch notiert dieser Wert seit mehr als drei Jahren kontinuierlich unter der Wachstumsschwelle. Die Exportumsätze gingen erneut zurück, wenn auch mit der niedrigsten Rate seit drei Monaten.
Stellenabbau und Bestandsreduzierung
Trotz verbesserter Geschäftsaussichten setzte sich der Stellenabbau im neuen Jahr fort. Die Rückgangsrate lag laut Bericht auf dem Niveau des Durchschnitts der aktuellen Kontraktionsphase. Unternehmen begründeten dies mit Umstrukturierungen und der Reduzierung von Leiharbeitern. Auch die Nichtbesetzung offener Stellen wurde als Grund für den Personalabbau genannt. Gleichzeitig nahmen die Bestände der Vor- und Fertigwarenlager deutlich ab. Bei den Fertigwaren wurde das höchste Minus seit August 2021 verzeichnet. Die Einkaufsmenge sank dagegen nur marginal mit der schwächsten Rate seit sechs Monaten. Die Lieferzeiten verlängerten sich den fünften Monat hintereinander. Diese Verzögerungen fielen laut den Daten jedoch weniger deutlich aus als im Dezember.
Massiver Kostendruck
Die Umfrageergebnisse signalisieren einen zunehmenden Kostendruck für die deutschen Industrieunternehmen. Die Einkaufspreise stiegen so kräftig an wie seit über drei Jahren nicht mehr. Damit kletterte die Inflationsrate auf den höchsten Stand seit Dezember 2022. Befragte berichteten von Verteuerungen bei Metallen, Energie, Elektronik und Lohnkosten. Dennoch gingen die Verkaufspreise angesichts des starken Wettbewerbs leicht zurück. Die Deflation gegenüber dem Vormonat schwächte sich allerdings moderat ab. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, sieht Anzeichen für eine Erholung. „Das riecht nach einer möglichen Erholung“, kommentiert Cyrus de la Rubia die aktuelle Lage. Er verweist auf die robust gestiegene Produktion und den verbesserten Optimismus. Laut dem Experten scheinen Hersteller Chancen in der Produktion von Verteidigungsgütern zu sehen. Die Nachfrage steige dort aufgrund geopolitischer Spannungen und höherer öffentlicher Ausgaben.
Ausblick etwas optimistischer
Mit Blick auf die Zukunft zeigten sich die Hersteller etwas optimistischer. Die Geschäftsaussichten fielen so zuversichtlich aus wie seit sieben Monaten nicht mehr. Positive Erwartungen werden oft neuen Produkten, Innovationen und höheren Investitionen zugeschrieben. Dennoch bleibt die Lage laut Cyrus de la Rubia fragil. Die Unternehmen haben Schwierigkeiten, die Kostenbelastungen an ihre Kunden weiterzugeben. Der Anstieg der Einkaufspreise hänge stark mit den Erdgas- und Ölpreisen zusammen. Diese wurden durch die eiskalte Witterung in Europa und den USA hochgetrieben. Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik kooperiert bei der Erhebung dieser Daten. Die Umfrage basiert auf den Antworten von circa 420 Unternehmen. Der Teilnehmerpool wird nach branchenspezifischen Gesichtspunkten zusammengestellt. S&P Global erstellt den Index monatlich für das verarbeitende Gewerbe.







