Viele Investoren folgen dem Grundsatz, möglichst dauerhaft investiert zu bleiben. Es empfiehlt sich derzeit bewusst einen anderen Ansatz: Mit hohen Cashreserven und reduzierten Aktienquoten setzt das Haus auf selektive Investments statt Marktdynamik um jeden Preis. Dahinter steht die Einschätzung, dass die Risiken an den Märkten derzeit höher zu gewichten sind als mögliche Opportunitätskosten.
Seit Ende der Pandemie und dem kurzzeitigen Zinsschock 2022/ 2023 wurde die Aktienallokation schrittweise reduziert. Aus Sicht der Liechtensteiner Vermögensverwaltung Ott, Hagen & Partner befindet sich der Markt in einem Umfeld, das Risiken und Schwächen der Realwirtschaft teilweise ausblendet. In zahlreichen Mandaten des Hauses liegen die Barmittel daher nahe den Höchstgrenzen; die Aktienquoten wurden um 15 bis 20 Prozentpunkte reduziert.
Die Kluft zwischen Aktienkursen und Realität
Sämtliche führenden Indizes in den USA, Europa und der Schweiz handeln nahe ihren Allzeithochs. Bewertungsniveaus und Erwartungen an künftige Unternehmensgewinne steigen weiter. Gleichzeitig sendet die Realwirtschaft deutliche Warnsignale.
Das globale Wachstum bleibt fragil: Die Eurozone kämpft mit struktureller Stagnation, China mit einer weiterhin angespannten Immobilienwirtschaft und die USA mit hoher Staatsverschuldung sowie den Folgen einer restriktiveren Zollpolitik. Hinzu kommt der Irankonflikt, der bestehende Schwierigkeiten in Lieferketten verschärft und sich über steigende Preise auch auf Konsum- und Investitionsverhalten auswirkt.
Warum fallen die Kurse nicht?
Aus Sicht von Ott, Hagen & Partner liegt das an drei Faktoren: den jüngsten Korrekturen, die sich im Nachhinein nicht als echte Crashs erwiesen haben, den Erwartungen an Zinssenkungen und der anhaltenden KI-Euphorie.
Der postpandemische Rückgang 2022/2023 sowie der kurze Einbruch rund um die US-Zölle im Frühjahr 2025 haben die Bewertungen jeweils nur von „übertrieben“ auf „hoch“ korrigiert. Für Anleger fühlte sich das wie ein Crash an; strukturell blieb das Fundament hoher Bewertungen jedoch intakt. Zugleich wuchsen die Erwartungen an Zinssenkungen. Die Märkte antizipierten weitere geldpolitische Erleichterungen – und die Aussicht auf niedrigere Zinsen stützte die Bewertungen. Hinzu kam die KI-Euphorie: Investitionsankündigungen in dreistelliger Milliardenhöhe zogen vor allem Technologiewerte und damit auch große Indizes weiter nach oben.
Das Ergebnis ist ein Markt, der Korrekturen rasch als Kaufgelegenheiten interpretiert und strukturelle Risiken lange ausblendet. In aktuellen Unternehmensberichten zeigen sich jedoch zunehmend stagnierende Umsätze, sinkende Auftragseingänge, steigende Kosten und vermehrte „Adjustments“, welche die tatsächliche Ertragskraft schwerer einschätzbar machen.
Keine Wette auf den Crash
Dabei geht es der Ott, Hagen & Partner AG nicht darum, auf einen Börsencrash zu warten. Im Mittelpunkt steht vielmehr eine konsequente Kauf- und Verkaufsdisziplin: Maßstab ist nicht allein der Aktienkurs, sondern dessen Verhältnis zum Unternehmenswert. Hinzu kommt ein konzentrierter Portfolioansatz mit durchschnittlich 15 bis 20 Aktienpositionen.
Positionen werden reduziert oder verkauft, wenn die Erwartungen an Umsatz- und Gewinnwachstum nicht mehr realistisch erscheinen. Die Kombination aus schleichender konjunktureller Verschlechterung und steigenden Aktienindizes hat in den vergangenen Jahren wiederholt Gewinnmitnahmen ermöglicht. Gleichzeitig finden sich aktuell nur wenige Unternehmen, deren operatives Entwicklungspotenzial aus Sicht von Ott, Hagen & Partner in einem attraktiven Verhältnis zum Aktienpreis steht.
Grundlage ist ein strukturierter Bewertungsrahmen – von der Qualität des Managements und der Kapitalallokation über die Stabilität des Geschäftsmodells bis hin zu einem realistischen Zielkurs auf Basis normalisierter Gewinne. Die Ott, Hagen & Partner AG investiert erst, wenn Kurs und Wert in einem attraktiven Verhältnis stehen. Diese Disziplin erfordert Geduld, soll aber zugleich vor dauerhaftem Kapitalverlust schützen.Steigende Barmittel sind in diesem Ansatz kein Problem, sondern die Folge selektiver Anlageentscheidungen. Aus Sicht des Hauses genügen wenige, sorgfältig ausgewählte Investments zu angemessenen Preisen, um langfristig einen wesentlichen Beitrag zur Performance zu leisten.
FAZIT
Cash ist in diesem Verständnis keine Fehlinvestition, sondern eine bewusste Positionierung. Sie ermöglicht es, ohne Zugzwang auf Gelegenheiten zu warten, die den eigenen Qualitätsanforderungen entsprechen. In einem von Euphorie und Momentum geprägten Marktumfeld ist – für die Ott, Hagen & Partner AG – Zurückhaltung selbst Teil der Anlagestrategie. Der Unterschied ist entscheidend: Wer auf den Crash wartet, spekuliert. Wer auf den richtigen Preis wartet, investiert. Natürlich entstehen Opportunitätskosten; Cash wirft keine Dividenden ab, und in steigenden Märkten bleiben nicht voll investierte Mandate zurück. Doch dauerhafte Verluste zu vermeiden, wiegt langfristig schwer. Das Geld liegt nicht „rum“ – es wartet auf Gelegenheiten, bei denen Unternehmenswert und Aktienkurs wieder zusammenpassen.







