Deutsche Lieferanten und Kreditgeber gewähren ihren Kunden wieder längere Zahlungsziele. Nach Angaben des Verbandes der Vereine Creditreform e. V. stieg das durchschnittliche Zahlungsziel im 1. Halbjahr 2026 auf 32,21 Tage. Das bedeutet einen Anstieg um 0,75 Tage gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Es ist zudem der höchste Stand seit dem Jahr 2019. Laut der Wirtschaftsforschung der Creditreform ist die Wirtschaftslage derzeit sehr angespannt. Stark gestiegene Material- und Kraftstoffpreise infolge des Iran-Kriegs belasteten die Unternehmen. Ein Entgegenkommen der Kreditgeber war deshalb notwendig. Von der Ausweitung der Fristen profitieren jedoch oft nur große und bonitätsstarke Abnehmer. Diese besitzen eine entsprechend starke Verhandlungsposition gegenüber ihren Lieferanten. Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten erhielten ein durchschnittliches Zahlungsziel von 35,51 Tagen. Das sind drei Tage mehr als im Jahr 2023. Kleinunternehmen bekamen hingegen lediglich ein Zahlungsziel von 26,37 Tagen.
Druck auf kleinere Betriebe
Bei kleinen und mittleren Unternehmen stieg der Zahlungsverzug deutlich an. Lieferanten meldeten bei kleinen Firmen eine durchschnittliche Überfälligkeit von 10,52 Tagen. Bei mittleren Firmen waren es 10,66 Tage. Das bedeutet ein erhöhtes Risiko für alle Gläubiger. Großkunden beglichen ihre Rechnungen dagegen mit einer Verzögerung von nur 6,71 Tagen. Kleine und mittlere Betriebe stehen in der Wirtschaftskrise unter besonderem Druck. Sie erhalten kaum längere Zahlungsziele. Gleichzeitig müssen sie steigende Kosten bewältigen. Fast 80% aller Debitoren sind kleine Unternehmen. Regelmäßige Bonitätsprüfungen sichern Lieferanten gegen Ausfälle ab. Die Verzugsdauer überfälliger Rechnungen lag insgesamt bei 8,14 Tagen. Das ist ein weiterhin niedriger Wert. Die längeren Zahlungsziele führten somit zu einer verkürzten Verzugsdauer.
Das ausstehende Forderungsvolumen pro Schuldner verringerte sich auf 19.564 Euro. Das sind gut 4.000 Euro weniger als vor zwei Jahren. Der durchschnittliche Wert einer B2B-Rechnung sank von 1.960 Euro auf 1.899 Euro. Für die Auswertung untersuchte die Creditreform Wirtschaftsforschung rund 4.000.000 überfällige Rechnungen. Das Belegvolumen stammte aus dem Debitorenregister Deutschland. Die schwache Konjunktur senkt das Transaktionsvolumen. Zudem vergibt der Handel Kredite nach strengeren Vorgaben. Risikoreiche Kunden werden dadurch gezielt ausgeschlossen.
Lange Wartezeiten für Lieferanten
Die durchschnittliche Forderungslaufzeit stieg um einen Tag auf 40,35 Tage. Lieferanten mussten länger auf ihr Geld warten. Sehr lange Laufzeiten zeigen sich im Baugewerbe sowie bei unternehmensnahen Dienstleistern. Im Baugewerbe stieg die Laufzeit von 42,04 auf 44,41 Tage. Kreditgeber müssen in der aktuellen Lage Kompromisse eingehen. Sie gewähren den Kunden mehr Zeit für Rechnungen. Patrik-Ludwig Hantzsch von der Creditreform warnte jedoch vor einer Verschlechterung der Lage. Die Konjunktur müsse für eine positive Entwicklung dafür bald wieder anspringen. Beim überfälligen Forderungsbestand entfielen 63,3% der Summen auf die Rechtsform GmbH. Der Anteil der Aktiengesellschaften stieg auf 13,0%. AGs beglichen im Schnitt 104,2 Rechnungen verspätet. Großunternehmen machen mittlerweile 60,0% des gesamten überfälligen Forderungsvolumens aus. Kleinunternehmen kommen auf einen Anteil von 25,6%.
Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.