Wirtschaftsprognosen: ZEW-Index sinkt zum vierten Mal in Folge

Wirtschaftsprognosen trüben sich ein.
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Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sinken in der aktuellen Umfrage vom September 2021 und damit seit Mai zum vierten Mal in Folge. Die Einschätzung der konjunkturellen Lage für Deutschland hat sich hingegen erneut verbessert. Mit diesen gemischten Nachrichten beginnen wir die Übersicht über aktuelle Wirtschaftsprognosen.

Im Zeitraum seit Mai 2021 hat sich die Lageeinschätzung des ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim um 72 Punkte verbessert, während die Erwartungen im gleichen Zeitraum um 57,9 Punkte gesunken sind. Der aktuelle Stand der ZEW-Konjunkturerwartungen drückt damit aus, dass die Wachstumsrate der Gesamtwirtschaft für die nächsten sechs Monate nur noch wenig steigen werde. „Die ZEW-Konjunkturerwartungen sinken abermals deutlich. Die Finanzmarktexperten gehen zwar noch von einer weiteren Verbesserung der wirtschaftlichen Lage aus. Das erwartete Ausmaß und die Dynamik der Verbesserung haben sich inzwischen jedoch erheblich reduziert. Dies dürfte sich auch negativ auf die Konjunkturerwartungen ausgewirkt haben“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach die aktuellen Erwartungen.

Schlechtere Stimmung im Mittelstand

Die Sorgen um die weitere wirtschaftliche Entwicklung sorgen für ein Absinken des Geschäftsklimas im deutschen Mittelstand. Auch die Engpässe bei Rohstoffen und Vorleistungsgütern in der Industrie halten sich hartnäckiger als ursprünglich erwartet. Das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer sank im August um 2,3 Zähler auf 6,9 Saldenpunkte nachdem er bereits im Juli um 3,0 Zähler sank. Besonders stark hätten die Geschäftserwartungen nachgelassen. Nach einem historischen Höchststand im Juni sind sie nun auf einen Wert gefallen, der nur noch knapp über dem historischen Durchschnitt liegt. Bei der Beurteilung der Geschäftslage zeigt sich im Mittelstand ein vollkommen anderes Bild, denn hier wurde ein neuer Höchststand erreicht. Die KfW-Experten rechnen daher mit einem kräftigen Wirtschaftswachstum im Sommerquartal. Allerdings dürfte die weitere Entwicklung durch die Lieferengpässe und Befürchtungen einer vierten Coronawelle gebremst werden. Daher wurde die KfW-ifo-Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes für das Jahr 2021 leicht auf 3,0 % nach unten revidiert.

Auftragseingang wächst stark

Auftragseingang Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland war nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Juli 2021 um satte 3,4% höher als im Vormonat. Damit sei der höchste Stand seit dem Beginn der Erfassung dieses Wertes im Jahr 1991 erreicht worden. Allerdings sei der deutliche Anstieg vor allem durch einige Großaufträge zustande gekommen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg der Auftragseingang sogar um 24,4%. Auch der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe sei um 1,9% höher als im Juni 2021. Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Anstieg um 5,7%. Nach Einschätzung von Destatis gibt es eine Tendenz zu ansteigenden Auftragseingängen bei gleichzeitig schwächerer Umsatzentwicklung. Dies sei auf die in vielen Branchen berichteten Lieferengpässe von Vorprodukten zurückzuführen.

Insolvenzzahlen sinken noch weiter ab

Insolvenzen Die Anzahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften lag im August 2021 sogar noch unter dem Allzeittief vom Juli. Das haben die neuesten Erhebungen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ergeben. Die Insolvenzzahlen liegen zudem 15% unter den bereits sehr niedrigen Werten aus dem Vorjahresmonat, in dem die Insolvenzantragspflicht noch ausgesetzt war. Auch im langfristigen Vergleich seien diese Zahlen extrem niedrig. So hätten noch vor knapp 20 Jahren im Mittel 2.000 Personen- und Kapitalgesellschaften pro Monat Insolvenz angemeldet – im August 2021 waren es nun 570. „Aufgrund staatlicher Stützungsmaßnahmen spiegeln die anhaltend niedrigen Insolvenzzahlen nicht das tatsächlich Insolvenzgeschehen wider“, erklärt Steffen Müller, der am IWH die Abteilung Strukturwandel und Produktivität und die dort angesiedelte Insolvenzforschung leitet. Dies verhindere den Strukturwandel und gefährde Innovation und wirtschaftliche Entwicklung.

Maschinenbauer sind zufrieden

Die Auftragsbücher im Maschinen- und Anlagenbau haben sich dank einer guten Weltkonjunktur und einer schwachen Vorjahresbasis auch im Juli kräftig gefüllt. Dies hat der VDMA mitgeteilt. Real seien die Bestellungen im Juli um 37% im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. „Wir erleben eine anhaltend hohe Nachfrage nach Maschinenbauprodukten aus allen Teilen der Welt, auch aus dem Inland. Viele Kunden wollen jetzt aufholen, was durch Corona 2020 liegen geblieben ist“, erläutert VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers. „Allerdings müssen diese Aufträge erst einmal zu Umsatz werden. Und hier machen uns die anhaltenden Lieferengpässe und Materialknappheiten zunehmend Sorge“, mahnt er. Im Dreimonatszeitraum Mai bis Juli hätten die Bestellungen um 45% im Vergleich zum Vorjahr zugelegt.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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