„Komplexe Carve-outs zu meistern, ist unser Anspruch“

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Fidelium Partners ist eine Beteiligungsgesellschaft, die sich auf Carve-outs und Sondersituationen spezialisiert hat. Dank klarer Strukturen und hoher Expertise kann Fidelium auch komplexe Situationen erfolgreich entwickeln. Im Interview erläutert Investment Manager Christoph Lipp, warum gerade anspruchsvolle Carve-outs attraktive Chancen bieten und welche Rolle KI künftig im Beteiligungsgeschäft spielen wird.

Unternehmeredition: Was steht im Zentrum der Fidelium-Strategie?

Christoph Lipp: Fidelium ist auf komplexe Corporate Carve-outs spezialisiert. Die erfolgreiche und saubere Herauslösung eines Geschäftsbereichs aus einem Konzern sowie die Etablierung als eigenständiger und nachhaltig erfolgreicher Mittelständler durch operative Optimierungen sind dabei unsere Wertbeiträge. Unser „nächstes“ Portfoliounternehmen ist ein Geschäftsbereich, der nicht mehr zum Kerngeschäft der Muttergesellschaft gehört, mit einer internationalen Aufstellung und tiefen Verflechtungen mit der Muttergesellschaft, einem Umsatzlevel von einer Viertelmilliarde Euro sowie einer unterdurchschnittlichen Profitabilität.

Warum gerade komplexe Carve-outs?

Fidelium wurde mit diesem Anspruch gegründet und entsprechend organisatorisch aufgestellt, um die Herausforderungen eines komplexen Carve-outs zu meistern und um sich damit von anderen Investoren abheben zu können. Die meisten unserer Mitarbeiter im Operations- und auch im Investmentteam haben in ihren beruflichen Karrieren bereits tiefgehende Carve-out-Erfahrungen in komplexen Situationen sammeln können. Die Komplexität eines Carve-outs ist dabei vielfältig: von einer herauszulösenden Geschäftseinheit, die gesellschaftsrechtlich nicht eigenständig ist, deren Produktionslayout tief im Konzern eingebettet ist, die über kein eigenständiges IT-System oder auch über keinen eigenständigen Vertrieb verfügt. Diese Sachverhalte lassen sich beliebig kombinieren mit entsprechender erhöhter Komplexität. Bei komplexen Carve-outs ist für den Verkäufer somit nicht der Preis entscheidend, sondern das Gesamtangebot, das Fidelium anbieten kann.

Wie ist derzeit das Angebot für Carve-outs?

Wir haben nach vielen Marktgesprächen im vorigen Jahr erwartet, dass 2026 fantastisch werden wird. Das ist im ersten Quartal nicht eingetreten. Viele Transaktionen sind zwar in Vorbereitung, aber angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Lage und möglicher Auswirkungen auf die Kaufpreise verzögert sich die Marktansprache. Im zweiten Quartal scheint sich der Knoten etwas zu lösen. Es werden wieder mehr Carve-outs an uns herangetragen. Für das Gesamtjahr sind wir daher weiterhin sehr zuversichtlich eingestellt.

Welche Branchen stehen gerade im Gegenwind?

Nicht zuletzt durch den Irankrieg und seine Folgen für die Weltwirtschaft – steigende Preise bei Benzin, Kerosin, Öl – verspüren energieintensive Unternehmen der deutschen Kernindustrien gerade wieder vermehrt Gegenwind. Mittelfristig stellt sich die Frage, ob Unternehmen ohne ein Alleinstellungsmerkmal überhaupt noch am Standort Deutschland produzieren können. Wir sehen aktuell weder bei Automotive noch bei Chemie Anzeichen dafür, dass die Situation sich verbessert. Für uns ergeben sich durch diese andauernde Entwicklung mehr und mehr Möglichkeiten, da der Fokus auf das Kerngeschäft in Konzernen zunimmt und auch gut positionierte Unternehmensteile verkauft werden sollen.

Spürt Fidelium den Exitstau im Markt?

Wir konnten im letzten Jahr einige Portfoliounternehmen erfolgreich am Markt platzieren. Wir sehen aber, dass eine ganze Reihe von Private-Equity-Unternehmen ihre Investitionen in Fortführungsfonds gibt, um auf bessere Marktbedingungen für den Exit zu warten.

Welchen Einfluss wird KI auf das PE-Geschäft haben?

Uns unterstützt KI bereits; mittelfristig erwarten wir durch den Einsatz eine deutlich schnellere und effizientere Durchführung unserer Due Diligence. Weiterführende Anwendungen sind dabei der Devil’s Advocat zur Validierung unserer Dealhypothesen sowie Robustness Checks und Verfeinerungen unserer Finanzmodelle. Besonders in der aktuellen Phase ist es wichtig, dass der Einsatz der KI unter der Federführung des Mitarbeiters stattfindet. Er muss die Erkenntnisse schlussendlich bewerten und validieren, um ein „Garbage-in-Garbage-out-Problem“ zu vermeiden. Ob dies langfristig der Fall sein wird, sei angesichts der unfassbar schnellen Entwicklung dahingestellt.

Vielen Dank für das Gespräch!

👉 Dieser Beitrag erscheint auch im Spezial „Investoren im Mittelstand 2026“.


ZUM INTERVIEWPARTNER

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Christoph Lipp

Investment Manager

Fidelium Partners

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Autorenprofil
Bärbel Brockmann

Bärbel Brockmann ist eine freie Wirtschaftsjournalistin, die schwerpunktmäßig über Finanz-, Energie- und Immobilienthemen schreibt. Die frühere Leiterin des Düsseldorfer Korrenspondentenbüros der Nachrichtenagentur Reuters begann ihre berufliche Karriere bei einer großen Regionalzeitung.

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