Interlübke stellt Insolvenzantrag in Bielefeld

Foto:©DOC RABE Media_AdobeStock
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Die Lübke GmbH, die hinter der Premiummarke Interlübke steht, hat beim Amtsgericht Bielefeld einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den Rechtsanwalt Yorck Tilman Streitbörger. Trotz der finanziellen Schieflage soll der Geschäftsbetrieb am Standort Rheda-Wiedenbrück vorerst fortgeführt werden. Das Unternehmen beschäftigt aktuell 104 Mitarbeitende, darunter zwei Auszubildende. Deren Löhne und Gehälter seien für den Zeitraum von April bis Juni durch das Insolvenzgeld gesichert.

Explodierende Energiekosten als Belastung

Nach Medienmberichten ist der Iran-Krieg der aktuelle Auslöser für die Krise. Das Werk in Ostwestfalen wird laut seinen Ausführungen weiterhin mit Öl beheizt. In diesem Bereich habe die Kostenexplosion der vergangenen Wochen den Betrieb massiv getroffen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Yorck Tilman Streitbörger bezifferte den Anstieg der monatlichen Kosten auf 50.000 EUR. Die Produktionshallen entsprächen nicht den modernsten Standards und hinzu kämen Preiserhöhungen von Spediteuren sowie von Holz- und Lacklieferanten hinzu, die mittlerweile im Wochentakt erfolgten.

Kaufzurückhaltung schwächt den Absatz

Die wirtschaftliche Lage wird nach Informationen von Interlübke zusätzlich durch eine Verunsicherung der Konsumenten erschwert. Laut dem Unternehmen  halten Kunden ihr Geld angesichts steigender Preise an den Tankstellen zusammen. Ausgaben für hochwertige Möbel würden daher zeitlich nach hinten geschoben. Diese Entwicklung belastet den gesamten Markt für Premiumhersteller. Nach Angaben des Unternehmens leidet die Branche zudem unter strukturellem Druck. Während der Pandemie wurden viele Käufe vorgezogen. Nun sei der Bedarf in vielen Haushalten gedeckt. Der Umsatz der deutschen Möbelhersteller sank im Jahr 2025 bereits zum dritten Mal in Folge.

Die Geschichte von Interlübke reicht bis in das Jahr 1937 zurück. Damals gründeten die Brüder Leo Lübke und Hans Lübke die Fabrik für Schlafzimmermöbel. Das Unternehmen ist bereits in der Vergangenheit in finanzielle Schieflage geraten. Im Jahr 2012 meldete der Hersteller schon einmal Insolvenz an. Nach mehreren Eigentümerwechseln übernahm die Firma Schramm den Betrieb im Jahr 2018. Seit August 2022 liegt die Verantwortung bei Ralf Oehmke und seinem Bruder Frank Oehmke. Letzterer betonte bei der Übernahme das Bekenntnis zum Produktionsstandort Deutschland. Das Unternehmen fertigt hochwertige Sideboards, Regale und Betten für den Fachhandel.

Suche nach Investoren läuft

Ziel des vorläufigen Insolvenzverwalters ist nun die Sanierung des Betriebs. Es werde nun nach einem passenden Investor gesucht. Gleichzeitig würden Maßnahmen geprüft, um das Unternehmen aus eigener Kraft zu restrukturieren. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird für Juli erwartet. Trotz der schwierigen Marktlage zeigte sich der Verwalter zuversichtlich, gegensteuern zu können. Die Marke Interlübke gilt als einer der wenigen deutschen Hersteller, die mit international prämierten Designern zusammenarbeiten. Ein Erfolg der Sanierung hängt nun maßgeblich von der Stabilisierung der Energiekosten und der Gewinnung neuer Geldgeber ab.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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