Für den Niedax-Chef Bruno Reufels stellt das brandenburgische Oehna eine Reise in die Vergangenheit des Familienunternehmens dar. 1920 von den Ingenieuren Alexander Niedergesäß und Fritz Axthelm in Berlin gegründet, verlagerte es seine Produktion nach Herzberg/Elster, das gerade einmal 37 Kilometer von dem 400-Seelen-Dorf Oehna entfernt ist. Immerhin gibt es hier einen Bahnhof, wo in einem Hof genau gegenüber ein paar Alpakas friedlich grasen und der immerhin Haltehaltepunkt eines Regionalexpress der zweigleisigen Bahnstrecke zwischen Berlin und Herzberg ist. Ansonsten ist hier die Landwirtschaft zuhause.
Hier gab es in dieser Woche den ersten Spatenstich für die ersten rund 130 Kilometer von geplanten 33.000 Kilometern Glasfasertrasse entlang der deutschen Schienennetzes. Die ersten 130 Kilometer als geschlossener Ring zwischen den Städten Jüterbog, Falkenberg und der sachsen-anhaltinischen Lutherstadt Wittenberg gelten als Glasfaser-Teststrecke der nächsten Generation, hochleistungsfähig, sicher und resilient. Und dieses 33.000 Kilometer lange Netz soll komplett privat finanziert werden. Interessant ist die Teststrecke vor allem für die Bundeswehr, immerhin befindet sich der Fliegerhorst Schönwalde-Holzdorf, auf dem die Bundesrepublik im letzten Jahr eines von drei hochmodernen Arrow 3- Systemen zur Fliegerabwehr installiert hat.
Reichlich Erfahrung mit Infrastrukturprojekten

Umgesetzt wird das Projekt durch die Netz 33 GmbH, eine 100%ige Tochtergesellschaft der Niedax Group aus Linz am Rhein, einem der Marktführer aus den Bereichen Elektroinstallation und Kabeltragsysteme, das im letzten Jahr einen Umsatz von 1 Mrd. EUR erzielt hat. Erfahrungen mit Infrastrukturprojekten hat Niedax: Die Hamburger Elbphilharmonie und der Gotthardtunnel in der Schweiz wurden mit den Produkten der Niedax ausgestattet. Und so lobte der anwesende Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) die Initiative der Niedax: „Dass eine engagierte Gruppe privater Investoren ohne staatliche Förderung kritische Infrastruktur errichtet, finde ich bemerkenswert“, so Schnieder. Und der brandenburgische Minister für Infrastruktur und Landesplanung Robert Crumbach lobte: „Mit dem Aufbau leistungsstarker Datenverbindungen schaffen wir die Grundlage dafür, die Attraktivität auch ländlicher Regionen gezielt zu steigern.“
Stattliches Eigeninvestment
Rund 300 Mio. EUR will die Niedax selbst investieren, hat bereits ein entsprechendes Konsortium von mittelständischen Unternehmen aus Deutschland wie den Rechenzentrumsspezialisten Bechtle oder den Facility-Management Dienstleister GIG-Unternehmensgruppe und den amerikanischen Glasfaserhersteller Corning Inc. zusammengestellt und Anfang Februar dazu in der Nähe ihres Firmenstandortes in Rahms den Technologie Campus und das Experience Center Synnoscape eröffnet, wo das gesamte Know-how für bundesweite Infrastrukturprojekte erlebbar gemacht wird und ganzheitlich geplant werden kann.
Doch die eigentliche Herkulesaufgabe läuft für Bruno Reufels im Hintergrund. Denn um die 33 000 Kilometer in den geplanten sieben bis acht Jahren fertigzustellen, bedarf es nach eigenen Angaben Investitionen von rund 10 Mrd. EUR. Die restlichen 9,7 Mrd. EUR sollen von Investoren vorwiegend aus Deutschland kommen. Genau hier liegt aber die Schwierigkeit. Investoren brauchen Sicherheit. Derzeit liegt im Ministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung, das von Schnieders Parteifreund Karsten Wildberger geleitet wird, ein Referentenentwurf zur Modernisierung des Telekommunikationsgesetzes (TKG) vor, der nach der Sommerpause umgesetzt werden soll. Dessen Schwachstelle sind aber nach Ansicht der Branchenverbände im Bereich Telekommunikation genau die Paragrafen, die quasi jederzeit zu einer kalten Enteignung der aktuellen und künftigen Kabelnetzbetreiber führen können. Zudem verzeichnen Investoren, wie die IPEX-Bank, eine Tochter der KfW, Probleme mit der Rückführung ausgereichter Kredite. Das macht die Investorensuche nicht einfacher. Es kommt also darauf an, dass auch die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Verkehrsminister Schnieder fühlte sich auf Anfrage der Unternehmeredition für die Rahmenbedingungen durch die Novellierung des TKG nicht zuständig und verwies ans Digitalministerium.
Optimismus bei der Gewinnung weiterer Investoren
Bruno Reufels jedenfalls wird sich von diesen Widrigkeiten nicht von seinem Plan der Digitalisierung von Deutschlands Schienennetz abbringen lassen. Schon im Herbst soll der nächste Spatenstich erfolgen, diesmal für das über 400 Kilometer lange Schienennetz des privaten Eisenbahnunternehmens DESAG in der Prignitz. In einigen Wochen, so Bruno Reufels beim Spatenstich, werde man weitere Investoren zusammen haben.








