Insolvenzzahlen steigen bei hoher Belastung für den Arbeitsmarkt

Unternehmensinsolvenzen
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Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im vergangenen Jahr moderat angestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stellten im Jahr 2025 insgesamt 24.064 Unternehmen einen Insolvenzantrag. Dies entspricht laut der Behörde einer Zunahme von 10,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Großinsolvenzen verzeichnete Destatis hingegen einen Rückgang um 15,6 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Berufsverband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID) betont eine differenzierte Einordnung dieser Daten. Die aktuellen Werte bleiben laut dem Verband deutlich hinter den Höchstständen früherer Krisenjahre zurück. In den Jahren 2004 und 2009 wurden in der Spitze mehr als 39.000 Insolvenzen registriert.

„Die Insolvenzzahlen sind gestiegen, aber sie bleiben weit hinter denen früherer Krisen zurück“, sagt Christoph Niering. Er ist Insolvenzverwalter und Vorsitzender des VID. Laut Niering verzerren viele Prognosen das Bild durch ungewöhnlich niedrige Vergleichszeiträume. Er warnt vor einer einseitigen Konzentration auf Großinsolvenzen in der medialen Debatte. „Wer nur auf Großinsolvenzen schaut, vergisst die breite Basis unserer Wirtschaft: die Soloselbstständigen, die handwerklichen Einzelunternehmer und die inhabergeführten Betriebe,“ so Niering. Der Verband kritisiert, dass Statistiken ohne Einzelkaufleute wie Anton Schlecker oder Handwerksbetriebe ein unvollständiges Bild zeichnen. Der aktuelle Anstieg erscheine durch den Rückgriff auf historisch niedrige Werte der Zehnerjahre dramatischer als er im langfristigen Vergleich sei.

Professionalisierung der Insolvenzverwaltung

Insolvenzen lassen sich laut dem VID in der Mehrzahl auf strukturelle Veränderungen im Konsumverhalten zurückführen. Auch unternehmerische Fehlentscheidungen spielen nach Ansicht des Verbandes eine entscheidende Rolle. Als prominente Beispiele nennt der Verband den Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof und den Agrarhändler Baywa. Bei diesen Unternehmen haben laut Niering strategische Fehlentwicklungen und interne Managemententscheidungen die Krise verursacht. Eine rein politisch motivierte Deutung der Insolvenzentwicklung liefert nach Einschätzung des Experten kein vollständiges Bild der Lage. Die Marktdynamik erfordere eine sachliche Analyse der individuellen Ursachen in den betroffenen Betrieben.

Die Branche der Sanierungsberater erlebt derzeit eine starke Konzentration. Nach Informationen des Branchenmagazins Indat Report wurden im Jahr 2016 noch 3.557 Insolvenzverwalter bestellt. Im Jahr 2025 sank diese Zahl laut dem Bericht auf 1.898 Personen. Dieser Rückgang um fast 50 % belegt nach Meinung von Experten eine deutliche Professionalisierung des Berufsstandes. Eine hohe Auslastung der Kanzleien resultiere daher auch aus der geringeren Anzahl an tätigen Verwaltern. Die fachlichen Anforderungen an die hochspezialisierten Akteure seien in den letzten Jahren massiv gestiegen.

Prognosen für das laufende Jahr

Für das Jahr 2026 rechnet der VID mit einem weiteren Anstieg der Fallzahlen. Ein dramatischer Sprung zeichnet sich laut dem Verband jedoch weiterhin nicht ab. Große Herausforderungen bestehen nach Angaben von Niering vor allem in der Automobilindustrie und im Gesundheitswesen. „Diese Entwicklung ist jedoch Teil eines umfassenden Transformationsprozesses, in dem Insolvenzen eine marktbereinigende Funktion erfüllen können“, sagt der Vorsitzende des VID. Der Verband plädiert für Sachlichkeit statt Stimmungsmache in der öffentlichen Diskussion. Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften ist im Februar 2026 erneut gestiegen. Laut dem Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) gab es 1.466 Fälle. Das sind nach Berechnungen des Instituts 5 % mehr als im Vormonat Januar. Im Vergleich zum Februar 2025 liegt der Wert um 2 % höher. Verglichen mit dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 liegt die Zahl laut IWH sogar um 58 % höher. Das Institut weist darauf hin, dass Schließungen großer Arbeitgeber oft zu erheblichen Lohnverlusten führen.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Im Februar waren laut IWH in den größten 10 % der insolventen Unternehmen mehr als 23.000 Arbeitsplätze betroffen. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten liegt damit nach Angaben der Forscher deutlich über dem Niveau des Januars. Dies entspricht einem Zuwachs von 38 % im Vergleich zum Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Zahl der betroffenen Jobs um 22 %. Damit liegt der Wert etwa beim Vierfachen des Durchschnitts der Vor-Corona-Jahre. Besonders betroffen waren laut der Analyse Krankenhäuser und Gesundheitsdienstleister. Als Beispiel nennt das Institut das Klinikum Friedrichshafen mit mehr als 1.500 Mitarbeitern.

Die Frühindikatoren des IWH deutet auf eine Fortsetzung des Trends hin. Nach niedrigen Werten im Januar stiegen diese Indikatoren im Februar außergewöhnlich stark an. Laut dem Institut erreichten sie den zweithöchsten Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2020. Steffen Müller, Leiter der Insolvenzforschung am IWH, erwartet für März weiterhin hohe Zahlen. Für die Monate April und Mai hält der Experte einen weiteren Anstieg für wahrscheinlich. Das Institut wertet für seine Analysen die aktuellen Bekanntmachungen der Registergerichte aus. Die Daten des IWH umfassen laut dem Institut mehr als 90 % der betroffenen Arbeitsplätze.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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