Industrie wächst, aber die Zahlungsmoral sinkt stark

Foto: © Miha Creative_AdobeStock
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Das Institut S&P Global meldet positive Wirtschaftsdaten für die deutsche Industrie. Der Index ist ein Indikator für das Geschäftsklima. Er bildet Kennzahlen für die Beschäftigung und die Lieferzeiten ab. Der Einkaufsmanagerindex notiert im September bei exakt 53,9 Punkten. Dieser Wert liegt leicht unter dem Augustwert von 54,3 Punkten. Er bleibt jedoch komfortabel über der wichtigen Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die aktuellen Daten zeigen ein starkes Wachstum bei der Produktion. Auch die Neuaufträge in der Industrie legen weiter deutlich zu. Die deutschen Hersteller verbuchen erneut kräftige Produktionszugewinne. Eine spürbar anziehende Nachfrage trägt diesen aktuellen Aufschwung. Die Auftragseingänge steigen den vierten Monat in Folge deutlich an. Das stärkste Wachstum verzeichnet der Investitionsgütersektor. Hersteller von Vorleistungsgütern melden ebenfalls starke Zuwächse. Die Umfrage signalisiert höhere Umsätze. Die Umsätze steigen im Inlandsgeschäft und im Auslandsgeschäft. „Der Optimismus wächst und immer mehr Unternehmen zeigen sich zuversichtlich“, erklärt Phil Smith von S&P Global. Der Geschäftsausblick fällt so positiv aus wie seit Februar nicht mehr. Dieser Optimismus liegt nur knapp unter dem Niveau vor dem Nahostkrieg.

Steigende Kosten belasten die deutschen Produzenten

Die Daten zeigen anhaltende Herausforderungen für die deutsche Industrie auf. Die Lage bleibt in vielen Bereichen weiterhin stark angespannt. Das belegt der Index. Trotz des Wachstums stehen die Lieferketten weiterhin stark unter Druck. Die Vorlaufzeiten verlängern sich etwas weniger stark als zuletzt. Die Lieferverzögerungen bleiben aber dennoch deutlich spürbar. Verzögerungen im Frachtverkehr verursachen diese operativen Probleme im Alltag. Auch Engpässe bei elektronischen Bauteilen stören die Abläufe der Firmen. Die Inflationsrate der Einkaufspreise zieht im September wieder spürbar an. Viele Produzenten verweisen auf die Auswirkungen der gestiegenen Energiekosten. Auch die Preise für Elektronik und Rohstoffe steigen massiv an. Die Unternehmen geben diese höheren Kosten direkt an Kunden weiter. Die Teuerungsrate der Verkaufspreise bleibt hoch und erreicht ein Dreimonatshoch. Der starke Zuwachs der Auftragsbestände signalisiert Druck auf die Produktionskapazitäten. Die Hersteller steigern ihre Einkaufsmenge so deutlich wie lange nicht. Der jüngste Stellenabbau in der Industrie schwächt sich weiter ab. Er fällt so geringfügig aus wie seit drei Jahren nicht. Die Bestände an Vormaterialien nähern sich wieder einem stabilen Niveau.

Zahlungsmoral der Kunden verschlechtert sich deutlich

Der Kreditversicherer Coface veröffentlicht zeitgleich eine neue Zahlungserfahrungsstudie für Deutschland. Eine Verbesserung der Zahlungsmoral der Unternehmen bleibt bisher leider aus. Exakt 82 % der befragten Firmen sind von Zahlungsverzögerungen direkt betroffen. Das ist der höchste gemessene Wert seit dem Jahr 2019. Der Anteil der betroffenen Unternehmen steigt zum fünften Mal nacheinander. Im Jahr 2021 lag dieser Wert noch bei 59 %. Lange überfällige Rechnungen bleiben ein erhebliches Risiko für die Liquidität. Dennoch gewähren 81 % der befragten Betriebe ihren Kunden weiterhin Zahlungsziele. Die Betriebe fordern ihr Geld heute jedoch deutlich früher ein. Die durchschnittliche Zahlungsfrist sinkt von 32,5 Tagen auf 30,6 Tage. Dies ist das niedrigste Niveau seit dem Jahr 2017. Positiv entwickelt sich die Dauer der tatsächlichen Zahlungsverzögerungen in der Wirtschaft. Sie sinkt von 31,8 Tagen im Vorjahr auf 30,2 Tage. Die Absicherung von Forderungen gewinnt für die Firmen an Bedeutung. Bereits 21 % der Befragten sichern Forderungen durch eine Warenkreditversicherung ab.

Maschinenbau leidet massiv

Besonders häufig berichten Unternehmen aus dem Maschinenbau von verspäteten Zahlungen. Dort liegt die Quote der betroffenen Betriebe bei 92 %. In der Pharma- und Chemiebranche warten 90 % der Firmen. Die Automobilindustrie verzeichnet bei 89 % der Unternehmen derartige späte Zahlungen. Unternehmen aus der Holz- und Möbelindustrie sind am seltensten betroffen. Hier warten nur 54 % der Befragten länger auf ihr Geld. Forderungen mit einem Verzug von über sechs Monaten sind kritisch. Der Anteil solcher Ausfälle am Jahresumsatz steigt von 12 % auf 15 %. Ein Großteil dieser Forderungen wird nach Erfahrungen niemals vollständig beglichen. Vor allem kleine Betriebe leiden unter diesem Risiko für Finanzen. Sie verfügen häufig über geringere finanzielle Reserven als große Konzerne. „Der Maschinenbau steht weiterhin unter erheblichem Druck“, erklärt der Coface-Volkswirt Markus Kuger. Die Produktion der Unternehmen sinkt das vierte Jahr in Folge. Die hohe Exportabhängigkeit macht die Branche besonders anfällig für Unsicherheiten. Genau ein Drittel der Befragten erklärt Zahlungsprobleme mit einem Dominoeffekt. Ihre eigenen Kunden warten selbst auf Zahlungen von anderen Geschäftspartnern. Dieser Wert steigt laut der aktuellen Studie innerhalb eines Jahres. Diese Kettenreaktionen erhöhen die finanziellen Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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