Herbstprojektion: Exporte stützen die Konjunktur

Foto: © Miha Creative_AdobeStock
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Die Bundesregierung hebt die Konjunkturprognose für das laufende Jahr deutlich an. Das Bruttoinlandsprodukt steigt im Jahr 2026 voraussichtlich um 1,3 %. Im Frühjahr lag diese Wachstumserwartung lediglich bei 0,5 %. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche stellte diese Zahlen in der Herbstprojektion vor. Laut dem Wirtschaftsministerium wächst die Wirtschaft trotz widriger globaler Umstände. Der Iran-Krieg und stark gestiegene Energiepreise belasteten die Konjunktur anfangs sehr. Die Wirtschaft bewies jedoch eine unerwartet hohe Widerstandskraft gegen diese Krisen.

Exporte und Staat stützen die Wirtschaft

Die wichtigsten Wachstumsimpulse kommen derzeit aus dem Außenhandel. Globale Engpässe führten im zweiten Quartal zu einer spürbaren Sonderentwicklung. Viele internationale Käufer stockten ihre Bestände mit deutschen energieintensiven Gütern auf. Auch die staatlichen Ausgaben kurbeln die konjunkturelle Erholung in Deutschland spürbar an. Die fiskalischen Impulse aus Sondervermögen wirken sich dabei deutlich positiv aus. Erhöhte Verteidigungsausgaben fließen direkt in die gesamtwirtschaftliche Rechnung des Landes ein. Der öffentliche Konsum unterstützt das Wachstum in diesem Jahr ebenfalls spürbar.

Schwacher privater Konsum

Der private Konsum entwickelt sich dagegen weiterhin extrem verhalten. Die Reallöhne der Bürger steigen zwar in der aktuellen wirtschaftlichen Phase. Gleichzeitig belasten die energiepreisbedingten Preissteigerungen die privaten Haushalte jedoch stark. Auch die privaten Investitionen verbleiben auf einem sehr niedrigen Niveau. Geopolitische Unsicherheiten dämpfen die Ausgabenbereitschaft der Unternehmen momentan enorm. Die Firmen leiden zudem unter einer geringen Kapazitätsauslastung ihrer industriellen Anlagen. Gestiegene Materialkosten erschweren neue Projekte in der heimischen Industrie erheblich. Hohe Finanzierungskosten bremsen die Investitionsbereitschaft der Wirtschaft drastisch aus. Strukturelle Herausforderungen verhindern eine schnellere Erholung in der deutschen Privatwirtschaft. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wird eine Besserung erst im nächsten Jahr erwartet.

Strukturelle Hürden abbauen

Die aktuelle konjunkturelle Lage bleibt nach Ansicht der Wirtschaftsministerin überaus fragil. Das anvisierte wirtschaftliche Wachstum steht laut Katherina Reiche auf wackligen Beinen. „Wir haben die Talsohle hinter uns gelassen, die deutsche Wirtschaft wächst wieder“, sagte Reiche. „Das ist ein wichtiges Signal, aber es ist nur der Anfang.“ Deutschland muss in den kommenden Monaten dringend wichtige Hausaufgaben erledigen. „Unser Anspruch ist klar: Deutschland muss wieder zurück an die Spitze“, forderte Reiche. Dafür müssen laut der Ministerin bürokratische Fesseln in Deutschland zwingend gelöst werden. Die Politik muss die Sozialabgaben für die hiesigen Unternehmen dauerhaft stabilisieren. Die Wirtschaft benötigt dringend flexiblere Arbeitszeiten und wettbewerbsfähige Energiepreise. „Es muss unser Anspruch sein, dass Wirtschaft nicht nur dann wächst, wenn der Staat Geld ausgibt…“ Wirtschaftliches Wachstum muss in Zukunft zwingend aus eigener Kraft geschehen. Maßnahmen auf dem deutschen Arbeitsmarkt und die geplante Rentenreform bleiben politisch stark umstritten.

Weitere Entwicklung bleibt ungewiss

Für das Jahr 2027 rechnet die Bundesregierung mit 1,1 % Wachstum. Zuvor lag diese Konjunkturprognose für das kommende Jahr bei 0,9 %. Im Jahr 2028 steigt das Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich nur um sehr schwache 0,6 %. Der andauernde Konflikt im Nahen Osten beeinflusst die weitere Entwicklung maßgeblich. Der Krieg in der Ukraine wirkt sich ebenfalls negativ auf das Wachstum aus. Eine nachhaltige Lösung dieser Krisen würde die Energiepreise wahrscheinlich deutlich senken. Dies würde die konjunkturelle Erholung in der Bundesrepublik sofort drastisch beschleunigen. Anhaltend hohe Preise für fossile Rohstoffe belasten die Unternehmen dagegen dauerhaft. Die Herbstprojektion dient als wichtige Basis für die kommende offizielle Steuerschätzung. Die Haushaltsplanung der öffentlichen Gebietskörperschaften und Sozialversicherungen orientiert sich an diesen Zahlen.

Institute teilen den Optimismus

Das Ifo-Institut korrigierte seine eigene Konjunkturprognose für Deutschland deutlich nach oben. Die OECD rechnet ebenfalls mit einer wesentlich besseren wirtschaftlichen Entwicklung. Beide Institutionen erwarten für 2026 ein deutsches Wirtschaftswachstum von bis zu 1,4 %. Die generelle Stimmung in vielen industriellen Betrieben verbessert sich ebenfalls spürbar. Der BGA sieht die wirtschaftliche Lage im Land dennoch mit großer Vorsicht. Die Erholung ist laut dem Außenhandelsverband in Deutschland bisher noch nicht gefestigt. Die heimischen Unternehmen diversifizierten zuletzt ihre Beschaffungswege aufgrund der vielen internationalen Krisen. „Die Unternehmen sehen wieder Licht am Ende des Tunnels, fahren aber weiter mit angezogener Handbremse“, sagte BGA-Präsident Dirk Jandura. Die Exportzahlen zeigten im August bereits eine leichte konjunkturelle Abschwächung. Der Wert der Ausfuhren sank im Berichtsmonat um 0,8 % auf 137.600 Mio. EUR. Langfristig benötigt Deutschland für ein solides wirtschaftliches Wachstum echte strukturelle Reformen. Demografische Veränderungen reduzieren die Arbeitskräfte in den kommenden Jahren nämlich massiv. Künstliche Intelligenz sorgt branchenübergreifend wieder für einige völlig neue Auftragseingänge. Die regierende Koalition steht nun vor sehr wegweisenden politischen Wochen. Entscheidungen zur nachhaltigen Stärkung der deutschen Wirtschaft stehen in Berlin an.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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