Familienunternehmen verlieren ihr Gehaltsstigma

Eine Studie der TU München im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen zeigt: Junge Talente sehen Familienunternehmen zunehmend auf Augenhöhe mit Konzernen

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Eine Befragung von mehr als 1.400 Bewerbern zeigt: Beim Betriebsklima liegen Familienunternehmen aus Sicht junger Talente klar vor Konzernen. Und ausgerechnet bei ihrer größten wahrgenommenen Schwäche – dem Gehalt – wandelt sich das Bild rasant.

Wer bei Deutschlands Familienunternehmen anheuert, muss beim Gehalt Abstriche machen – dieses Vorurteil hält sich seit Jahren hartnäckig. Doch bei den Bewerbern selbst ist es offenbar dabei, sich aufzulösen. Das zeigen Auswertungen der Technischen Universität München im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen. Grundlage sind die Befragungen von insgesamt 1.466 Kandidatinnen und Kandidaten der Karrieretage Familienunternehmen aus den Jahren 2023 bis 2025.

Hielten 2023 noch rund 51 % der Befragten die Vergütung in großen Familienunternehmen für schlechter als in Nicht-Familienunternehmen, änderte sich dieses Bild 2024 zunächst kaum. Im Jahr 2025 hingegen vertritt diese Ansicht nur noch knapp jeder Vierte (23 %). Stattdessen stuft mittlerweile fast die Hälfte der Bewerber die Bezahlung in beiden Unternehmenstypen als „ungefähr gleich“ ein. Ein bemerkenswerter Imagewandel innerhalb von nur zwei Jahren und ein wichtiges Signal für den Mittelstand, der im Wettbewerb um Fachkräfte lange gegen das Vorurteil unattraktiver Vergütung ankämpfen musste.

Kultur schlägt Konzern

Ihre eigentliche Stärke spielen Familienunternehmen aus Sicht der Bewerber allerdings woanders aus: bei der Unternehmenskultur. Drei Viertel der Befragten (75 %) bescheinigen großen Familienunternehmen eine bessere Arbeitsatmosphäre und mehr Teamgeist als Nicht-Familienunternehmen. Etwa 70 % sehen sie beim eigenverantwortlichen Arbeiten vorn, rund 64 % beim kooperativen Führungsstil. Auch bei Unternehmensethik und gesellschaftlicher Verantwortung trauen etwa 60 Prozent der Kandidaten den Familienunternehmen mehr zu.

Umgekehrt bleiben die klassischen Konzernstärken bestehen: Bei Internationalität und Standortattraktivität schneiden Familienunternehmen im Urteil der Bewerber weiterhin am schwächsten ab, wobei auch hier der Anteil der kritischen Stimmen 2025 deutlich zurückgeht.

Fast jeder Zweite will gezielt in ein Familienunternehmen

Dass sich der Imagegewinn auszahlen könnte, legt eine weitere Zahl aus der Befragung nahe: 48 % der Kandidaten geben an, es sei ihnen „wichtig“ oder „sehr wichtig“, in einem Familienunternehmen zu arbeiten. Nur acht Prozent halten das für unwichtig. Für die Befragten zählt bei der Arbeitgeberwahl vor allem eines: 51 % nennen eine attraktive Vergütung unter ihren drei wichtigsten Kriterien, vor Arbeitsatmosphäre (43 %) und Karriereperspektiven (32 %).

Genau hier liegt die strategische Bedeutung der Ergebnisse: Wenn Familienunternehmen ihren wahrgenommenen Gehaltsnachteil abbauen und zugleich ihre Stärke bei der Arbeitsatmosphäre bewahren, verbessern sie ihre Position im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte deutlich.

Zur Methodik: Befragt wurden Kandidatinnen und Kandidaten des Karrieretags Familienunternehmen in den Jahren 2023 (rund 380 Teilnehmer), 2024 (rund 610) und 2025 (rund 630). Die Fragen zum Vergleich großer Familienunternehmen mit Nicht-Familienunternehmen beantworteten insgesamt 1.466 Personen.

Autorenprofil
Dr. Nevena Toporova
Wissenschaftliche Leitung - experimenTUM at  | Website

Dr. Nevena Toporova ist wissenschaftliche Leiterin des experimenTUM-Labors an der Technischen Universität München und forscht zu AI@Work sowie zur sozialen Nachhaltigkeit in Familienunternehmen.

Autorenprofil
Dr. David Fischer
Referent für Wissenschaft und Programme at 

David Fischer ist Referent für Wissenschaft und Programme bei der Stiftung Familienunternehmen sowie externer Doktorand an der TUM School of Management der Technischen Universität München. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Familienunternehmen, Human Resource Management und insbesondere New Work.

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