Familienunternehmen: Vermeintlicher Gehaltsnachteil kleiner als gedacht

Befragungen von mehr als 1.600 Bewerbern zeigen: Beim Betriebsklima liegen Familienunternehmen klar vor Nicht-Familienunternehmen. Und auch bei ihrer häufig wahrgenommenen Schwäche – dem Gehalt – ist das Bild besser als vielfach angenommen.

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Wer bei Deutschlands Familienunternehmen anheuert, muss beim Gehalt Abstriche machen – dieses Vorurteil hält sich seit Jahren hartnäckig. Doch bei den Bewerbern selbst ist es deutlich weniger verbreitet als vielfach angenommen. Das zeigen Auswertungen der Technischen Universität München im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen. Grundlage sind die Befragungen von insgesamt 1.671 Kandidatinnen und Kandidaten der Karrieretage Familienunternehmen aus den Jahren 2023 bis 2025.

Beim Gehalt zeigt sich in allen drei Erhebungsjahren ein überwiegend positives Bild: 2025 stuft fast die Hälfte der Bewerber die Bezahlung in beiden Unternehmenstypen als „ungefähr gleich“ ein, rund ein Drittel bewertet Familienunternehmen sogar besser. Nur knapp 23 % halten die Vergütung in Familienunternehmen für schlechter als in Nicht-Familienunternehmen. Auch in den Vorjahren sah nur eine Minderheit Familienunternehmen beim Gehalt im Nachteil: 2023 waren es rund 25 %, 2024 knapp 18 %. Damit sieht eine deutliche Mehrheit Familienunternehmen bei der Vergütung mindestens auf Augenhöhe mit Nicht-Familienunternehmen – ein wichtiges Signal für Familienunternehmen, die im Wettbewerb um Fachkräfte mit dem Vorurteil unattraktiver Vergütung konfrontiert sind.

Familienunternehmen punkten bei der Kultur

Ihre eigentliche Stärke spielen Familienunternehmen aus Sicht der Bewerber allerdings woanders aus: bei der Unternehmenskultur. Im Schnitt der drei Erhebungsjahre bescheinigen drei Viertel der Befragten Familienunternehmen eine bessere Arbeitsatmosphäre und mehr Teamgeist als Nicht-Familienunternehmen. Etwa 70 % sehen sie beim eigenverantwortlichen Arbeiten vorn, knapp zwei Drittel beim kooperativen Führungsstil. Auch bei Unternehmensethik und gesellschaftlicher Verantwortung trauen etwa 60 % der Kandidaten den Familienunternehmen mehr zu.

Umgekehrt bleiben die klassischen Stärken von Nicht-Familienunternehmen bestehen: Bei Internationalität und Standortattraktivität schneiden Familienunternehmen im Urteil der Bewerber weiterhin am schwächsten ab, wobei der Anteil derer, die Familienunternehmen hier besser bewerten, seit 2023 gestiegen ist.

Fast jedem Zweiten ist die Arbeit in einem Familienunternehmen wichtig

Dass diese Wahrnehmung für Familienunternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte relevant ist, zeigt eine weitere Zahl aus der Befragung: 2025 geben 47 % der Kandidaten an, es sei ihnen „wichtig“ oder „sehr wichtig“, in einem Familienunternehmen zu arbeiten. Nur 7 % halten das für unwichtig. Für die Befragten zählt 2025 bei der Arbeitgeberwahl vor allem eines: eine attraktive Vergütung und Sozialleistungen. Dahinter folgen Arbeitsatmosphäre und Teamgeist sowie Karriereperspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten.

Genau hier liegt die strategische Bedeutung der Ergebnisse: Wenn Familienunternehmen ihre Vergütung selbstbewusster kommunizieren und zugleich ihre Stärke bei der Arbeitsatmosphäre bewahren, können sie ihre Position im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte weiter stärken.

Zur Methodik: Befragt wurden Kandidatinnen und Kandidaten der Karrieretage Familienunternehmen in den Jahren 2023 (397 Teilnehmer), 2024 (624) und 2025 (650), insgesamt 1.671 Personen. Die Fragen zum Vergleich großer Familienunternehmen mit großen Nicht-Familienunternehmen beantworteten 1.466 Personen. Da die Befragten gezielt Karrieretage von Familienunternehmen besuchten, sind die Ergebnisse nicht repräsentativ für alle Fach- und Nachwuchskräfte.

Autorenprofil
Dr. Nevena Toporova
Wissenschaftliche Leitung - experimenTUM at 

Dr. Nevena Toporova ist wissenschaftliche Leiterin des experimenTUM-Labors an der Technischen Universität München und forscht zu AI@Work sowie zur sozialen Nachhaltigkeit in Familienunternehmen.

Autorenprofil
Dr. David Fischer
Referent für Wissenschaft und Programme at 

Dr. David Fischer ist externer Forscher an der Technischen Universität München sowie Referent für Wissenschaft und Programme bei der Stiftung Familienunternehmen. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Transformation von Familienunternehmen.

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