Wer führt und zugleich maßgeblich beteiligt ist, trifft oft andere Entscheidungen als ein reiner „Agent“ im Management. Globale Studien belegen den Renditevorsprung eigentümergeführter Unternehmen. Die Vermögensverwaltungsgesellschaft Ott, Hagen & Partner AG (OHP) aus Liechtenstein will diesen Effekt mit einem regelbasierten Fondsansatz investierbar machen und erklärt im Interview, wie Auswahl und Risikokontrolle funktionieren.
„Owner-Operator“ heißt der Typus börsennotierter Unternehmen, in denen aktive Gründer oder CEOs signifikant beteiligt sind. Der ökonomische Kern: Wenn Entscheider selbst substanziell mithaften, verschieben sich Zeithorizont und Kapitaldisziplin – weg vom kurzfristigen Schönrechnen, hin zur nachhaltigen Wertschöpfung.
Wie groß der Effekt sein kann, zeigt eine im Juli 2025 veröffentlichte Studie von Steven Wood („Owners vs. agents: A global examination of the behavior of owner operators“, International Review of Financial Analysis). Analysiert wurden rund 1.300 eigentümergeführte Unternehmen weltweit; verglichen wurde ihre Performance mit dem globalen S&P-1200-Index von 1993 bis 2023. Ergebnis: 10,9 % annualisierte Rendite bei den Eigentümerunternehmen versus 6,3 % im Index – eine Outperformance von 4,6 Prozentpunkten pro Jahr. Wood erklärt den Vorsprung vor allem mit besserer Kapitalallokation: mehr Reinvestitionen in Mitarbeiter und Infrastruktur, weniger wertvernichtende Akquisitionen und tendenziell geringere Ausschüttungen. In der Summe steigen die Kapitalrenditen (ROIC) – und damit die Kursentwicklung. Weitere Arbeiten stützen das Bild, unter anderem Lee (2016), Lilienfeld-Toal (2014) und Villalonga (2006).
Der OHP Unternehmerfonds: klare Regeln statt Bauchgefühl
Für die Ott, Hagen & Partner AG (OHP) ist die Studienlage Bestätigung und Handlungsauftrag zugleich. „Wir sehen Investments in Unternehmen in erster Linie als Investitionen in die Führungspersonen und wir können nur zusammen im selben Boot sitzen, wenn diese Führungspersonen signifikant beteiligt sind“, sagt Victor J. Cybulski, Co-Geschäftsführer und Leiter Portfolio Management bei OHP. Der von ihm verantwortete OHP Unternehmerfonds investiert ausschließlich in börsennotierte, eigentümergeführte Unternehmen.
Ausgewählt werden nur eigentümergeführte Titel, bei denen das operative Management mindestens 20 % der Anteile hält. Reine Kontrollaktionäre ohne operative Verantwortung werden in der Selektion ausgeschlossen. OHP sucht Unternehmen mit klaren Wettbewerbsvorteilen in profitablen Nischen und landet dadurch häufig bei Small Caps abseits der Indizes. Der Investmentansatz ist stark regelbasiert. Dadurch sollen Entscheidungen nachvollziehbar und der Prozess replizierbar gemacht werden. Im Zentrum steht die fundamentale Analyse eines Unternehmens und seiner Industrie.
Die OHP hält sich zudem strikt an Ihre „Circle of Competence“: Wenn die wichtigsten Faktoren eines Unternehmens (z.B. Wertschöpfung, Kundenverhalten, Wettbewerb, etc.) nicht nachvollziehbar sind, bleibt die OHP außen vor. Ebenso werden Investments in Regionen gemieden in denen die OHP keinen Zugang zu Sprache, Kultur oder gesellschaftlichen Normen hat. Die Konsequenz: Konzentration. Der Fonds fokussiert sich auf rund 20 bis 30 Positionen.
Auch die Konditionen sollen zur Langfristlogik passen: Mit 0,7 % Managementgebühr und einer Performance Fee von 10 % oberhalb einer 5-%-Hürde sieht OHP die Gebührenstruktur „im Einklang mit den Zielen unserer Anleger“. Ausgabeaufschläge und Rücknahmeabschläge fallen nicht an, der Handel ist wöchentlich möglich.
Zwei Portfoliobeispiele: Glasfaser und Instandhaltung
Intred S.p.A. (WKN: A2JRFR) versorgt nach OHP-Angaben Unternehmen und Privathaushalte in der Lombardei mit Glasfaserinternet. Der Investment Case stützt sich auf hohe wiederkehrende Erlöse, ein breites Wachstumspotenzial und die lange Lebensdauer unterirdischer Netzinfrastruktur, die Instandhaltungsaufwendungen über Jahre minimiert.
Tasmea Limited (WKN: A40A2C) bündelt Wartungs- und Instandhaltungsdienstleister für Australiens Bergbau-, Energie- und Industriekunden. Neben laufenden Services ist Tasmea auf „Shutdown-Leistungen“ spezialisiert: Stillstände sollen planbar werden, Ausfallzeiten kurz gehalten – ein kritischer Faktor in kapitalintensiven Branchen. Zusätzlich sieht OHP in der fragmentierten Anbieterlandschaft Raum für profitable Zukäufe.
Was die Kombination aus Studienlogik, Regeldisziplin und Einzeltiteln für Anleger heißen soll, erläutert Victor J. Cybulski im Gespräch:
Interview
„Wir investieren nicht in Produkte – wir investieren in Verantwortung“
Interview mit Victor J. Cybulski, Co-Geschäftsführer und Leiter Portfolio Management der Ott, Hagen & Partner AG (OHP)
Unternehmeredition: Herr Cybulski, warum steht für Sie der Unternehmer im Mittelpunkt?
Victor J. Cybulski: Weil es um Verantwortung und Anreize geht. Wir vertrauen nicht nur einem Produkt, sondern der Person, die mit Name und Reputation dahintersteht. Wenn diese Person zugleich Großaktionär ist, passt ihr eigener Zeithorizont meist besser zu langfristiger Wertschöpfung.
Was ist für Sie die wichtigste Lehre aus den Studien?
Kapitalallokation ist der Hebel. Owner-Operatoren investieren häufig konsequenter in das eigene Geschäft und sind zurückhaltender bei Akquisitionen, die selten wertsteigernd sind. Diese Disziplin zeigt sich langfristig in höheren Kapitalrenditen und am Ende im Kurs.
Warum setzen Sie die Schwelle bei mindestens 20 % Managementbeteiligung?
Wir wollen „Skin in the Game“, die spürbar ist. Unterhalb dieser Größenordnung verschwimmt oft, ob die Beteiligung das Verhalten wirklich prägt. Und es muss operatives Management sein – reine Kontrolle ohne Verantwortung reicht uns nicht.
Wie verhindern Sie, dass der Ansatz in der Praxis zum Storytelling wird?
Indem wir den Prozess priorisieren. Wir prüfen zuerst das Geschäftsmodell, dann die Wettbewerbsvorteile, dann die Kapitalallokation und erst danach den Preis. Unsere interne Bewertung gibt uns eine Zielspanne; ohne Sicherheitsmarge kaufen wir nicht.
Wie streng ist Ihr „Circle of Competence“?
Sehr streng. Wenn wir nicht verstehen, wie ein Unternehmen Geld verdient und warum Kunden zahlen, investieren wir nicht. Ebenso meiden wir Regionen, in denen uns Sprache, Kultur oder Regulierung den Zugang erschweren. Unser Vorteil ist Tiefe, nicht Breite.
Ihr Portfolio ist mit 20 bis 30 Titeln konzentriert. Wie steuern Sie Risiken?
Konzentration ist die Folge von Research. Wir streuen über Länder und Geschäftsmodelle und begrenzen Positionen. Der wichtigste Risikofilter bleibt aber die Kaufdisziplin: Qualität plus Bewertung – sonst kein Investment.
Warum haben Sie die Gebührenstruktur so gestaltet, wie sie ist?
Wir wollen, dass die Interessen sauber ausgerichtet sind. Eine moderate laufende Gebühr deckt Research und Umsetzung, und die Performance Fee greift erst, wenn ein Mindestwertzuwachs erzielt wurde. Gleichermaßen verzichten wir auf Ausgabeaufschläge oder Rücknahmeabschläge.
Was erwarten Sie von Anlegern?
Geduld. Eigentümergeführte Unternehmen sind selten „Quarterly Stories“. Mit dem OHP Unternehmerfonds bündeln wir unsere besten Ideen – transparent, nachvollziehbar und zu fairen Konditionen.
Lieber Herr Cybulski, wir danken Ihnen für diese vertiefenden Einblicke!
Das Interview führte Eva Rathgeber.
👉 Dieser Beitrag ist auch in unserer Magazinausgabe UE 4/2025 mit Schwerpunkt „Unternehmervermögen“ erschienen.
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ZUM INTERVIEWPARTNER

Victor J. Cybulski ist Co-Geschäftsführer der Ott, Hagen & Partner AG (Liechtenstein). Er arbeitet seit über zehn Jahren im Investmentbereich, führte einen Blog zu Value-Aktien und war im Private-Equity-Bereich eines Münchener Family Offices tätig. Seit Oktober 2025 verantwortet er den OHP Unternehmerfonds.







