Wirtschaftsprognosen nach unten korrigiert

Wirtschaftsprognosen
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Für dieses Jahr rechnet der Sachverständigenrat – die sogenannten Wirtschaftsweisen – in Deutschland mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,1 %. Damit wurde die Prognose um 0,6% nach unten korrigiert. Mit diesen Nachrichten beginnen wir unseren Überblick über die aktuellen Wirtschaftsprognosen.

Im kommenden Jahr dürfte sich die wirtschaftliche Erholung nach Einschätzung der Experten nicht zuletzt gestützt durch den Abbau der aufgestauten privaten Ersparnisse und der weltweit steigenden Nachfrage mit hohem Tempo fortsetzen. Der Sachverständigenrat erwartet daher für das Jahr 2022 einen Anstieg des BIP um 4,0 %. Ein starker Anstieg der Infektionszahlen könnte die konjunkturelle Erholung verzögern, insbesondere wenn die Industrie stark von Einschränkungen und Betriebsschließungen betroffen wäre.


Zum Jahresende 2020 wuchs die Wirtschaftsleistung in Deutschland nach den Berechnungen der Wirtschaftsweisen nur noch geringfügig. Für das erste Quartal 2021 sei mit einem Rückgang zu rechnen. Im Zuge der Eindämmung der Pandemie und gradueller Lockerungen dürfte sich die wirtschaftliche Erholung in den kommenden Monaten aber wieder fortsetzen. Für die Jahre 2021 und 2022 rechnet der Sachverständigenrat mit durchschnittlichen Inflationsraten in Deutschland von 2,1 % beziehungsweise 1,9 %. Im Euro-Raum erwartet der Sachverständigenrat für die Jahre 2021 und 2022 ein BIP-Wachstum von 4,1 % beziehungsweise 4,2 %.

Jedes fünfte Unternehmen sieht sich bedroht

Durch die Corona-Krise sieht sich fast jedes fünfte Unternehmen in Deutschland bedroht. Das geht aus der neuesten Konjunkturumfrage des ifo Instituts hervor. „Besonders gefährdet unter den großen Wirtschaftszweigen fühlte sich im Februar der Einzelhandel mit 34,5% der Firmen, vor den Dienstleistern mit 26,3%“, sagt der Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. Unterdurchschnittlich bedroht sehen sich der Großhandel mit 12,8%  der Unternehmen, die Industrie mit 7,5% und der Bau mit 3,6%. „Insbesondere Unternehmen mit Liquiditätsproblemen fürchten um ihre Zukunft “, ergänzt er. Die stärksten Existenzängste verspürt die Reisebranche mit 83,7% der Firmen, Hotels mit 82,3% sowie Restaurants und Gaststätten mit 72,3%.

Eigenkapitalquoten im Handwerk noch stabil

Die Corona-Krise hat die Belastungen für die Unternehmen im Handwerk nach einer aktuellen Untersuchung des Verbands der Vereine Creditreform spürbar erhöht. Zwar sehen sich aktuell nur 8,2% der Betriebe in einer Unternehmenskrise, allerdings liegt der Anteil der kriselnden Unternehmen im Kfz-Gewerbe (21,2%) und im Nahrungsmittelhandwerk (19,0%) mit rund einem Fünftel bereits sehr hoch. „Auch wenn sich diese Entwicklungen in den Insolvenzzahlen und Gewerbeabmeldungen bislang kaum spiegeln, sorgt die Krise doch erkennbar für Einschnitte bei der Liquidität und dem Eigenkapital. Vielfach müssen Inhaber auf Reserven oder privates Kapital zurückgreifen, um zahlungsfähig zu bleiben“, sagt dazu  Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. So haben 17,9% der befragten Handwerksbetriebe angegeben, dass sich ihr Eigenkapital durch die Corona-Krise reduziert hat. Im Kfz-Gewerbe nahm das Eigenkapital sogar bei jedem dritten Unternehmen ab. „Die Corona-Krise hat insbesondere dem Kfz-Gewerbe und dem Nahrungsmittelhandwerk zugesetzt. In diesen Bereichen kam es zu einer regelrechten Erosion der Eigenkapitalquoten“, warnt Hantzsch weiter.