ifo sieht Konjunktur pessimistischer

Wirtschaftsprognosen
(c) denisismagilov

Das Münchener ifo Institut sieht die Wirtschaftsentwicklung in diesem Jahr pessimistischer als noch im Dezember. Die Forscher erwarten in ihrer heutigen Prognose nun ein Wachstum von 3,7 Prozent. Vor drei Monaten hatten sie 4,2 Prozent vorhergesagt. Mit dieser Nachricht beginnen wir unsere Übersicht über die aktuellen Wirtschaftsprognosen.

„Die Coronakrise zieht sich hin und verschiebt den erwarteten kräftigen Aufschwung nach hinten“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Für das Jahr 2022 erwartet das Institut nun 3,2 Prozent Wachstum. Insgesamt belaufen sich die Kosten der Coronakrise für die Jahre 2020 bis 2022 laut ifo auf 405 Milliarden Euro – gemessen an entfallender Wirtschaftsleistung. Die Zahl der Arbeitslosen werde der Vorhersage zufolge leicht sinken auf 2,44 Millionen im Jahr 2022. Damit würde die Arbeitslosenquote von 5,9 über 5,8 auf 5,3 Prozent zurückgehen. Gleichzeitig erwartet das ifo Institut, dass die Verbraucherpreise stärker anziehen. „Die Prognose hängt allerdings entscheidend vom weiteren Pandemieverlauf ab. Sollten die Umsätze in den von der Coronakrise unmittelbar betroffenen Dienstleistungs-Branchen um weitere drei Monate auf dem niedrigen Niveau des ersten Quartals verharren, so würde der Anstieg der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 0,3 Punkte niedriger ausfallen und nur bei 3,4 Prozent liegen“, sagt Wollmershäuser.

IW kritisiert neue Schließungen scharf

„Die neuen Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz wirken etwas erratisch, eine konsequente Test- und Tracing-Strategie bleibt hingegen weiterhin Fehlanzeige.“, erklärt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer Presseinfo zu den aktuellen Beschlüssen. Der zusätzliche Feiertag würde Kosten von rund sieben Milliarden Euro verursachen. IW-Direktor Michael Hüther äußerte in ungewöhnlich scharfer Form sein Befremden über die Beschlüsse der Nacht: „Bund und Länder verlieren sich im Klein-Klein von Maßnahmen, anstatt endlich die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Kommunen ihre Lösungen entwickeln können. Eine Perspektive besteht vor allem in einer Ausweitung der Impfungen – koste es, was es wolle. Unter dem Strich ist das alles billiger als diese Taktik der Trippelschritte. Ansonsten bleibt es in der Logik der Politik nach Ostern beim Stillstand.“

IHS Markit zeigt sich optimistisch

Der IHS Markit Flash Deutschland Composite Index Produktion stieg gegenüber Februar um ganze 5,7 Punkte auf ein Drei-Jahres-Hoch von 56,8. Diese Zahlen wurden allerdings vor der erneuten Verlängerung des Lockdown erhoben. Zurückzuführen sei dies vor allem auf die Industrie,  deren Produktion aufgrund der prall gefüllten Auftragsbücher ausgeweitet wurde. Der Gesamt-Auftragseingang wies nach den aktuellen Zahlen von HIS das höchste Plus seit sechs Monaten aus. Zahlreiche Industriebetriebe hätten im März mit der Nachfrage nicht Schritt halten können, was eine starke Zunahme des Auftragsbestands nach sich zog. Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit, kommentiert die Zahlen „Die Flash-PMIs deuten auf einen bemerkenswerten Aufschwung der deutschen Wirtschaft im März hin. Ausschlaggebend hierfür ist die Ausweitung der Industrieproduktion und das Mini- Wachstum des Servicesektors, wo einige Unternehmen von der leichten Lockerung der Lockdown-Beschränkungen profitierten.“

IW korrigiert Konjunkturprognose

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) senkt seine Konjunkturprognose im Vergleich zur Dezemberprognose und rechnet für 2021 in Deutschland nur noch mit einem BIP-Wachstum von drei statt bisher vier Prozent. Erst Anfang 2022 werde das Vorkrisenniveau wieder erreicht. Die IW-Konjunkturexperten beobachten dabei eine zunehmende Spaltung der Volkswirtschaft. Die Industrie schließe allmählich zum Vorkrisenniveau auf und exportiere wieder umfangreich insbesondere nach China und die USA. Der Dienstleistungssektor stehe dagegen weitestgehend still. Hier sei immer noch ist unklar, wann das Geschäft wieder läuft.

„Bisher haben die Lockdowns bereits 250 Mrd. Euro gekostet. Derzeit läuft ein Wettlauf zwischen Injektionen und Infektionen“, sagt IW-Direktor Michael Hüther. „Wir müssen schnell impfen, um möglichen Resistenzen durch Mutationen zuvorzukommen. Ein langer dritter Lockdown wäre ein teurer Rückschlag für Unternehmer und Einzelhändler. Zudem würde die Spaltung der Volkswirtschaft in eine robuste Industrie und darbende Lockdown-Branchen immer tiefer gehen und weitrechende soziale Folgen haben.“ Viele Unternehmen trauen sich nach Einschätzung des IW noch immer nicht, zu investieren, bleiben lieber liquide. Die Ausrüstungsinvestitionen würden weiter stagnieren. Im Jahresschnitt rechnet das IW mit einem Anstieg der Investitionen um 6 ½ Prozent. Das reiche aber nicht, um den Einbruch von zwölf Prozent aus dem Vorjahr zu kompensieren.

Unternehmen haben finanziellen Druck

Die Coronakrise setzt die Finanzen vieler Unternehmen in Deutschland unter Druck, wie aus der neuesten Umfrage des ifo Instituts hervorgeht. „Insbesondere Hotels, Gaststätten und Reisebüros spüren das“, sagt der Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Viele Unternehmen haben Liquiditätsengpässe, die zu mehr Pleiten führen könnten.“ Auf einer Skala der finanziellen Beeinträchtigungen von 1 bis 5 gaben alle Dienstleister im Schnitt 2,4 an, der Handel 2,3 und die Industrie 2,2. Der Bau dagegen lag nur bei 1,6. Am meisten gebeutelt fühlen sich bei den Dienstleistern die Hotels, die Gastronomie und die Reisebüros. In der Industrie klagen die Hersteller von Bekleidung und die Getränkehersteller am stärksten über eine schlechte Finanzlage.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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