„Geradlinigkeit schafft Vertrauen bei Unternehmern“

Interview mit Andi Klein, Managing Partner und Head of TSM, Triton Beratungsgesellschaft GmbH

Triton konzentriert sich auf Unternehmen mit großem Wertsteigerungs­potenzial und betreut dabei Beteiligungskapital von 15,6 Mrd. EUR.
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Die 1997 gegründete Triton konzentriert sich auf Unternehmen mit großem Wertsteigerungs­potenzial – idealerweise bis zum Weltmarktführer. Triton betreut dabei Beteiligungskapital von 15,6 Mrd. EUR und 46 Unternehmen mit rund 102.000 Mitarbeitenden.

Unternehmeredition: Triton beteiligt sich an Unternehmen mit dem ­Potenzial, über Wirtschaftszyklen hinweg zu wachsen. Über welche Zeiträume begleitet Triton die ­Beteiligungsunternehmen mit ­welchen Unterstützungen?

Andi Klein: Das hängt von der Situa­tion­ ab. Oft überführen wir im Rahmen von Nachfolgelösungen unternehmergeführte in von einem unabhängigen Managementteam geleitete Unter­nehmen. Wir schaffen Wachstumsstrukturen, entwickeln Finanzmanagement und -transparenz, unterstützen Zukäufe und stellen Kapital bereit. Die Unternehmer bleiben meist signifikant beteiligt. Wir begleiten Unternehmen dabei üblicherweise länger als der Durchschnitt der Beteiligungsbranche. Es geht darum, welche nachhaltigen Werte wir generieren. Wir entwickeln Unternehmen strategisch so weiter, dass wir zum Verkaufszeitpunkt die ­Basis für weiteres Wachstum gelegt haben. Drei Themen zeichnen uns dabei aus: unser großes Netzwerk als Teil ­einer größeren Plattform, unsere ­starke Inhouse-Unterstützung und ­unser Digitalisierungs-Know-how für die verschiedenen Unternehmens­bereiche.

Geben Sie mir ein Beispiel ihrer Beteiligung?

Norres ist Anbieter industrieller Schläuche für Wiederverkäufer wie den technischen Handel oder OEMs. Bei dem sehr Unternehmer zentriert gesteuerten Unternehmen ging es unter anderem darum, die Internationalisierung und Marktkonsolidierung voranzutreiben. Dafür haben wir Management- und Steuerungsfunktionen etabliert, das Produktportfolio erweitert sowie Zukäufe in Schweden, Italien und einen sehr großen Zukauf für die Benelux-Region getätigt. Das war vorher so nicht möglich, weil es beispielsweise die verantwortliche M&A-Funktion, den entsprechenden Erfahrungsschatz und die notwendigen Steuerungsmöglichkeiten nicht gab. Wir haben mit eigenen Operating Partnern den Aufbau der Organisationen unterstützt und auch am Thema Nachhaltigkeit gearbeitet. Norres muss in seinen Prozessen sehr viel Kunststoff einsetzen. Hier haben wir ein strukturiertes Recycling eingeführt und Transporte optimiert. Das spart Kosten und reduziert den Carbon Footprint.

Wie entwickelt Triton Unternehmen in puncto Strategie weiter?

Viele Mittelständler besitzen keine ­formale Strategie oder Langfrist­planung. Die Priorisierung von Projekten erfolgt oft aus der Erfahrung des Unternehmers heraus. Wir haben ­daher ein klares Strategievorgehen entwickelt. Am Anfang steht ein zweitägiger Workshop mit etwa 15 bis 20 Teilnehmenden, darunter das existierende erweiterte Managementteam, der Unternehmer, der Beirat, dem auch wir angehören, und externe Indus­trie­fach­leute.

Was sind dann die Ergebnisse?

Am Ende sind die vier bis fünf besten Strategien festgelegt, zum Beispiel, wie die Erweiterung der Produktpalette oder die Optimierung des Produktionsnetzwerks grundsätzlich erfolgen soll, was die nächsten Schritte hierfür sind und wer dafür verantwortlich ist. Man hat Fragen geklärt wie: Was ist die ­Vision? Wofür wird man in Zukunft ­stehen? Welche Ziele verfolgt man? Wie misst man Ergebnisse? Was will man durch Eigenentwicklung, was durch Akquisition erreichen? All das bringen wir auf ein großes Chart und schaffen so Transparenz. Alle ein bis zwei Jahre überprüfen wir in Follow-up-Workshops, was offen ist, was sich als falsch herausgestellt hat und was abgearbeitet worden ist. Für viele ist unser Vorgehen neu und eine recht große Kulturveränderung. Manager finden es aber gut, es macht die ­Zusammenarbeit berechenbar.

Triton setzt auf die Bereiche Dienstleistung, Konsumgüter, Industrieunternehmen, Gesundheitswesen. Wie verändert sich gerade insbesondere das Gesundheitswesen aus Investorensicht?

Im Gesundheitswesen gibt es aktuell einige Nachfolgeproblematiken. Viele Ärzte wollen heute lieber angestellt − also rein medizinisch tätig und mit festen Arbeitszeiten − als unternehmerisch selbstständig sein. Andererseits wollen die Ärzte, die ihre Praxen unternehmerisch aufgebaut haben, für ihre Praxen und die jahrzehntelange Arbeit bezahlt werden. Dafür bieten wir etliche Lösungsansätze. Im Industriebereich wird vor allem das Thema ESG immer wichtiger. Es wird dabei genau betrachtet, wie zukunftsfähig die Unternehmen beim Verbrauch sind und wie sie hinsichtlich des Environmental Footprints und vorteilhafter alternativer Materialien aufgestellt sind. Bei unserem Automobilzulieferer BFC werden beispielsweise leichte hochqualitative Klemmprofile für Dichtungen entwickelt, die sogar Aluminium ersetzen können, bei einem viel besseren CO2-Footprint.

Wie lebt Triton seine wichtigen ­Werte wie Fairness, Ehrlichkeit, ­ Geradlinigkeit?

Wir überlegen genau, was wir einem Unternehmer anbieten können und was nicht, und sind dabei sehr transparent. Daher kommt es mit Unternehmern fast immer zum Abschluss. Erstens: Wir liefern, was wir vereinbart haben, und definieren ganz genau die Einflussfaktoren bei Parametern, die sich verändern können, wie zum Beispiel Multiples, Finanzierungs- und Strukturthemen. Wir haben auch schon Beteiligungen mit der ehrlichen Begründung abgesagt, dass wir nicht liefern können, was der Unternehmer erwartet, weil wir nicht glauben, dass es funktioniert. Will ein Unternehmer beispielsweise immer ein Vetorecht, können wir das nicht erfüllen. Wir ­  haben auch keinerlei Toleranz, was ESG-Abweichungen angeht. Zweitens: Wir gehen mit anderen Menschen so um, wie sie auch mit uns umgehen ­sollen. Dazu zählt Transparenz. Natürlich unterstützen wir das Management auch in der Krise.


ZUR PERSON

Andi Klein,

Managing Partner und Head of TSM,

Triton Beratungsgesellschaft GmbH

mittelstandsfonds@triton-partners.com

Das Investorenprofil zur Triton Beratungsgesellschaft GmbH finden Sie auf hier.

Das Interview ist in der Beilage Spezial „Investoren im Mittelstand“ der Unternehmeredition 3/2021 erschienen.

Autorenprofil
Georg von Stein

Georg von Stein arbeitet seit 27 Jahren als Journalist, Moderator und Trainer & Coach für Medienauftritte. In dieser Zeit hat er sehr viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft insbesondere aus dem Private Equity-Sektor interviewt.

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