Die aktuelle Herbstumfrage der Creditreform Wirtschaftsforschung zeigt eine angespannte Geschäftslage im Mittelstand. Das Institut befragte rund 1.200 kleine und mittelgroße Unternehmen zu ihrer Situation. Die betroffenen Firmen kämpfen weiterhin stark mit den Folgen der langen Rezessionsphase. Gestiegene Energie- und Rohstoffkosten belasten die Wirtschaft laut den Umfragedaten zusätzlich enorm. Die grundsätzliche Stimmung der Geschäftsführer bleibt nach Angaben der Analysten sehr verhalten. Die Unternehmen bewerten ihre momentane geschäftliche Lage auch weiterhin mehrheitlich negativ. Der Creditreform Geschäftsklimaindex kletterte zuletzt minimal von plus 0,1 auf plus 1,1 Punkte. Lediglich bei den allgemeinen Geschäftserwartungen erkennen die Forscher eine kleine Verbesserung.
Auftragslage bleibt schwierig
Die Auftragseingänge im Mittelstand zeigen momentan nur sehr wenig konjunkturelle Belebung. Lediglich 20,2 % der Unternehmen meldeten einen Anstieg ihrer Aufträge. Dieser ermittelte Wert liegt etwas unter dem Vorjahresniveau von 21,5 %. Gleichzeitig berichteten 26,4 % der Befragten von deutlich rückläufigen Auftragszahlen in ihren Büchern. Nur im verarbeitenden Gewerbe verbesserte sich die generelle Auftragslage zuletzt leicht. Das Baugewerbe verzeichnete dagegen eine deutliche Verschlechterung der eigenen Geschäftssituation. Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, äußert sich besorgt zur Wirtschaftslage. In der Realität vieler Betriebe sind die wirtschaftlichen Belastungen weiterhin viel zu hoch. Die Insolvenzzahlen steigen in der Bundesrepublik deshalb ebenfalls weiter an.
Leichter Optimismus spürbar
Die Geschäftsaussichten hellten sich in der jüngsten Zeit laut Umfrage minimal auf. Die Firmen rechnen im nächsten halben Jahr wieder mit einer besseren Umsatzlage. Das verarbeitende Gewerbe zeigt sich bei dieser Betrachtung besonders zuversichtlich. Der Optimismus bleibt angesichts der großen Herausforderungen dennoch verhalten. Hohe Energiepreise und eine schwache private Nachfrage bremsen den Aufschwung drastisch. Hantzsch warnt ausdrücklich vor einem Scheitern der wirtschaftspolitischen Reformen der Bundesregierung. Ein schuldenfinanziertes Sondervermögen bringt Deutschland langfristig nicht wieder in die Erfolgsspur zurück. Höhere Rüstungsausgaben lösen die strukturellen Probleme der heimischen Industrie ebenfalls nicht. Die Politik muss vielmehr zügig strukturelle Verbesserungen auf den Weg bringen. Dazu gehören wettbewerbsfähige Energiepreise und ein schneller Abbau von unnötiger Bürokratie. Zudem fordert Hantzsch einen Schutz der heimischen Wirtschaft vor unfairem Wettbewerb.
Geringe Investitionsbereitschaft
Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen entwickelte sich im Herbst dramatisch schlecht. Sie erreichte den niedrigsten Stand in den vergangenen zwanzig Jahren. Nur 37,3 % der befragten Mittelständler planen aktuell ein konkretes Investitionsvorhaben. Gestiegene Zinsen und anhaltende Unsicherheiten bremsen die aktuelle Investitionsneigung drastisch aus. Die finanziellen Spielräume vieler Firmen sind nach der vergangenen Wirtschaftskrise sehr eng begrenzt.
Der Personalabbau in der Bundesrepublik setzte sich auch in den Sommermonaten fort. Im Mittelstand entstanden seit drei Jahren per Saldo keine zusätzlichen Stellen mehr. Zuletzt meldeten 14,5 % der Unternehmen einen Anstieg ihrer Beschäftigtenzahlen. Gleichzeitig verringerten jedoch 18,6 % der befragten Firmen ihre eigene Personalstärke spürbar. Der Fachkräftemangel ist laut Hantzsch nicht der alleinige Grund für diesen Beschäftigungsrückgang. Auch Umstrukturierungen und eine schwache Auftragslage forcieren den personellen Abbau in vielen Betrieben. Dies kann mittel- und langfristig auch zu einem großen gesellschaftspolitischen Problem werden.
Schwaches Eigenkapital
Der Anteil der eigenkapitalschwachen Unternehmen bleibt auf einem unverändert hohen Niveau. Jedes dritte Unternehmen weist aktuell eine Eigenkapitalquote von unter 10,0 % auf. Gleichzeitig verfügen weniger Betriebe als im Vorjahr über eine Eigenkapitalquote von mehr als 30,0 %. Dies betrifft momentan nur noch rund 33,0 % der befragten Teilnehmer. Die schwachen Erträge verhindern den gezielten Aufbau von neuem Eigenkapital. Diese finanzielle Eigenkapitalschwäche im Mittelstand ist auch ein Grund für die gestiegenen Insolvenzzahlen.
Die Pläne der Regierung zur Altersvorsorgepflicht für Selbstständige bewerten die Befragten positiv. Die Versicherungspflicht sollte nach Ansicht der Unternehmer jedoch nur bei fehlender Vorsorge greifen. Gleichzeitig lehnen 31,8 % der befragten Mittelständler eine solche Versicherungspflicht komplett ab. Fast alle Inhaber mittelständischer Betriebe sorgen bereits eigenständig für ihr Alter vor. Sie setzen dabei überwiegend auf private Lebensversicherungen und Fonds.








