Mittelstand im Osten profitiert von Kreditzusagen

Der digitale Kreditgeber Iwoca hat eine Untersuchung zum Thema Unternehmensfinanzierung im deutschen Mittelstand durchgeführt. Die Auswertung umfasst 80.000 Finanzierungsanfragen aus dem ersten Halbjahr 2026. Sie vergleicht die Finanzierungsstärke kleiner und mittlerer Firmen im Bundesgebiet. Hamburg führt die Rangliste der Bundesländer mit genau 68 Punkten an. Schleswig-Holstein folgt auf dem zweiten Platz mit insgesamt 67 Punkten. Berlin erreicht den dritten Rang mit einer Bewertung von 62 Punkten. Brandenburg und Sachsen kommen in der Untersuchung auf jeweils 60 Punkte. Thüringen belegt mit 56 Punkten den sechsten Rang in der Auswertung. Bayern und Baden-Württemberg erreichen in dieser bundesweiten Statistik jeweils 41 Punkte.

Vier Kriterien der Bewertungsskala

Die Studie basiert auf einer Skala von null bis 100. Vier verschiedene Dimensionen fließen in diesen Wert der Untersuchung ein. Dazu gehört der Anteil der Anfragen mit einem konkreten Finanzierungsangebot. Zudem zählt der Anteil der tatsächlichen Auszahlungen an die Firmen. Die Anzahl der Auszahlungen je 10.000 Unternehmen spielt dabei eine Rolle. Die durchschnittliche Auszahlungshöhe bildet die vierte Dimension in der Skala. Je höher der Wert ausfällt, desto solider sind die Unternehmen aufgestellt.

Ostdeutsche Betriebe erhalten häufiger ein Finanzierungsangebot als Betriebe in westdeutschen Ländern. Zudem verzeichnen sie häufiger eine tatsächliche Auszahlung für ihre betrieblichen Vorhaben. Die Rückzahlungsdisziplin im Osten ist laut der Untersuchung überdurchschnittlich ausgeprägt. Die Ausfallquote liegt knapp ein Fünftel unter dem berechneten westdeutschen Niveau. Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern führen die bundesweite Rangliste in diesem Punkt an. Im Norden fließen gemessen an der Unternehmenszahl die meisten Kredite für Projekte. Schleswig-Holstein erreicht bei den Auszahlungen je 10.000 Betrieben den bundesweiten Höchstwert. Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet die höchste durchschnittliche Kreditsumme mit genau 28.400 Euro. Hamburg folgt danach mit 27.400 Euro vor dem Bundesland Niedersachsen.

Rückzug der traditionellen Banken hält an

Die Beschaffung von Kapital findet in einem veränderten wirtschaftlichen Umfeld statt. Traditionelle Banken ziehen sich seit Jahren schrittweise aus der Fläche zurück. Dies trifft vor allem den ländlichen Raum in Ostdeutschland in besonderem Maße. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank hat sich die Zahl der Filialen halbiert. Ende 2025 existierten bundesweit nur noch knapp 17.000 verbliebene Bankfilialen. Zehn Jahre zuvor waren es noch rund 34.000 regionale Zweigstellen. Die Präsenz der Banken konzentriert sich auf größere Städte im Land. In Metropolen wie Berlin oder Hamburg existiert ein messbarer lokaler Netzwerkeffekt. Dort sprechen sich alternative Finanzierungswege aufgrund der Dichte schneller herum.

Fabian Platzen ist der Geschäftsführer der Gesellschaft Iwoca in Deutschland. Er betont die Notwendigkeit eines unbürokratischen Zugangs zu frischem Geschäftskapital. Digitale Kreditgeber schließen zunehmend die Lücke, die viele Banken inzwischen hinterlassen. Ländliche Regionen profitieren demnach von digital und schnell verfügbaren Krediten. „Was in vielen Regionen fehlt, ist nicht die Wirtschaftskraft“, sagt Platzen. Die Betriebe besitzen den Mut zu wachsen und zu investieren. Ein Handwerksbetrieb in der ländlichen Prignitz erhält heute Entscheidungen in derselben Zeit. Die Dauer entspricht der Zeitspanne eines Betriebs in der Stadt München. Oft entscheidet dieses Tempo über die Ergreifung einer anstehenden Wachstumschance. Ein unbürokratischer Zugang entscheidet deshalb häufig über die Annahme von neuen Aufträgen.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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