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Längere Verkaufsprozesse und eine höhere Zahl gescheiterter Transaktionen erhöhen die Anforderungen an die Vorbereitung von M&A-Prozessen. Gerade rechtliche Risiken können heute schneller zum Dealbreaker werden. Vendor Due Diligence Reports, Legal Fact Books oder gezielte Legal Memos können helfen, kritische Themen frühzeitig offenzulegen und Verkaufsprozesse effizienter und sicherer zu gestalten.
Noch vor zwei bis drei Jahren konnten Verkaufsprozesse häufig innerhalb von zwei bis sechs Wochen abgeschlossen werden; heute erstrecken sie sich nicht selten über mehrere Monate. Zugleich hat sich der Umgang mit rechtlichen Risiken verändert: Wurden diese früher meist eingepreist oder im Rahmen der Kaufpreisverhandlungen berücksichtigt, können sie heute über das Zustandekommen einer Transaktion entscheiden.
In Zusammenhang mit der Aufbereitung der finanziellen Kerndaten sind Financial Fact Books auch bei Transaktionen mittlerer Größe weitverbreitet. Das oft als „Aufhübschen der Braut“ etwas abwertend bezeichnete Aufbereiten der Zahlen vermittelt jedoch eine wichtige Aufgabe – das Zahlenmaterial wird aus transaktionsspezifischer Sicht analysiert und zusammengestellt und erleichtert so einem potenziellen Käufer den Entscheidungsfindungsprozess und spart ihm im Idealfall auch Beraterkosten.
Auf rechtlicher Seite werden derzeit Vendor Due Diligence Reports oder sogenannte Legal Fact Books im Wesentlichen nur bei größeren und komplexen Transaktionen in Auftrag gegeben. Gründe für das eher spärliche Vorfinden sind in der Regel die Kosten und der Aufwand für die Verkäuferseite, gerade bei Transaktionen mittlerer Größe oder bei Verkäufen durch die Gründer oder Familiengesellschafter ist die Bereitschaft gering, weitere Kosten für die rechtlichen Berater in Kauf zu nehmen. Bevor die Vorzüge im Verkaufsprozess erläutert werden, zunächst ein kurzer Überblick, was unter einem Vendor-Due-Diligence-Bericht oder einem Legal Fact Book genau zu verstehen ist.
Begrifflichkeiten und Arten von Vendor-Due-Diligence-Berichten
Unter einem Vendor-Due-Diligence-Bericht (auch kurz „VDD Report“ genannt) versteht man eine umfassende rechtliche Untersuchung des zu verkaufenden Unternehmens. Neben einer Darstellung des Sachverhalts und Zusammenfassung und Aufarbeitung der verkäuferseitig im Datenraum zur Verfügung gestellten Unterlagen ist auch eine (volle) rechtliche Würdigung des Sachverhalts in dem Bericht enthalten, vergleichbar mit einem käuferseitigen Due-Diligence-Bericht. Ohne die Darstellung der rechtlichen Würdigung wird der Bericht in der Regel als sogenanntes Legal Fact Book bezeichnet. Das Legal Fact Book stellt vermutlich die häufigste Form der aus rechtlicher Sicht verkäuferseitig erstellter Berichte dar. Grund hierfür dürfte sein, dass zum einen ein Käufer sich in der Regel ohnehin ein eigenes Bild von der rechtlichen Würdigung durch käuferseitig eingeschaltete Berater machen wollen wird und zum anderen bei kniffeligen und nicht immer eindeutig zu entscheidenden Rechtsfragen, die eine Interpretation oder Auslegung in zwei verschiedene Richtungen zulassen, ein Verkäufer sich nicht festlegen oder keine Risikoabschätzung abgeben will. Darüber hinaus besteht noch die Möglichkeit, Sachverhalte in rechtlichen Memos zu einzelnen Themen vorzubereiten, wobei hier sowohl Memos mit rechtlicher Würdigung als auch solche Memos vorzufinden sind, welche nur die Sachverhaltsseite darstellen. Die Grenzziehung zwischen Vendor-Due-Diligence-Berichten und Legal Fact Books, obwohl aus Beraterperspektive zu empfehlen, wird nicht immer trennscharf durchgezogen, da jede Sachverhaltsdarstellung schnell auch eine rechtliche Würdigung enthält. In der Praxis ist der Übergang oft fließend und für die Bedeutung im Verkaufsprozess auch nicht entscheidend.
Welche Form von Bericht oder Unterlagen für welche Art von Transaktion?
Ein vollumfänglicher Vendor-Due-Diligence-Bericht wird sicherlich nur sinnvoll sein, wenn es sich um einen komplexen Verkaufsprozess handelt, bei dem ein strukturiertes Bieterverfahren durchgeführt wird, da nur in einem solchen Fall in der Regel die Kosten durch Schnelligkeit in der Prozessökonomie und einen möglicherweise höheren Kaufpreis zu rechtfertigen sind. Auch ein vollumfängliches Legal Fact Book dürfte im Wesentlichen nur dann förderlich sein, wenn zum einen mit mehreren möglichen Käufern verhandelt werden soll und zum anderen der zu erwartende Kaufpreis deutlich im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegt. In beiden Fällen gilt jedoch, ein gut erstellter Vendor-Due-Diligence-Bericht oder Legal Fact Book, erleichtert potenziellen Käufern die eigene Due-Diligence-Arbeit enorm und kann so zu einem schnelleren Verkaufsprozess beitragen und einen möglicherweise höheren Kaufpreis erzielen. Isolierte Legal Memos oder abgespeckte Legal Fact Books zu einzelnen Themen eignen sich daneben aber für Transaktionen jeder Größe und sind insbesondere dann empfehlenswert, wenn atypische oder aufwendigere Themenkomplexe aufzuarbeiten sind, deren Darstellung und Offenlegung im Verkaufsprozess ohnehin geboten ist. Solche Themenkomplexe können insbesondere komplizierte Ketten von Anteilsübertragungen in der Vergangenheit sein, um die Inhaberschaft hinsichtlich der verkauften Geschäftsanteile (sogenannte Chain-of-Title-Prüfung) lückenlos offenzulegen (insbesondere auch bei Buy-and-Build-Konstrukten), Darstellung wichtiger Kundenverträge oder Lieferantenbeziehungen, oder etwa die Zusammenfassung des aktuellen Stands von bedeutenden gerichtlichen Rechtstreitigkeiten.
Perspektive der Verkäuferberater
Eine erhöhte Zahl von klassischen Vendor-Due-Diligence-Berichten oder Legal Fact Books und ein Anstieg der Nachfrage hierzu aufseiten der Verkäuferberater lässt sich derzeit nicht erkennen. Klar zu erkennen ist aber der Trend, dass eine gute Vorbereitung und Aufbereitung der Unterlagen aus rechtlicher Sicht auf Verkäuferseite immer wichtiger wird und die Nachfrage nach sowie die Empfehlungen an den Mandanten verkäuferseitig im Rahmen von Verkaufsprozessen Memos zu einzelnen Themenkomplexen vorzubereiten zunimmt.
FAZIT
Länger und zäher laufende Verkaufsprozesse sowie erhöhte Abbruchsquoten erfordern auch eine intensivere und genauere Vorbereitung und Aufbereitung der rechtlichen Informationen und Sachverhalte auf Verkäuferseite. Auch wenn das nicht zwingend immer bedeutet, dass ein Vendor Due Diligence Report oder ein Legal Fact Book vorbereitet werden muss, so ist es doch ratsam, Tretminen im Verkaufsprozess auf rechtlicher Seite frühzeitig zu identifizieren und im Rahmen von Vendor DD Report, Legal Fact Books oder verkäuferseitig erstellten Memos aufzubereiten. So kann der Verkaufsprozess beschleunigt werden und verhindert werden, dass grundsätzlich beherrschbare Themen zum Dealbreaker werden.
👉 Dieser Beitrag erscheint auch in der aktuellen Magazinausgabe der Unternehmeredition 3/2026 mit dem Themenschwerpunkt „Unternehmensverkauf/M&A“.








