Abwärtstrend: Noch ist unklar, wie sich Volkswagen aus dem Abgasskandal befreien will (© fotolia/fotolia_zwoelfeins)
Abwärtstrend: Noch ist unklar, wie sich Volkswagen aus dem Abgasskandal befreien will.

Volkswagen und der Abgasskandal, Zinsentscheidung der FED: Der DAX fiel kurzfristig auf ein Jahrestief. Auch für die Zulieferer dürfte der tiefe Fall des VW-Konzerns nicht folgenlos bleiben. Für Anleger bieten sich jetzt allerdings auch wieder Einstiegsmöglichkeiten.

Es ist einer der größten Industrieskandale, die Deutschland je gesehen hat, und bringt einen Weltkonzern ins Straucheln – vielleicht sogar ins Wanken. Noch ist überhaupt nicht abzuschätzen, wie viel der Wolfsburger Konzern letztlich für die Verwendung manipulierter Abgassoftware bezahlen muss. Klar ist jedoch: Der Schaden ist immens und geht in die Zigmilliarden. Alleine in den USA droht eine Strafe von bis zu 18 Mrd. Dollar. Da Volkswagen sich jedoch kooperativ zeigt, ist es unwahrscheinlich, dass der Konzern diese Summe tatsächlich bezahlen muss. Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet mit einem Schaden von insgesamt 47 Mrd. Euro.

Der Markt nimmt schon mal vorweg, was künftig auf Volkswagen zukommen kann. Seit Bekanntwerden des Skandals fielen die Vorzugsaktien der Wolfsburger binnen kürzester Zeit von 160 auf unter 100 Euro. Dabei wurde ein Börsenwert von mehr als 30 Mrd. Euro vernichtet. Mit in den Strudel zogen die Wolfsburger dabei auch die anderen deutschen Autobauer: BMW und Daimler-Titel sanken ebenfalls. Allerdings war der Abschlag deutlich geringer. Bislang ist dies fundamental auch nicht zu begründen: Beide Konzerne sagten bislang ausdrücklich, dass sie nichts mit dem Abgasskandal um Volkswagen zu tun haben. Auch der Zulieferer Bosch, der nach Medienberichten die Software, mit der später die Abgaswerte manipuliert wurden, entwickelte, gab Entwarnung. Der Einsatz der Software sei ausschließlich für Testzwecke geplant gewesen.

Volkswagen zieht Kreise

Dennoch könnte die Zulieferbranche in Sippenhaft genommen werden: Der designierte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann warnte bereits. Gegenüber der Stuttgarter Zeitung sagte er: „Wir haben vor allem ein Beschäftigungsproblem bei den Zulieferern, die heute Dieselteile liefern.“ Um sie macht er sich genauso große Sorgen, wie insgesamt um die Beschäftigten der Branche. Auch VW-Autohausbesitzer spüren den Ärger bestehender und potenzieller Kunden: Einige beklagen sich, dass Kunden hohe Rabatte auf Dieselfahrzeuge von Volkswagen fordern.

Experten halten es für relativ unwahrscheinlich, dass die Existenz von VW gefährdet sein könnte. Die wenigsten raten jedoch dazu, die Kursverluste am Aktienmarkt als Einstiegschance zu sehen. Zu hoch sind die Risiken. Anders sieht es beim Deutschen Aktienindex DAX aus. Zwar stammt ein großer Teil des Abschlags der vergangenen Wochen von den Kursverlusten der Volkswagen-Aktie. Alleine damit sind diese allerdings nicht zu begründen. Vielmehr war der Zinsentscheid der US-amerikanischen Notenbank, der eigentlich keiner war, da die Zinsen auf dem ursprünglichen Niveau belassen wurden, dafür verantwortlich, dass der Index stark fiel. Erste institutionelle Anleger bauen wieder Bestände auf. Privatanleger, die etwas Zeit mitbringen, sollten das auch tun. Denn historisch gesehen ist der Index mit einem derzeitigen Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund zwölf im historischen Vergleich niedrig bewertet.