Ölpreis bleibt unter Druck

Viel billiges Öl: Derzeit herrscht am Markt ein Überangebot. (© Thinkstock/iStock)
Viel billiges Öl: Derzeit herrscht am Markt ein Überangebot.

Massiv ist der Ölpreis in den vergangenen Monaten gefallen. Vor allem der Schieferöl- Boom in den USA drückte den Preis für das „Schwarze Gold“. Zumindest kurzfristig sehen Experten keine deutlichen Preissteigerungen.

Öl bleibt billig – vorerst

Dr. Frank Schallenberger (© Landesbank Baden-Württemberg)
(© Landesbank Baden-Württemberg)

Bereits auf der OPEC-Sitzung im letzten November hat Saudi-Arabien die Weichen gestellt: Trotz eines weltweiten Überangebots wurde die Ölförderung nicht gedrosselt. Anschließend machte das Königreich mit einer ungewöhnlich offenen Rhetorik den Marktteilnehmern klar, dass sich daran auch so schnell nichts ändern wird. Das Ziel ist klar: Mit dem niedrigen Preis soll die neu aufgekommene Konkurrenz aus den USA aus dem Markt gedrängt werden. Dort hatte der Schieferöl-Boom die Ölförderung in den letzten drei Jahren um mehr als 50 Prozent auf zuletzt über 9 Mio. Barrel pro Tag hochschnellen lassen. Immerhin: Die Anzahl der in Betrieb befindlichen US-Förderanlagen ging seit Oktober 2014 bereits um mehr als 10 Prozent zurück. Das dürfte den Saudis aber noch nicht genügen. An der Politik des billigen Öls dürften sie zumindest bis zum nächsten Treffen des Ölkartells im Juni dieses Jahres festhalten.

Dr. Frank Schallenberger, Head of FX/Commodity Research, Landesbank Baden-Württemberg


Kein schneller Aufschwung

© Robert Greil/Merck Fink & Co
(© Merck Fink & Co)

Der Ölmarkt scheint auf der Suche nach seinem neuen Gleichgewicht die Talsohle anzusteuern bzw. möglicherweise schon durchschritten zu haben. Die Angebotsseite hat sich durch das US-Schieferöl sowie durch die Absicht der OPEC, langfristig die Investitionen in die Öl-Infrastruktur zu reduzieren, grundlegend verändert. Billiges Öl hat auch die Preise anderer Rohstoffe nach unten gerissen. Die dadurch bedingten Einsparungen – etwa an der Tankstelle – dürften nach und nach den Konsum anheizen, zumal das verfügbare Realeinkommen steigt und die Verbraucherstimmung in vielen Regionen gut wie lange nicht mehr ist. Ein signifikanter Anstieg der weltweiten Ölnachfrage ist aber vorerst wenig wahrscheinlich. Unterm Strich dürfte der Großteil der Korrektur hinter uns liegen. Wir rechnen jedoch auch mit Blick auf frühere Erholungen mit keinem schnellen Aufschwung der Ölpreise.

 

Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck & Co


Erheblicher Produktionsüberschuss

Eugen Weinberg (© Commerzbank AG)
(© Commerzbank AG)

Der massive Preisverfall bei Rohöl seit dem Sommer 2014 wurde vor allem durch einen kompletten Strategiewechsel der OPEC herbeigeführt, die ihren Fokus von der Preisstabilität in Richtung Sicherung der Marktanteile schwenkte. Mittelfristig dürfte diese Strategie Früchte tragen und die nordamerikanische Produktion in Bedrängnis bringen. Innerhalb weniger Monate sank die Anzahl der Ölbohrungen in den USA um knapp ein Viertel auf ein Dreijahrestief. Diese Tendenz dürfte sich fortsetzen, wobei die US-Produktion in der zweiten Jahreshälfte sinken sollte. Da die Nachfrage auch dank der niedrigeren Ölpreise gleichzeitig stärker zulegen sollte, rechnen wir mit einem nachhaltigen Preisanstieg auf über 70 US-Dollar je Barrel zum Jahresende. Kurzfristig könnte der Brentölpreis jedoch erneut unter 50 US-Dollar je Barrel sinken. Es besteht derzeit ein erheblicher Produktionsüberschuss. Zum anderen gibt es noch zu viele Optimisten am Ölmarkt.

Eugen Weinberg, Head of Commodity Research, Commerzbank AG


Öl ist eine sichere Bank

Max Otte (© Privat)
(© Privat)

Im letzten Jahr ist der Ölpreis um über 50 Prozent abgestürzt und steht nun da, wo er zum letzten Mal 2005 stand. Natürlich kann er kurzfristig noch weiter fallen, aber langfristig ist Öl eine sichere Bank. Deswegen haben wir auch jetzt schon Ölaktien in unseren Fonds. Die Förderkosten für neue Vorkommen wie Ölsand und Fracking liegen bereits bei 70 US-Dollar pro Barrel oder darüber. Diese Förderer müssen die Produktion einstellen, wenn der Ölpreis unter 70 US-Dollar verharrt. Dann wird das Angebot knapper und der Preis steigt. Langfristig ist Öl sehr volatil gewesen – bereits während des ersten Ölbooms in Pennsylvania in den 1860er Jahren und während der Revolution im Iran in den späten 1970er Jahren stand das Barrel über 100 US-Dollar. Diesmal wird es nicht lange dauern, bis der Ölpreis wieder über 70 US-Dollarsteht.

 

Prof. Dr. Max Otte, Finanzexperte

Autorenprofil

Tobias Schorr war von März 2013 bis Januar 2018 Chefredakteur der "Unternehmeredition". Davor war er für die Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien im Ressort Geld als Redakteur tätig. Von 2003 bis 2007 arbeitete er zunächst als Redakteur, dann als Ressortleiter beim Mittelstandsmagazin "Markt und Mittelstand". Sein Handwerk lernte er an der Axel Springer Journalistenschule.

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