Alphaville: „Unsere Investoren wollen etwas zurückgeben und ‚näher dran‘ sein“

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Alphaville Capital investiert gemeinsam mit Privatpersonen und Family Offices, die ihr Vermögen mit unternehmerischer Tätigkeit verdient haben, in mittelständische Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Anders als bei klassischen Fondsinvestments werden potenzielle Investoren dealspezifisch angesprochen und können sich für einzelne Investitionen entscheiden. INTERVIEW MATHIAS RENZ

Unternehmeredition: Alphaville Capital aus München hat sich zum Ziel gesetzt, Unternehmer mit Herzblut, Family Offices mit Erfahrung und exzellente Fachleute zusammenzubringen, um gemeinsam Erfolgsgeschichten zu schreiben. Wie gehen Sie vor?
Dr. Karsten Zippel: Wir bieten Family Offices und Privatinvestoren gemanagte Co-Investments in spannende mittelständische Unternehmen an. Dabei entwickeln wir gemeinsam mit den Zielunternehmern maßgeschneiderte Lösungen, die es beispielsweise erlauben, die Nachfolge aktiv mitzugestalten und das Unternehmen dabei mit zusätzlichem Geld, konkreter operativer Unterstützung sowie dem erstklassigen Netzwerk unserer Co-Investoren und Partner in eine neue Gewichtsklasse zu heben. Typische Ansatzpunkte zur Wertsteigerung sind etwa gezielte Zukäufe, systematische Datenanalytik und die Integration klassischer und neuer Kanäle im Zuge der Digitalisierung. Um daraus dann eine echte Erfolgsgeschichte zu machen, arbeiten wir nach Einstieg sehr eng, pragmatisch und flexibel mit dem Management zusammen, ohne es kompliziert zu machen. Unser Anspruch ist es, so nahe am Geschäft dran zu sein, dass wir für die Unternehmer echten Mehrwert bieten können.

Unternehmeredition: Über welche Kanäle finden Sie mit Ihren Zielunternehmen zusammen?
Dr. Tobias Sitte: Zum einen suchen wir selbst gezielt nach spannenden Branchen und Firmen. Wir sprechen die Unternehmer mit unseren Ideen dann unmittelbar an. Zum anderen kommen Beteiligungsmöglichkeiten sehr häufig über Empfehlungen zustande. Unsere Co-Investoren, Unternehmer aus bestehenden Beteiligungen oder auch Partner wie Anwälte, Steuerberater, Vermögensverwalter oder M&A-Berater sind von unserem Ansatz und den daraus erwachsenden Möglichkeiten überzeugt und stellen die Kontakte direkt her.

Unternehmeredition: Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Zielunternehmen aus?
Dr. Karsten Zippel: Wichtig ist uns eine Kombination aus hohem Wachstumspotenzial, etwa durch eine gute Positionierung des Unternehmens in einem Markt mit natürlichem Rückenwind, ganz konkret greifbaren Hebeln zur Wertsteigerung, einem guten „Fit“ zwischen dem Unternehmer beziehungsweise Management und uns als Team sowie einem beherrschbaren Risiko. Da wir auf „Deal-by-Deal-Basis“ investieren und uns als Teil des Vermögensmanagements unserer Co-Investoren verstehen, achten wir sehr genau auf „Downside-Protection“. Dabei hilft, dass wir keinerlei Anlagedruck haben und stets eigenes Geld in unsere Beteiligungen stecken. Last but not least sind uns nachhaltige, unter gesellschaftlichen Aspekten „gute“ Investments wichtig. Die Gelder sollen nicht allein Rendite bringen, sondern zusätzlich wünschenswerte Entwicklungen fördern.

Unternehmeredition: Wie lange benötigen Sie, um ein investitionsfähiges Konsortium für eine Transaktion zu aktivieren?
Dr. Tobias Sitte: Wir verfügen über ein breites Netzwerk an Investoren und können diese je nach Thema und Kapitalbedarf gezielt ansprechen. Typischerweise beginnen wir nach einem ersten „Vorfühlen“ mit besonders engen Partnern bereits während der Due Diligence-Phase mit der konkreten Ansprache, sobald wir mit den verkaufsbereiten Unternehmern eine belastbare Einigung zu Kaufpreis und strategischem Wertsteigerungsansatz hergestellt haben. Eine Exklusivitätsvereinbarung sichert dabei, dass wir unseren Co-Investoren die Investitionsgelegenheit zu stabilen Konditionen tatsächlich anbieten können. Je nach Größe dauert es von der Erstansprache bis zum Closing dann circa ein bis drei Monate.

Unternehmeredition: Wer sind die Co-Investoren in Ihren Transaktionen und welchen Investitionshorizont müssen sie mitbringen?
Dr. Karsten Zippel: Unsere Investoren sind Privatpersonen oder Family Offices aus dem deutschsprachigen Raum, welche die anzulegenden Mittel meist selbst unternehmerisch verdient haben. Sie wollen die Gelder nun nicht nur „anonym“ in Private Equity-Fonds oder klassische Anlagen investieren, sondern einen Teil auch in das Wachstum ganz konkreter Unternehmen stecken, um etwas zurückzugeben und „näher dran“ zu sein. Aber auch private Stiftungen zählen zum Investorenkreis. Um solche unternehmerisch geprägte und entsprechend kompetente Investoren zu gewinnen, müssen Thema, Team und Strukturierung überzeugen. Vom Zeithorizont sind sowohl mittelfristig exitorientierte Konzepte als auch langfristig auf Dividenden abzielende Modelle denkbar.

Unternehmeredition: Wie gelingt es Ihnen, den Prozess der Due Diligence mit der Zusammenstellung eines Investorenkonsortiums zu kombinieren?
Dr. Tobias Sitte: Ohne Zweifel ist es herausfordernd, dass wir die Vorgänge des Geldeinwerbens und -investierens zeitlich nicht trennen. Entscheidend ist, die Verkäufer davon zu überzeugen, dass wir unsere Investoren in einem überschaubaren Zeitraum zuverlässig an Bord nehmen können. Dafür spricht, dass wir dies bisher immer und auch für größere Tickets im deutlich zweistelligen Millionenbereich geschafft haben. Da wir selbst entscheiden, die Kosten bis zum Closing privat vorstrecken und auch ein erhebliches Reputationsrisiko in Richtung Investoren eingehen, sind wir im Zweifel ein deutlich zuverlässigerer Partner als manche Fonds oder Strategen. Diese haben zwar das Geld von vornherein verfügbar, springen im weiteren Prozess jedoch aufgrund aufwendiger interner Genehmigungsprozesse und widerstreitender Interessenlagen sowie einkalkulierter „Broken Deal-Kosten“ viel leichter wieder ab. Wir hingegen sprechen Investoren dealspezifisch an, ein Ausstieg oder Nachverhandlungen sind da nicht vorgesehen. Wettbewerbsprozesse, in denen uns bis zum Schluss keine Exklusivität und Transaktionssicherheit gewährt werden, kommen daher für uns nicht infrage.

Unternehmeredition: Sehen Sie sich als Konkurrenz oder als Ergänzung zum klassischen Private Equity-Fonds, wenn es um die Akquise von Investorengeldern geht?
Dr. Karsten Zippel: Blickt man zum Beispiel auf die Assetallokation erfolgreicher US-Vermögen, spielt hier Private Equity schon seit mehr als einem Jahrzehnt eine zentrale Rolle. Diese Entwicklung vollzieht sich mit einigem Verzug auch zunehmend bei zentraleuropäischen Vermögen. Dabei sehen wir unseren aktiven Investmentansatz als wichtigen Baustein neben den ebenfalls sinnvollen klassischen portfolioorientierten und damit zwangsläufig passiveren Fonds: Denn wir unterscheiden uns von diesen hinsichtlich der Kriterien Rendite, Risiko und Anlagezeitraum. So kommen klassische Fonds auch später typischerweise als Käufer der von uns begleiteten Unternehmen beziehungsweise Branchenkonsolidierungsprojekte infrage. Während man bei einem Fond nicht gefragt wird, welche Beteiligungen dieser eingeht, können sich unsere Investoren ganz konkret für die von uns vorgestellten Investments entscheiden. Unsere Geldgeber erhalten dann auch während der Haltezeit ausführliche Informationen, die ihnen und uns die Möglichkeit eröffnen, eigene Ideen und Netzwerke (gegebenenfalls auch über eine Beiratsfunktion) einzubringen.

Unternehmeredition: Welche Renditemöglichkeiten sehen Sie für Ihre Co-Investoren?
Dr. Tobias Sitte: Als Baustein der Assetklasse Private Equity orientieren wir uns grundsätzlich an den dort üblichen Renditevorstellungen. Aufgrund unserer Deal-by-Deal-Struktur hängen die jeweiligen Rückflüsse dann vom konkreten Setup der Beteiligungsprojekte ab, denn diese unterscheiden sich hinsichtlich Laufzeit, Strategie (zum Beispiel Buy and Build oder „tech-enabled growth“) und Ausrichtung (etwa Exit- versus Dividendenorientierung). Unabhängig hiervon ist es immer unser Anspruch, mit unserem direkten, aktiven Ansatz ein „Alpha“ (Überrendite) zu erwirtschaften, ohne ein unverhältnismäßiges Risiko einzugehen. Dass uns dies bisher gut – und manchmal sogar außergewöhnlich gut – gelingt, zeigt sich zum Beispiel an unserem aktuell größten Investment, das sich seit Einstieg im Umsatz mit einem Faktor von circa 2,5x und im Ergebnis sogar mit etwa 3,5x entwickelt hat. Es ist damit in den letzten 2,5 Jahren in eine neue Größen- und Bewertungsklasse aufgestiegen, und wir erwarten, dass diese positive Entwicklung anhält.


ZU DEN PERSONEN

Dr. Karsten Zippel und Dr. Tobias Sitte sind Gründungspartner der Alphaville Capital GmbH & Co. KG, eines unabhängigen Multi Family Investment Office, das sich an etablierten mittelständischen Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial in der DACH-Region beteiligt. Der Investorenkreis besteht aus Unternehmerfamilien sowie renommierten Privatinvestoren und Stiftungen.

Einen persönlichen Einblick in die Philosophie von Alphaville Capital erhalten Sie am Mittwoch, 16. Dezember, bei unserer digitalen Themenwoche.