Nutzen eines Beirats bei der Unternehmernachfolge

Wie weit lässt der Senior den Junior nach oben? Die Stufen der Nachfolge sind oftmals nicht leicht zu meistern.
Wie weit lässt der Senior den Junior nach oben? Die Stufen der Nachfolge sind oftmals nicht leicht zu meistern.

Nutzen eines Beirats bei der Unternehmernachfolge

Unternehmen stehen immer wieder vor der Frage, wie die Unternehmensnachfolge geregelt werden soll. Dies ist insbesondere in einer Phase des ökonomischen Umbruchs eine besondere Herausforderung. Ein qualifiziert besetzter Beirat kann hier von besonderem Nutzen sein. VON DR. KLAUS WEIGEL

Aktuelle Studien der Stiftung Familienunternehmen sowie der Beratungsgesellschaft PwC zeigen, dass sich immer mehr Personen aus der „Next Generation“ vorstellen können, im eigenen Familienunternehmen Führungsfunktionen zu übernehmen. Zum einen ist das Prinzip der „Primogenitur“ („Der älteste Sohn übernimmt das Unternehmen“) ein Auslaufmodell; zum anderen gehen Unternehmernachkommen mit dem Thema Nachfolge heute anders um als ihre Elterngeneration. Das Modell des Alleinherrschers oder Patriarchen wird zunehmend durch Teamplayer ersetzt, die das Unternehmen zusammen mit weiteren Familienmitgliedern oder auch externen Führungskräften weiterentwickeln möchten. Allerdings bedeutet Führungsfunktion nicht unbedingt Geschäftsführung: So ist seit Jahren zu beobachten, dass mehr und mehr Unternehmernachkommen direkt in die Kontroll- und Aufsichtsgremien gehen, ohne vorher in der operativen Führung ihres Familienunternehmens aktiv gewesen zu sein. Trotzdem bestehen in vielen Unternehmen immer noch keine konkreten Vorkehrungen hinsichtlich einer strukturierten Nachfolgeregelung, weder für die geplante noch die risikobehaftete, das heißt ungeplante Nachfolge. Dabei ragt die Nachfolgethematik in die vielfältigen und interdependenten Teilbereiche von Familienunternehmen hinein. Zusätzlich können persönliche Auseinandersetzungen die Nachfolge erschweren. Die Komplexität der zu beachtenden Interessen wächst von Generation zu Generation. So beruht eine Nachfolgeregelung in späteren Generationen vielfach eher auf einem Kompromiss und nicht immer auf der bestmöglichen Alternative.

Mögliche Rollen eines Beirats

Hier kann einem Beirat eine ganz wesentliche Aufgabe zukommen. Seine Rolle kann hierbei von der Aufstellung eines Nachfolgeplans und der Formulierung von Auswahlkriterien für einen potenziellen Nachfolger über dessen Auswahl (entweder ein Familienmitglied oder eine externe Führungskraft) bis hin zu einer Notfallgeschäftsführung reichen, bei welcher der Beirat selbst für eine begrenzte Zeit die Geschäftsführung übernimmt. In letzterem Fall ist bei einem plötzlichen Ausfall des Unternehmers für die Fortführung der Geschäfte Sorge getragen und somit ein hohes Maß an Kontinuität gewährleistet. Allerdings setzt sie eine bereits langfristige Zusammenarbeit mit einem Beirat voraus, sodass dessen Mitglieder schon mit den wesentlichen Unternehmensaspekten vertraut sind. Außerdem müssen die erforderlichen Qualifikationen im Beirat vorhanden sein. Erfahrungsgemäß vergehen ein bis eineinhalb Jahre, bis ein Beirat installiert und voll funktionsfähig ist. Daher sollte mit der Vorbereitung so begonnen werden, dass erkennbaren Herausforderungen mittels eines eingearbeiteten Beirats begegnet werden kann.
Auch nach der Übergabe an den Nachfolger kommen dem Beirat im Rahmen der reibungslosen Fortführung der Geschäfte wichtige Aufgaben zu. So ist der ausscheidende Unternehmer häufig noch emotional, zum Teil allerdings auch noch konkret operativ in Unternehmensentscheidungen eingebunden. Gleichzeitig will sich aber auch der Nachfolger mit seinen Vorstellungen im Unternehmen positionieren. Der Beirat kann in dieser Phase die Zusammenarbeit zwischen beiden Parteien konstruktiv und gegebenenfalls vermittelnd begleiten. Auch ein Wechsel in den Beirat kann dem Übergeber die Übergangszeit erleichtern. Allerdings erwächst hieraus die latente Gefahr der Einmischung in Unternehmensentscheidungen, die eigentlich dem Nachfolger vorbehalten sind. Insofern empfiehlt es sich, dass der Beiratsvorsitz insbesondere bei einer internen Nachfolge durch eine familienexterne Person wahrgenommen wird.

Sinnvolle Besetzung eines Beirats

Dem Beirat kommt also im Rahmen der Unternehmernachfolge sowohl eine strukturierende als auch eine vermittelnde Aufgabe zu. Seine Neutralität beziehungsweise Objektivität machen ihn zu einem natürlichen Ansprechpartner für die beteiligten Personen. Dafür sollte er in seiner Struktur homogen und vor allem mit Vertretern mit unterschiedlichem Know-how-Hintergrund besetzt sein. Hierbei ist insbesondere an Personen zu denken, die eigene unternehmerische Erfahrungen einbringen können. Beiratsmitglieder müssen darüber hinaus über die erforderliche persönliche und soziale Kompetenz verfügen sowie in der Lage sein, dem Unternehmen auch zeitlich im erforderlichen Maß zur Verfügung zu stehen. Es versteht sich von selbst, dass Beiräte unabhängig und neutral sein müssen. Insofern scheiden als Beiratsmitglieder alle Personen grundsätzlich aus, die aufgrund von Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmen verbunden sind.
Den „idealen Beirat“ gibt es nicht; die optimale Besetzung hängt vornehmlich von den jeweiligen Bedürfnissen des Unternehmens und der Familie ab. Gleichwohl lässt sich ein Anforderungskatalog von Eigenschaften aufstellen, die in einem Beirat vertreten sein sollten. Unternehmerische Fähigkeiten und Erfahrungen, Verantwortungsbewusstsein, strategische Kompetenz und betriebswirtschaftliche Kenntnisse werden als besonders wichtig empfunden. Auch analytisches Denken, Vertrauen sowie Kritik- und Konfliktfähigkeit sind für eine Beiratstätigkeit „auf Augenhöhe“ erforderlich. Besondere Bedeutung kommt der Unabhängigkeit des Beirats vor allem von der Familie zu.

Gewinnung von Beiratsmitgliedern

Für die Gewinnung von Beiratsmitgliedern greifen Unternehmer noch immer überwiegend auf das eigene Netzwerk zurück. Dabei sind dann häufig Interessenkonflikte und persönliche Verknüpfungen fast nicht zu vermeiden. Zunehmend werden jedoch externe Persönlichkeiten mit der entsprechenden Kompetenz durch die Einschaltung professioneller Dienstleister gewonnen. Allerdings gibt es gute Beiräte nicht zum Nulltarif. Die Vergütung sollte dem erforderlichen zeitlichen Aufwand angemessen sein. Gute Beiräte wollen ernst genommen werden, sie wollen sich mit ihren Ideen einbringen und mitgestalten. Dann ist die Höhe der Beiratsvergütung letztlich auch ein Zeichen der Wertschätzung ihrer Arbeit.
Ein qualifiziert besetzter Beirat ist auch für Familienunternehmen keine lästige Pflicht, sondern ein strategisches Instrument zur Sicherung der Unternehmenszukunft, gerade auch im Rahmen eines Generationswechsels. Richtig eingesetzt hilft er, das unternehmerische Vermögen zu erhalten und zu mehren. Zahlreiche Familienunternehmen wissen die Vorteile eines hochwertig besetzten Beirats inzwischen zu schätzen – die Kosten-Nutzen-Relation ist nämlich nicht zu toppen!

Der Beitrag ist in der Ausgabe 1/2020 – Unternehmensnachfolge erschienen.


ZUM AUTOR

Dr. Klaus Weigel, Board Xperts

Dr. Klaus Weigel ist seit 2007 geschäftsführender Gesellschafter der Board Xperts GmbH, Frankfurt am Main. Er war 25 Jahre für Banken im Corporate Finance- und Private Equity-Geschäft in leitender Funktion sowie als Mitglied in Beiräten und Aufsichtsräten tätig. Die Board Xperts GmbH ist spezialisiert auf die Vermittlung qualifizierter Aufsichtsräte und Beiräte. Dr. Weigel ist zugleich Mitgründer und Vorstandsmitglied der Vereinigung Aufsichtsräte Mittelstand in Deutschland e.V. (ArMiD). klaus.weigel@board-experts.de

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