„In einer Notsituation reduziert man den Organismus auf das Lebensnotwendige“

Unternehmeredition: Was waren die entscheidenden Maßnahmen, um das Unternehmen wieder nach vorne zu bringen? Was waren die schwierigsten Hürden?

Trepels:
Es ist schwierig, sich aus einer Krise zu befreien, die man selbst nicht verursacht hat. Da kann man nur eines tun, sich in den Schützengraben begeben und wetterfest machen. In einer Notsituation reduziert man den Organismus auf das Lebensnotwendige. Wir haben im August 2008 sehr schnell reagiert und innerhalb von drei Monaten die Mitarbeiteranzahl besonders in Europa um die Hälfte reduziert. Wir haben dazu sehr eng mit den Gewerkschaften und den Betriebsräten zusammengearbeitet. Sie wussten um den Ernst der Lage und wir haben gut kooperiert. Weitere wichtige Maßnahmen betrafen einen Investitionsstopp, deutliche Kostenreduzierungen und ein aktives Lieferantenmanagement. Das Geschäft lief ja noch weiter, wenngleich auf sehr niedrigem Niveau. Mit unseren Lieferanten, die keine Kreditversicherungen mehr für uns bekamen, mussten wir gut verhandeln. Schließlich haben sie uns weiter beliefert und uns auch erweiterte Zahlungsziele eingeräumt. Bei unseren Kunden haben wir genau das Gegenteil gemacht. Überfällige Forderungen haben wir nicht mehr akzeptiert und finanziell gutgestellte Kunden haben wir um Sofortkasse gebeten. Das hat uns Luft zum Atmen verschafft, und so sind wir bis 2010 vorsichtig durch die bedrohliche Situation hindurchgefahren. Unsere Mitarbeiter haben in Europa 30% kurzgearbeitet. Mit diesem Instrument ist Deutschland sicher besser als viele andere Länder durch die schwierige Phase gekommen. Obwohl unser Umsatz in der Krise von 800 Mio. auf 400 Mio. EUR eingebrochen war, konnten wir immer noch ein positives EBIT von 1,5 Mio. EUR einfahren – natürlich ohne Restrukturierungskosten. 2010 erreichte der Umsatz wieder 630 Mio. EUR.

Unternehmeredition: Die SAF-Holland S.A. ist seit Juli 2007 im Prime Standard der Deutschen Börse gelistet und seit Dezember 2010 im SDAX. Wie gestaltete sich der Gang an den Kapitalmarkt und die Zusammenarbeit mit Private-Equity-Gesellschaften?

Trepels:
Sowohl die DBAG als auch dann später das Private-Equity-Unternehmen Pamplona hielten jeweils mit 60% die Mehrheit der Anteile, 40% waren im Eigentum von Herrn Sauer und des Managements. Trotzdem war es immer eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Im Juli 2007 gelang uns „mit quietschenden Reifen“ der Börsengang, als eines der letzten Unternehmen vor Ausbruch der damaligen Finanzkrise. Ziele waren frisches Geld und der weitestgehende Ausstieg von Private Equity. Doch die geplante Menge an Aktien war aufgrund der sich abzeichnenden Finanzkrise nicht am Markt unterzubringen. Daher hielt das Private-Equity-Unternehmen nach dem Börsengang noch 34,5%, die es erst im Mai 2010 an institutionelle Investoren veräußern konnte. Mit dem deutlich höheren Free Float kam die Aktie wieder in Schwung, und im Dezember 2010 stieg SAF-Holland in den SDAX auf. Nachdem uns im März 2011 eine Kapitalerhöhung mit einem Volumen von 140 Mio. EUR gelang, konnten wir unsere Bilanzstruktur und Finanzierungskonditionen deutlich verbessern und verfügen nun über eine Eigenkapitalquote von über 35%. Wir werden sie voraussichtlich auf 40% weiter ausbauen. Unser seit 2008 bestehender Konsortialkredit läuft bis September 2014. Wir prüfen derzeit verschiedene Möglichkeiten, die Finanzierung weiter zu optimieren


Unternehmeredition: Wie schätzen Sie die weiteren Zukunftsaussichten Ihres Unternehmens ein?

Trepels:
Die Transportmärkte stehen in engem Zusammenhang mit den Bedürfnissen der Weltbevölkerung, die bis 2025 auf vermutlich rund 8 Mrd. wachsen wird. Daraus ergibt sich für unsere Industrie ein enormes Zukunftspotenzial – man muss Gas geben und schnell und konsequent handeln. Derzeit profitieren wir noch von einem hohen Nachholbedarf an Investitionen in Trucks und Trailer in Europa und Nordamerika als Folge der Krise. Darüber hinaus sind wir in Wachstumsmärkten wie Brasilien, China und Russland aktiv und werden die internationale Expansion weiter voranbringen.

Unternehmeredition: Was ist Ihr wichtigster Rat an Unternehmer im Umgang mit Krisensituationen?

Trepels:
Wer in eine Notsituation gerät, handelt oft instinktiv richtig. So war es bei uns. Wichtig war, die Krise frühzeitig als solche wahrzunehmen – ehrlich zu sein statt wegzuschauen und zu denken, dass es schon wieder wird. Man muss schnell und konsequent handeln. Die kurzfristige Umsetzung von auch unpopulären Maßnahmen ist das Einzige, was am Ende des Tages hilft.

Unternehmeredition: Herr Trepels, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de


Zur Person: Wilfried Trepels
Wilfried Trepels ist Chief Financial Officer (CFO) der SAF-Holland Gruppe (www.safholland.com). Der Zulieferer der Truck- und Trailerindustrie konnte seinen Umsatz 2011 um 31,7% auf 831,3 Mio. EUR steigern. SAF-Holland hat sich auf Systeme für Auflieger und Anhänger von Nutzfahrzeugen (Truck und Trailer) sowie für Busse und Wohnmobile spezialisiert. Dazu zählen Achs- und Federungssysteme, Sattelkupplungen, Stützwinden und Königszapfen.