Wenn die Kinder nicht folgen

Familieninterne Nachfolge – das ist der Wunsch vieler Familienunternehmer. Doch fehlendes Interesse oder Eignung der geplanten Nachfolger machen diesen Wunsch zunehmend zunichte. Eigenes Versagen oder ist der Abschied vom Lebenswerk eine Chance?

Bereits im Kindesalter musste man lernen, sich dem elterlichen Betrieb unterzuordnen. Die Gespräche am sonntäglichen Frühstückstisch drehten sich fast ausschließlich um firmeninterne Belange. Die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern zu bekommen, war fast unmöglich. Die wenigen Male, an denen man zum Fußballspiel begleitet wurde, höchst selten. Mit zunehmendem Alter wurde einem bewusst, dass auch den Eltern, aufgrund der Unternehmensführung, nur wenig Zeit für ihre eigenen Bedürfnisse verblieb. Wirtschaftlicher Erfolg, Verantwortung für die Mitarbeiter und das stetige Bemühen, den Betrieb zukunftsfähig auszurichten, standen zwangsläufig immer im Vordergrund. Für manch einen Nachkommen ist dies eine untragbare Last und Einschränkung – die Ablehnung der Nachfolge damit die logische Konsequenz.


Entscheidung der Kinder akzeptieren

Ein weiteres relevantes Kriterium ist die Eignung. Das „Unternehmer-Gen“, so sehr man es selbst im Blut haben mag, ist nicht zwangsläufig in direkter Linie vererbbar. Verständnis und Begeisterung für maschinelle Prozesse und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge sind nicht jedem in die Wiege gelegt und auch mit Fleiß allein nicht auszugleichen. Künstlerisches oder sportliches Talent ist nur bedingt kompatibel mit der Ausrichtung des Familienbetriebs. Die Übernahme des Familienunternehmens „einzufordern“ hieße sich, aber vor allem seinen Kindern einen Bärendienst zu erweisen.

Als „Plan B“ nun die Weitergabe der Unternehmensführung an das Management (ad interim) in Betracht zu ziehen liegt nahe, doch in vielen Fällen ist das lediglich ein Aufschub und keine für alle Beteiligten effiziente Lösung. Die Aussicht auf eine Unternehmensnachfolge der Kinder zu einem späteren Zeitpunkt ist mehr als gering. Ratsam ist es, die Entscheidung der Kinder rechtzeitig zu akzeptieren und den nun anstehenden Unternehmensverkauf frühzeitig einzuleiten.