Die Nachfolge ist ein kritischer Punkt und wird in Deutschland oft als Tabuthema behandelt. Damit das Lebenswerk nicht gefährdet wird, müssen wichtige Herausforderungen frühzeitig erkannt und die Weichen richtig gestellt werden. Ein MBO kann eine Möglichkeit sein.

Dennoch sollten Unternehmer einen qualifizierten Unbeteiligten hinzuziehen, der eine Liste der relevanten Nachfolgerkriterien aufstellt und die Kandidaten danach neutral beurteilt, einerlei ob es sich um Familienmitglieder oder Fremde handelt.


Die letzte Entscheidung hat dann natürlich immer noch der abgebende Inhaber. Und da kaum ein Kandidat alle Anforderungen gleichermaßen erfüllt, kann man außerdem gemeinsam festlegen, welche Qualifizierungsmaßnahmen ergriffen werden sollten, um den Übergang möglichst reibungslos zu gestalten.

Was benötigt ein MBO?

Im Falle eines Management-Buy-Out (MBO) ist eine detaillierte Strukturierung der Transaktion erforderlich. Hierbei ist es erforderlich, die gesamten Verträge und Unterlagen des Unternehmens offenzulegen. Da dies einen sehr weitgehenden Einblick in die Lage des Unternehmens gewährt, ist es nicht unüblich, bereits einen Vorvertrag zu schließen. In diesem kann geregelt werden, wie der spätere Kaufvertrag und die Bedingungen für einen Übergang der Gesellschafteranteile erfolgen sollen. Er steht dann noch unter dem Vorbehalt, dass die Due Diligence keine bislang unbekannten Risiken aufdeckt.

In einem abschließenden Bericht wird das Ergebnis der Prüfung festgehalten und als Grundlage für die Ausgestaltung des Vertrages genommen. Diese Phase endet nach der Prüfung und Verhandlung mit dem Abschluss des Beteiligungsvertrages oder einer Aktionärsvereinbarung.

Die Frage der Kaufpreisermittlung und die Strukturierung des Deals hat gerade bei Nachfolgeregelungen besondere Bedeutung, da hierbei die Übergangsphase vom alten auf den neuen Inhaber richtig gestaltet werden muss. Eine häufig zu beobachtende Finanzierungszurückhaltung der Hausbanken wirkt erschwerend, und es ist in vielen Fällen sinnvoll, in der Strukturierung auf „Earn-out-Modelle“ zu setzen. Neben einer je nach Kapitalkraft des Erwerbers meist eher niedrigen Anzahlung kann der eigentliche Kaufpreis in Raten auf Basis eines vorab festgelegten Umsatzanteils aus der weiteren Geschäftsentwicklung über eine definierte Zeitspanne abgegolten werden.

Der Umsatzbezug ist dabei sinnvoller als eine Ergebnisabhängigkeit, da so die Diskussion über Investitionen und Mittelverwendung ausgeklammert werden kann. Um auch den bisherigen Inhaber zu motivieren, die Übernahme und Überleitung aktiv und konstruktiv zu unterstützen, kann man die Höhe der Umsatzbeteiligung zusätzlich von einem im Übergangszeitraum realisierten Wachstum abhängig machen. Zur optimalen Ausgestaltung ist auf jeden Fall die Kenntnis der Finanzierungsalternativen im Mittelstand eine notwendige Voraussetzung.

Fazit

Der MBO stellt eine valide Alternative in der Unternehmensnachfolge dar. Dabei sollte ein solcher Prozess nicht dem Zufall überlassen werden. Er kann gezielt durch die aktive Auswahl bereits bestehender Mitarbeiter oder das sachgerechte „Anwerben“ externer Personen frühzeitig in Angriff genommen werden. Im Sinne eines Plan B ergeben sich damit zusätzliche Perspektiven für das Unternehmen. Ganz nebenbei gewinnen Sie mit einer solchen Vorgehensweise gute externe und motivierte interne Mitarbeiter.


Zur Person

Thomas SchneiderDr. Thomas Schneider ist Partner bei EIM – Executive Interim Management GmbH. Er verfügt über eine langjährige operative und strategische Managementerfahrung in Marketing & Vertrieb, in der Restrukturierung, der Organisationsentwicklung und im internationalen Geschäftsaufbau für mittelständische Unternehmen.

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