Klein und gefragt – Teil 2

Der Markt für Firmenübernahmen im deutschen Mittelstand floriert. Strategische Käufer und Finanzinvestoren stehen Schlange und treiben mit ihren Angeboten die Preise in die Höhe. Weckten bisher größere Mittelständler ihr Interesse, stehen nun immer öfter auch kleine Unternehmen auf der Einkaufsliste. Firmenchefs, die verkaufen möchten, sollten nicht zu lange warten.

„Mittelständler, denen bewusst ist, dass sie als kleiner Wettbewerber keine Chance gegen große Player in ihrer Branche haben, können von dem derzeit positiven Verkäufermarkt profitieren“, sagt Experte Schmidl. Gerade die Industrie 4.0 treibe Unternehmer dazu, ihre Firmen lieber an einen schlagkräftigen großen Konkurrenten abzugeben, als sie langfristig schließen zu müssen. „Und in Zukunft werden voraussichtlich immer mehr Mittelständler dem Tempo und dem technologischen Transformationsdruck, den die Industrie 4.0 hervorruft, nicht mehr standhalten können“, vermutet Schmidl.

So erging es auch der Sahlberg GmbH & Co. KG. Das Unternehmen mit Sitz in Feldkirchen bei München ist ein technischer Händler und Spezialist für Arbeitsschutz, Gummi und Kunststofferzeugnisse. In Bayern ist Sahlberg führend, doch der technische Handel befindet sich im Umbruch. Wettbewerber aus anderen europäischen Ländern drängen nach Deutschland, versuchen sich mit Firmenkäufen hier ihre Position zu sichern. „Das führt dazu, dass sich immer größere Handelsstrukturen bilden“, sagt Bernd Quade, der bei Sahlberg 2014 als externer Geschäftsführer die Firmenleitung von der Unternehmerfamilie übernommen hat.

Daher suchte Quade nach einem passenden großen Käufer, der Sahlberg fortführen könnte. Schließlich entdeckte er die österreichische Haberkorn Gruppe, die ihre Hauptsitze in Wolfurt im Bundesland Vorarlberg und in Wien hat. Das Unternehmen führt die Branche des technischen Handels in Österreich an. Der Deal kam zustande. Für Sahlberg hat der Verkauf den Vorteil, dass das Unternehmen im Verbund mit Haberkorn eine Größe erreicht, die eine Digitalisierung der Verkaufsstrukturen ermöglicht. Darum käme ein technischer Händler im Zuge der Industrie 4.0 auf die Dauer nicht herum. „Die notwendigen Investitionen können kleinere Unternehmen allein einfach nicht stemmen“, sagt Quade.

Quelle: Bureau van Dijk
Quelle: Bureau van Dijk

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