Schwellen überschreiten – Teil 2

In einigen Ländern der Emerging Markets herrscht Aufbruchstimmung, andere sind nach schwierigen Jahren wieder auf Erholungskurs. Nun sorgt der frischgebackene US-Präsident Donald Trump für Unsicherheit. Deutsche Mittelständler lassen sich davon aber kaum irritieren. 

Sie traut Indonesien einiges zu. Das Land könnte Deutschland in der Wirtschaftsleistung bis zum Jahr 2030 überholen, schätzen die Unternehmensberater. Staatspräsident Joko Widodo, der seit Oktober 2014 im Amt ist, gilt als Hoffnungsträger und Reformer, der unter anderem die defizitäre Infrastruktur des Landes auf Vordermann bringen soll. „Das ist allerdings auch notwendig“, sagt Finken. So gibt es in der Hauptstadt Jakarta mit ihren 25 Millionen Einwohnern trotz jahrelanger Planung noch immer keine U-Bahn, zwischen Jakarta und der zweitgrößten Stadt Indonesiens Surabaya keine Autobahn.


„Neben Vietnam ist auch Indonesien für deutsche Mittelständler attraktiv“

Gottfried Finken, Experte Schwellenländer, DZ Bank


Die schlechte Infrastruktur bringt für deutsche Unternehmen in Indonesien hohe Logistikkosten mit sich. Das stört auch Roland Stähle, der für Kärcher seit 2013 das Indonesien-Geschäft aufbaut. Der Hersteller von Reinigungsgeräten aus dem baden-württembergischen Winnenden hat eine Niederlassung in der größten Volkswirtschaft Südostasiens. Zwar werden die Reinigungsgeräte weiterhin in China gebaut, das bilaterale Handelsabkommen mit Indonesien bringt jedoch Zollvorteile. „Daher lohnt sich der Transport“, sagt Stähle. Und das Geschäft floriert, schließlich müssen die über 150 Shoppingmalls, die es allein in Jakarta gibt, gereinigt werden. Auch wenn Stähle sich eine besser ausgebaute Infrastruktur und höhere Bildung wünscht – verzichten möchte er auf das enorme Potenzial des Landes nicht.

Risiken nicht übersehen

Doch obwohl viele deutsche Mittelständler bislang an ihren Aktivitäten in unterschiedlichen Schwellenländern festhalten, macht Commerzbank-Experte Lutz Karpowitz klare Risiken aus. „In Russland ist die Wirtschaftsleistung aufgrund des niedrigen Ölpreises und der Sanktionen im Jahr 2015 um fast vier Prozent gesunken“, sagt er. Seit dem dritten Quartal verzeichnet das Land zwar wieder Wachstum, aber wie stark es ausfallen wird, bleibt abzuwarten. Auch in Brasilien sind die Wachstumsraten weiterhin sehr gering.


„In Russland ist die Wirtschaft wegen des niedrigen Ölpreises und der Sanktionen 2015 um fast vier Prozent gesunken.“

Lutz Kampowitz, Experte Emerging Markets, Commerzbanbk AG


„Vor allem könnte sich aber Trumps angekündigte Wirtschaftspolitik negativ auf viele Schwellenländer auswirken“, mahnt Karpowitz. Es sei durchaus davon auszugehen, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins in den Jahren 2017 und 2018 mehrmals heben werde. „Dann werden sich Investoren natürlich überlegen, ob sie ihr Geld nicht aus den Emerging Markets abziehen und es in die sicheren USA transferieren sollen“, sagt der Experte. Massive Kapitalabflüsse würden jedoch die Währung der betroffenen Schwellenländer schwächen. „In diesem Fall würden die Notenbanken die Zinsen erhöhen, obwohl sie eigentlich niedrig bleiben müssten, damit die Wirtschaft angekurbelt wird“, sagt Karpowitz. Keine guten Perspektiven.

 

DZ-Bank-Experte Finken sieht es nicht so dramatisch. „Man muss ja erst einmal abwarten, welche Pläne Trump wirklich umsetzt“, sagt er. Und auch bei Rittal herrscht vorerst Gelassenheit. „Unser Erfolg in Indien hat unsere Investitionen in jedem Fall gerechtfertigt“, erklärt Mathias Betz. „Er ermutigt uns dazu, das Engagement in diesem Wachstumsmarkt konsequent weiter auszubauen.“ Die rauen Töne eines Donald Trumps bringen ein Unternehmen eben nicht so leicht dazu, ein Schwellenland zu verlassen, in das es vor über 20 Jahren aufgebrochen ist. Lange vor BRIC und „Next Eleven“.


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