Germany is over-NPOed

Mit mehr als 630.000 Non-Profit-Organisationen in Deutschland ist der Wettbewerbsdruck im Dritten Sektor so groß wie nie zuvor. Die Folge ist, dass sich immer mehr NPOs zusammenschließen.

Der Ausweg? Konsolidierung!

Damit ist es nicht verwunderlich, dass allmählich ein Prozess der Konsolidierung in der NPO-Landschaft Einzug hält. Ziel dieser Zusammenschlüsse ist es – parallel zur Privatwirtschaft – eine dringend geforderte und benötigte Effizienzsteigerung zu erreichen. Doppelte Strukturen werden aufgelöst. Das führt zu Skaleneffekten, zur Reduktion des Verwaltungsapparats sowie zu Einsparungen von Overhead- und Personalkosten, sodass mehr Geld in die eigentlichen Projekte fließen kann.

Außerdem werden Synergieeffekte im operativen Tagesgeschäft geschaffen. Dieser Erfahrungsaustausch ist besonders von Vorteil in den Bereichen Fundraising und Marketing, aber auch hinsichtlich der Projektarbeit in bestimmten und eventuell politisch instabilen Regionen oder Ländern. Komplementäre Kenntnisse beziehungsweise Wirkungsbereiche und Schwächen zweier Organisationen führen zu einer Vergrößerung der (geografischen) Reichweite sowie Expertise und schlussendlich zur Gewinnung von Marktanteilen.

Stichwort Marktanteile: Besonders wichtig im Dritten Sektor ist die politische Lobbyarbeit. Je größer die repräsentierte Grundgesamtheit, desto größer das Gewicht und die Wahrnehmung im politischen Umfeld. Auch vertikale Merger sind im Dritten Sektor durchaus üblich. Die Optimierung der Supply Chain führt auch hier zu einer höheren (Produkt-/Projekt-)Qualität.

Fazit

Der enorme Wettbewerbsdruck, die gesellschaftlichen Trends und die Sättigung des NPO-Marktes in Deutschland haben zu einer extremen Konkurrenz im Dritten Sektor geführt. Der sich langsam abzeichnende Trend von Zusammenschlüssen wird wohl in nächster Zukunft deutlich an Fahrt aufnehmen und zu einer Konsolidierung der NGO-Landschaft führen.


Zu den Personen

Thomas Schiffelmann ist Leiter Marketing der humanitären Hilfsorganisation Handicap International mit Sitz in Berlin und München.

Laura Stanischeff ist Engagement-Beraterin bei Handicap International und berät Privatpersonen, Stiftungen und Unternehmen in ihrem internationalen gesellschaftlichen Engagement.

Handicap International setzt sich weltweit in über 60 Ländern mit rund 300 Projekten für Menschen mit Behinderungen ein. Im Jahr 2006 fusionierte die Hilfsorganisation mit Atlas Logistique, einem Logistikunternehmen, welches sich auf Supply Chain Management im humanitären Sektor spezialisiert hat.

www.handicap-international.de