Noch keine Blasenbildung am Markt

Unternehmensbeteiligungen sind derzeit teuer: Für Investoren sind günstige Einstiegsmöglichkeiten rar. Doch Experten sind sich einig, dass die hohen Bewertungen gerechtfertigt sind.

Ist es ein Trend, dass die Haltedauer an den Unternehmen länger wird?

Christian Berkhoff

Christian Berkhoff/Argonas Corporate Finance Advisors (© Privat)
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Zwei unterschiedliche Treiber sind klar zu trennen: Die Beobachtung längerer Haltedauern beruht wesentlich auf den Effekten der Finanzkrise. Sie hat dazu geführt, dass die dort verlorene Performance erst wieder aufgeholt werden musste, bevor die ursprünglich angestrebte Wertsteigerung beginnen konnte, um die Exit-Ziele zu erreichen. Dies begründet allerdings keinen nachhaltigen Trend. Gleichwohl sehen wir durchaus Anzeichen für strategisch längere Haltedauern. Viele PE-Gesellschaften versuchen sich damit sowohl bei der Investorensuche als auch bei potenziellen Targets vom Rest des PE-Markts abzusetzen.


Tobias Rodehau

Tobias Rodehau/Pinsent Masons Germany (© Privat)
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Es gibt vermutlich keinen Trend zu einer längeren Haltedauer. Oft werden einzelne Unternehmen unfreiwillig länger gehalten, weil sich deren Entwicklung verzögert oder sich kein geeigneter Käufer findet. Das ist aber nicht neu. Die schnellen Verkäufe durch einen PE-Investor nach weniger als zwei Jahren scheinen jedoch seltener zu werden.


Dr. Nicolas Himmelmann

Dr. Nicolas Himmelmann/AUCTUS Capital Partners AG (© Privat)
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Ja. Wertsteigerungsstrategien nehmen eine zunehmend wichtigere Rolle ein, da Werthebel wie Leverage, Multiple Arbitrage durch den hohen Wettbewerb im PE-Markt zwischenzeitlich kein genügendes Differenzierungsmerkmal sind, noch hohe Renditen versprechen. Aktives Portfoliomanagement für die Umsetzung solcher Wertsteigerungsstrategien bedarf allerdings einer höheren Haltedauer. Diese ist seit 2004 fast linear von 3,9 Jahren auf 5,8 Jahren im Jahr 2014 gestiegen. Durchschnittlich werden heute Unternehmen demnach fast zwei Jahre länger gehalten.


Armin Sieber

Armin Sieber/LSG & Kollegen (© Privat)
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Prinzipiell gilt, dass ein sehr gutes Angebot für ein Portfolio-Unternehmen, unabhängig von der Haltedauer, selten ausgeschlagen wird. Eine längere Haltedauer hat zum einen damit zu tun, dass Unternehmen vor der Finanzkrise zu teuer gekauft wurden und es nun problematisch ist, diese mit Gewinn zu veräußern. Zum anderen wird heute die operative Wertsteigerung angestrebt, welche mehr Zeit erfordert als die ehemalige Wertsteigerung durch Financial Engineering. Einen konsequenten Trend erkenne ich in Bezug darauf aber nicht.