Nici & Co.

„Gegen Betrug helfen auch beste Auswahl- und Prüfprozesse nichts“
Interview mit Sami Chakroun, Gründungspartner, Capital Efficiency Group AG

Von der Insolvenz des Stofftierproduzenten Nici waren insgesamt drei Standard-Mezzanine-Geber betroffen, darunter Pionier und Marktführer PREPS (Preferred Pooled Shares) – ein von der Capital Efficiency Group entwickeltes und von der HVB Group vertriebenes Mezzanine-Programm. Im Interview spricht Sami Chakroun, Gründungspartner der Capital Efficiency Group, über die Konsequenzen des Nici-Konkurses, die Auswirkungen eines konjunkturellen Einbruchs und eine mögliche Überhitzung im Bereich der Standard-Mezzanine-Programme.

Unternehmeredition:
Wofür steht für Sie der Fall Nici?
Chakroun: Die Insolvenz von Nici ist eine Katastrophe. Sie stellt aber nicht generell die Sicherheit von Standard-Mezzanine-Programmen in Frage, denn sie ist das Ergebnis eines Betrugs. Neben den Mezzanine-Anbietern sind auch zahlreiche weitere Player der Financial Community von der Nici-Insolvenz betroffen: Kreditversicherer, Factoring-Institute und Banken, die langjährige Geschäftsverbindungen zum Unternehmen unterhielten. Betrugsfälle sind Verbrechen, die man nie ganz ausschließen kann.

Unternehmeredition: Wie viele Ausfälle hatten Sie insgesamt, und wie wirkten sie sich auf PREPS aus?
Chakroun: Wir haben bisher über 300 Unternehmen finanziert und hatten bisher lediglich zwei Ausfälle: neben Nici auch die Firma Rohde, ebenfalls ein Betrugsfall. Gegen kriminelle Machenschaften ist man nicht gefeit. Bis jetzt hatten wir keinen einzigen Ausfall aufgrund der operativen Tätigkeit eines Unternehmens – dies zeigt, dass sich unsere Prüfmechanismen bei der Unternehmensauswahl generell bewährt haben. Natürlich haben uns die beiden Insolvenzen betroffen, aber die Struktur von PREPS hat sich auch bei sehr frühen Ausfällen als schockresistent erwiesen. In den Standard-Mezzanine-Programmen sind Insolvenzen nach bestimmten Wahrscheinlichkeiten mit einkalkuliert – mit diesen beiden Ausfällen von insgesamt 300 finanzierten Unternehmen liegen wir unter den Erwartungen. Da wir die Transaktionen sehr konservativ strukturiert haben, konnten wir unser Rating halten und wurden nicht herabgestuft.

Unternehmeredition: Welche Lehren werden Sie daraus ziehen, um künftig Ähnliches zu verhindern?
Chakroun:
Gegen Betrug helfen auch beste Auswahl- und Prüfprozesse nichts. Aber man muss darauf achten, das Kapital möglichst breit zu streuen und nicht zu viel Geld in einzelne Unternehmen zu stecken. Wir haben unsere Transaktionen stets sehr vorsichtig strukturiert und im Markt schon immer mit dem geringsten Single Obligor (Messgröße für den Anteil einzelner Firmen an der Gesamttransaktion) agiert: Wir hatten nie mehr als 3% Single Obligor pro Teilnehmer an einer Transaktion und versuchen künftig, hier noch weiter runter zu gehen, mittelfristig auf 2%, langfristig sogar auf 1%. Natürlich beeinflussen Ausfälle auch das Pricing, und so werden wir für Unternehmen leicht teurer werden.

Unternehmeredition: Droht im Falle eines konjunkturellen Einbruchs eine Insolvenzwelle?
Chakroun:
Natürlich wird die Ausfallwahrscheinlichkeit in dieser Phase höher sein als über den Durchschnitt der Laufzeit, das liegt in der Natur der Sache. Weil wir ausschließlich Investment Grade-Unternehmen finanzieren, das sind die Top 30% des deutschen Mittelstandes, ist davon auszugehen, dass wir von dem konjunkturellen Einbruch vergleichsweise unterdurchschnittlich betroffen sein sollten.

Unternehmeredition: Sehen Sie eine Überhitzung im Bereich der Standard-Mezzanine-Programme?
Chakroun:
Nach dem Start von PREPS 2004 kamen zahlreiche weitere Anbieter standardisierter Mezzanine-Programme hinzu. Viele haben über den Preis versucht, in den Markt zu kommen. Zurzeit sind die Banken die größten Wettbewerber, die zu sehr günstigen Konditionen Kredite vergeben. Dadurch gibt es heute insgesamt einen sehr starken Wettbewerb. Unter den Anbietern von Standard-Mezzanine-Programmen wird eine Konsolidierung stattfinden, denn es gibt zu viele Player.

Unternehmeredition: Herr Chakroun, danke für das Gespräch.

Das Interview führte Markus Hofelich.
hofelich@unternehmeredition.de


Zur Person: Sami Chakroun
Sami Chakroun (office@ceg-ag.com) ist Gründungspartner der Capital Efficiency Group AG. Die Schweizer Firma hat als Vorreiter der Standard-Mezzanine-Produkte in Deutschland PREPS (Preferred Pooled Shares) entwickelt, die von der HVB Group vertrieben werden. Seit dem Start von PREPS im Frühjahr 2004 erhielten knapp 330 Unternehmen mehr als 2,1 Mrd. Euro. www.ceg-ag.com

Autorenprofil
1
2
Vorheriger ArtikelDr. Peer-Robin Paulus, ASU e.V., und Dr. Arndt-Justus Froehlich, Heisse Kursawe Eversheds (Ausgabe 2/2007)
Nächster Artikel„Mezzanine-Kapital hat uns ermöglicht, bestehende Chancen zu nutzen“