Höhenflug bei Individual-Mezzanine – keine Neuauflage bei Standard-Mezzanine

Von Uwe Fleischhauer und Michael Olkowski, FHP Private Equity Consultants

Auf Basis einer empirischen Untersuchung unter rund 40 führenden Mezzanine-Anbietern (Programmen) – nachfolgend „FHP Mezzanine-Panel“ – wurde nach den Jahren 2006, 2007 und 2008 für das Jahr 2009 zum vierten Mal der Markt für Mezzanine-Finanzierungen in Deutschland im Detail analysiert. Die Angebotsseite des Marktes wurde dabei sowohl in Richtung Programm-Mezzanine als auch individuelles Mezzanine untersucht.

Highlights

Infolge der Finanzkrise ist der Markt für Standard-Mezzanine seit 2008 nicht mehr vorhanden: Es war keine einzige Verbriefung und Platzierung über den Kapitalmarkt für Standard-Mezzanine mehr möglich – in naher Zukunft ist auch keine zu erwarten. Insofern wurden, wie im Jahr 2008, auch 2009 so gut wie keine Unternehmen aus Standard-Programmen, also in Form der Verbriefung standardisierter Nachrangdarlehen, finanziert. Parallel ist das Angebot für individuelles Mezzanine gewachsen. Das gesamte deutsche Mezzanine-Marktvolumen ist 2009 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als das Doppelte auf fast 4 Mrd. EUR gestiegen. Der Markt im Jahr 2009 wurde ausschließlich durch individuelles Mezzanine bedient. Mit diesem Kapital wurden über 2.700 Unternehmen finanziert. Zum Vergleich dazu lag das Marktvolumen im Jahr 2008 bei nur 1,8 Mrd. EUR bzw. knapp 2.300 finanzierten Unternehmen.

Standard-Mezzanine nicht mehr existent – hoher Folgefinanzierungsbedarf

Standard-Mezzanine erlebte in den Jahren 2004 bis 2007 seine besten Zeiten: Insgesamt wurden in diesen Jahren zwölf Verbriefungen im Wert von über 4 Mrd. EUR emittiert – damit wurden knapp 700 Unternehmen finanziert (Quelle: Mezzanine-Bericht.de). Dann war Schluss damit: Der Vertrauensverlust in strukturierte Finanzierungsprodukte einerseits und verschiedene Insolvenzen von Mezzanine-finanzierten Unternehmen andererseits haben für verstärkte Unsicherheit im Marktgeschehen aller Beteiligten gesorgt – laut Marktexperten weisen einzelne Programme schon Ausfallraten von bis zu 20% auf. Die Standard-Programme werden aber nun nach siebenjähriger Laufzeit ab 2011 bzw. nachfolgend sukzessive auslaufen. Somit wird die „standardisierte Fälligkeit“ für einige der Unternehmen zum Problem. Der überwiegende Teil unserer Panelteilnehmer geht von keiner Neuauflage im Bereich Standard-Mezzanine für die kommenden Jahre (2010-2012) aus, da Standard-Mezzanine zum einen sicherlich auch die Investorenerwartungen nicht erfüllt hat, zum anderen sich das Interesse – insbesondere von Unternehmen mit guter Bonität – an dieser eher unflexiblen Finanzierungsform merklich abgekühlt hat. Die Ablösung des ehemaligen Standard-Mezzanine geht vermutlich nur „individuell“ vonstatten. Im Rahmen unseres Mezzanine Panels 2010 zeigte sich bereits ein signifikanter Nachfrageschub nach individuellen Mezzanine-Lösungen, deutlich zu Lasten von Standard-Mezzanine (siehe hierzu Anm. 1).

Anm. 1: Definition Standard-Mezzanine

Im Rahmen unseres Panels wird Standard-Mezzanine im Sinne „verbriefter Programme“ definiert. Da 2009 keine Neuauflegung dieser Programme erfolgte, ist das Marktvolumen bei null. Einzelne Anbieter/Panelisten (MBGs, HSH Nordbank, L-Bank) bieten – laut eigener Angaben – aber sogenanntes Standard-Mezzanine aus der eigenen Bilanz/Fondsstruktur heraus an, da es sich um weitgehend standardisierte Produktlösungen (bspw. Vertragswerk; Stille Beteiligungen) handelt, obwohl die Konditionen, Volumina etc. i.d.R. auch individuell verhandelbar bzw. ausgestaltbar und Auszahlungen meist an Milestones gebunden sind. Insofern haben wir diese Angaben komplett dem Bereich Individual-Mezzanine zugeordnet, da diese Mezzanine-Finanzierungen individuelle Ausprägungen aufweisen und wir sie daher eben nicht als „klassisches“ Standard-Mezzanine á la Genussscheinprogramme wie PREPS etc. betrachten. Das investierte Volumen aus Standard-Mezzanine laut Angaben der Anbieter repräsentiert im Jahr 2009 bspw. aber auch „nur“ mit ca. 35 Mio. EUR weniger als 1% des Gesamtvolumens und somit einen zu vernachlässigenden Anteil. KfW ist komplett Individual-Mezzanine zugeordnet (siehe hierzu auch Tab. 1 bzw. die Anm. zur KfW).

Individual-Mezzanine als Lichtblick

Individual-Mezzanine ist nicht abhängig vom Kapitalmarkt und kann flexibel an die gegebene Finanzierungssituation des Kapitalnehmers angepasst werden. Insofern erfreuen sich individuelle Mezzanine-Produkte größter Beliebtheit, weil sie den besonderen Finanzierungsanforderungen mittelständischer Unternehmen gerecht werden. Die „Terms & Conditions“ der Finanzierung können vollkommen individuell auf das Unternehmen zugeschnitten werden. Nach einhelliger Meinung unserer Panelteilnehmer wird die gegenwärtig starke Nachfrage nach individuellen Mezzanine-Lösungen auch künftig anhalten. Das hat vielfältige Gründe: Einerseits ist der Verbriefungsmarkt für Standard-Mezzanine völlig zum Erliegen gekommen, Banken sind weiterhin restriktiv und Eigenkapitalbedarf weiterhin hoch; andererseits wird es zu einer verstärkten Refinanzierung bedingt durch das Auslaufen aktueller Standard-Programme kommen und sich die Nachfrage nach Folgefinanzierungsinstrumenten wie Individuelles-Mezzanine, aber auch Private Equity (Minderheitsbeteiligungen) oder Junior/Senior Debt erhöhen. Es ist davon auszugehen, dass nicht alle Mezzanine-Nehmer bei Inanspruchnahme ihrer Standard-Tickets entsprechende Rücklagen zur Tilgung gebildet haben, um die endfällig strukturierten Produkte abzulösen. Mezzanine-interessierte Unternehmer können dabei unter einer Vielzahl von individuellen Finanzierungslösungen auswählen: Dabei reicht das Angebot von regional fokussierten MBGen, banken-/sparkasseneigenen Mezzanine-Lösungen bis hin zu unabhängigen Anbietern.

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