Die Preise steigen

Verschiedene Anlässe für EK-Bedarf

Ob Gesellschafterwechsel, Nachfolgeregelung bei Familienunternehmen, Ausgliederung von Firmenteilen (Spin-off), Wachstum oder Krisenbewältigung (Turnaround) – Anlässe für zusätzlichen Finanzierungsbedarf mit Eigenkapital gibt es genug. Mit Private Equity kann die EK-Lücke geschlossen werden. „Im Mittelstand überwiegen Expansionsfinanzierungen“, beobachtet BVK-Geschäftsführer Frommann. „In den letzten Jahren nahmen aber auch Zahl und Volumina kleiner und mittlerer Buyouts zu.“ Ob die PE-Gesellschaft die Mehrheit am Unternehmen übernimmt, hängt von Anlass und Strategie ab. Frommann: „Bei Expansionsfinanzierungen und weiteren Later-Stage-Szenarien dominieren Minderheitsbeteiligungen, bei Buyouts dagegen Mehrheitsbeteiligungen.“ Die Investitionssummen variieren dabei sehr stark. Wachstumsfinanzierungen kommen schon ab etwa 250.000 Euro aufwärts zustande, während bei Buyouts oft zweistellige Millionenbeträge investiert werden. Insgesamt haben die in Deutschland aktiven Beteiligungsgesellschaften 2006 hierzulande knapp 3,3 Mrd. Euro investiert, davon gut 27% – also 0,9 Mrd. Euro – in Unternehmen mit weniger als 100 Mio. Euro Umsatz. 10,8% (0,36 Mrd. Euro) gingen in Firmen mit 100 bis 500 Mio. Euro Umsatz. Der Rest, also rund 62% der Mittel, flossen in Großunternehmen ab 500 Mio. Euro Umsatz. Der Anzahl nach überwogen aber kleine Unternehmen (bis zu 10 Mio. Euro Umsatz) deutlich mit einem Anteil von über 70%. „Neben Investitionen mittels direktem Eigenkapital nehmen verschiedene Formen von mezzaninen Finanzierungen zu“, erklärt Frommann. „Neben stillen Beteiligungen und Gesellschafterdarlehen kommen mehr und mehr Genussscheinkapital, Programm-Mezzanine und andere spezialisierte Mezzanine-Fonds hinzu.“

Mit Know-how und Kontakt-Netzwerk

Vorteil für die Unternehmen ist neben der Stärkung der EK-Basis zunächst einmal eine Schonung des Cashflows, da Fremdkapitalzinsen nicht anfallen. Zudem bringt der Investor in der Regel sein Know-how und ein oft umfangreiches Kontaktnetzwerk mit ein. Dafür verlangt er Mitspracherechte und hat eine hohe Renditeerwartung, die meist bei etwa 15 bis 25% per anno liegt. Die Strategie der PE-Gesellschaft ist klar: Den Wert des Unternehmens steigern („Buy and build“) und die Beteiligung später mit hohem Gewinn verkaufen. Dies geschieht meist nach einer Haltedauer zwischen zwei und sieben Jahren. Die wesentlichen Exit-Möglichkeiten sind der Verkauf an eine andere Beteiligungsgesellschaft oder an einen strategischen (industriellen) Investor sowie der Gang an die Börse.

Die „Chemie“ muss stimmen

Grundlage für eine erfolgreiche Partnerschaft ist Vertrauen. Auf der persönlichen Ebene zwischen Unternehmer und PE-Manager muss es stimmen, damit die Wachstums- und Ertragsziele auch erreicht werden. Bei der Suche nach einem geeigneten PE-Partner sollte das Unternehmen zunächst aber nach den Kriterien Branchenfokus, Strategie und Höhe der Beteiligungssumme vorgehen. Viele Beteiligungsgesellschaften haben sich auf bestimmte Branchen spezialisiert, in denen sie ihre Kompetenz bereits unter Beweis gestellt haben. Manche steigen nur ab einer bestimmten Größenordnung bei einem Unternehmen ein. Einige Anbieter haben in Strategie bzw. in der Art der Finanzierung einen Schwerpunkt, z. B. auf Wachstumsfinanzierungen oder auf Buyouts (und Management Buy-ins, MBI). Wenn die Beteiligungsgesellschaft nach diesen Kriterien zum Unternehmen passt, dann kann es mit dem Businessplan in die persönliche Kontaktaufnahme gehen.

Viel Liquidität – begrenztes Angebot

Bei der Anbahnung von Beteiligungen hat sich die Verhandlungsposition der Mittelständler verbessert. Denn die Banken haben mittlerweile ihre teils starke Zurückhaltung bei der Vergabe von Firmenkrediten aufgegeben. Sie haben erkannt, dass sie dieses Stammgeschäft nicht einfach aufgeben können, und die Firmenkunden wieder entdeckt. Dazu kommen der Konjunkturaufschwung und die allgemein verbesserte Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Für die Mittelständler bedeutet dies: Sie haben wieder einen etwas besseren Zugang zu Fremdkapital, brauchen sich nicht unter Druck
setzen zu lassen und haben Verhandlungsspielraum gegenüber den Nachfragern nach Firmenanteilen. Denn die Kassen etlicher Beteiligungsfonds sind prall gefüllt. Die Folge: Die Preise für Beteiligungen haben sich erhöht.

Exit-Chancen verbessert

Das hat natürlich auch mit der Entwicklung an den Börsen zu tun. Die Aktienkurse börsennotierter Unternehmen sind seit 2004 überwiegend deutlich gestiegen. Sie stellen „Vergleichspreise“ dar und haben außerdem – aus Sicht der Beteiligungsgesellschaften – die Chancen für einen lukrativen Exit per Börsengang verbessert. „Die Nachfrage nach Unternehmensbeteiligungen ist hoch“, bestätigt Dr. Andreas Kogler, Vorstand der capiton AG in Berlin. „Das durchschnittliche Transaktionsvolumen ist gestiegen.“ Capiton beteiligt sich – meist mehrheitlich – an größeren mittelständischen Unternehmen mit Umsätzen zwischen 50 und 500 Mio. Euro.

Leverage steigt

Der „Kapitalüberhang“ hat mittlerweile auch schon zu einer etwas weniger gesunden Entwicklung – zumindest bei großen Buyouts – geführt. Der Fremdfinanzierungsanteil steigt.Die wieder leichter und nach wie vor zinsgünstig zu bekommenden Kreditmittel seitens der Banken haben den Leverage bei der Finanzierung solcher Beteiligungen teilweise auf über 70% erhöht. Als solide gilt in der Regel ein Fremdkapitalanteil ungefähr zwischen 50 und 65%. Ob der Markt zur Überhitzung neigen wird, ist momentan noch nicht auszumachen. „Es gibt zwar einen leichten Trend zu etwas höheren Fremdkapitalanteilen auch bei Finanzierungen des Mittelstands“, sagt Dr. Nicolas Himmelmann von der Auctus Management GmbH & Co. KG. „Aber dieser Trend ist längst nicht so stark wie bei den großen Buyouts.“ Auctus finanziert Firmen aus allen Branchen mit einem Schwerpunkt in den Umsatzgrößen zwischen 20 und 100 Mio. Euro.

Keine Übertreibung im Mittelstand

Auch Dr. Peter Hammermann, Co-Head bei Barclays Private Equity, sieht im Mittelstand noch keine Übertreibungen. „Der Leverage-Anteil ist heute zwar im Schnitt um etwa 5% höher als vor einigen Jahren. Aber insgesamt herrscht weiterhin ein recht risikobewusstes Handeln bei allen Finanzpartnern vor.“ Das zur Gruppe der Barclays Bank gehörende Unternehmen ist nach eigenen Angaben einer der führenden europäischen Mittelstandsfinanzierer, der ausschließlich Transaktionen im Later Stage-Segment finanziert.

Fazit:
Der Umbruch in der Unternehmensfinanzierung hat dazu geführt, dass sich der Mittelstand langsam stärker für Beteiligungskapital öffnet. Die üppige Liquidität am Markt sorgt vor allem bei Buyout-Finanzierungen für Wachstum. In der Anzahl überwiegen bei kleinen und mittleren Unternehmen aber weiterhin die Expansionsfinanzierungen. Die Aussichten für einen weiteren Anstieg der PE-Investitionen im Mittelstand sind gut. Dazu tragen auch die zunehmend internationale Ausrichtung vieler Unternehmen und die verbesserten Gewinnerwartungen bei.

Bernd Frank

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