Mittelständler sangen ein Loblied auf die Jugend. Heute setzen Unternehmen immer mehr auf ältere Mitarbeiter. Fachkräftemangel und demografischer Wandel sind nicht die einzigen Gründe dafür.

Bei der Fahrion Engineering GmbH & Co. KG in Kornwestheim bei Stuttgart war es tatsächlich eine akute Notsituation, die Firmenchef Otmar Fahrion im Jahr 2000 auf die Idee brachte, ältere Mitarbeiter anzuwerben. Sein Sohn Jens, der das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder Eric inzwischen übernommen hat, erinnert sich noch gut daran, wie bedrohlich die Lage vor 16 Jahren war. „Damals haben uns auf einen Schlag mehrere Projektleiter verlassen“, erzählt er. Vater Otmar suchte dringend nach Ersatz, doch das war nicht so leicht.



„Fachkräfte, die über 50 oder gar 55 sind, haben ein breites Wissen, sind oft Generalisten“

Jens Fahrion, Geschäftsführer Fahrion Engineering GmbH & Co. KG


Der Ingenieurbetrieb in Kornwestheim plant für Autokonzerne, Zulieferer, Luftfahrtunternehmen oder Werften Produktionsanlagen bis hin zu kompletten Fabriken. „Aber Fabrikplanung wird an keiner Hochschule gelehrt“, sagt Jens Fahrion. Die Kenntnisse, die dafür notwendig sind, hatten sich die Projektleiter, von Haus aus meist Maschinenbauingenieure, während ihrer Tätigkeit im Unternehmen angeeignet. „Um diesen Job auszuüben, muss ein Ingenieur bis zu einem gewissen Grad auch in BWL, Jura und in EDV-Themen fit sein“, erklärt Fahrion. Über Stellenanzeigen ließen sich keine geeigneten Kandidaten finden. Bis Firmenchef Otmar Fahrion schließlich ein Inserat ganz anderer Art ersann.

Streitbare Anzeige

„Mit 45 zu alt – mit 55 überflüssig? Wir suchen Ingenieure, Techniker und Meister bis 65.“ Das war der Text der Annonce, auf die Fahrion über 500 Bewerbungen erhielt. Die Idee hinter dieser etwas streitbaren Anzeige, wie Sohn Jens sie heute nennt, hatte funktioniert. „Meinem Vater war klar geworden, dass wir uns gezielt an ältere Arbeitnehmer wenden mussten“, berichtet der heutige Geschäftsführer. Denn nur diese konnten zumindest einige der Kenntnisse mitbringen, die ein Projektleiter bei Fahrion brauchte. Zwölf Positionen besetzte das Unternehmen – und war gerettet.