Die S&P Global und die KfW Research haben aktuelle Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung und zum Kreditgeschäft in Deutschland veröffentlicht. Der Dienstleistungssektor verzeichnet ein solides Wachstum. Gleichzeitig zieht das Kreditneugeschäft der Banken mit Unternehmen kräftig an. Der Hauptindex für die Geschäftstätigkeit im Dienstleistungssektor stieg signifikant an. Er kletterte von 49,7 Punkten im August auf 52,9 Punkte. Das ist der höchste Wert seit Februar. Viele Befragte meldeten verbesserte Nachfragebedingungen. Dazu gehören auch Anzeichen für höhere Investitionen. Die Auftragsbücher verzeichneten das dritte Plus in Folge. Die Steigerungsrate war die kräftigste seit November 2025. Auch die Exportaufträge zogen den zweiten Monat hintereinander an. Der Kapazitätsdruck für die Unternehmen hat sich erhöht. Unerledigte Projekte stauten sich erstmals seit einem halben Jahr wieder an. Viele Umfrageteilnehmer rekrutierten daher zusätzliches Personal. Die Mitarbeiterzahlen stiegen geringfügig an.
Inflation und Kosten steigen an
Der Inflationsdruck hat sektorweit wieder zugenommen. Die Kosten stiegen rasant mit der kräftigsten Rate seit April. Dies war größtenteils den gestiegenen Energiepreisen und Kraftstoffpreisen geschuldet. Die Dienstleister hoben ihre Angebotspreise entsprechend stärker an. Diese Teuerungsrate erreichte ein Fünf-Monatshoch. Phil Smith, Economics Associate Director bei S&P Global Market Intelligence, kommentiert die aktuelle Entwicklung. Er sagt: „Der Anstieg der Geschäftstätigkeit im September bekräftigt die zaghaften Erholungstendenzen, die wir seit ein paar Monaten im deutschen Servicesektor beobachten konnten.“ Smith fügt hinzu: „Dass bereits zum dritten Mal in Folge ein Plus bei den Auftragseingängen verbucht wurde, ist als ermutigendes Zeichen der Resilienz zu werten.“
Gewerbe und Industrie wachsen mit Der sektorübergreifende Aufwärtstrend wurde vor allem vom Verarbeitenden Gewerbe angekurbelt. Der branchenübergreifende Index notierte bei 53,8 Punkten. Dies ist das höchste Niveau seit fast einem Jahr. Die Hersteller hatten bei Neuaufträgen und Geschäftsaussichten die Nase vorn. Der Jobaufbau setzte sich den zweiten Monat in Folge fort. Die Dienstleister verbuchten ein weiteres Beschäftigungsplus. In der Industrie wurden gleichzeitig weniger Stellen gestrichen. Die Inflationsraten der Ein- und Verkaufspreise beschleunigten sich auf ein Vier-Monatshoch. Die Unternehmen hoffen weiterhin auf eine Verbesserung der konjunkturellen Rahmenbedingungen. Sie wünschen sich zudem mehr geopolitische Stabilität.
Kreditgeschäft verzeichnet kräftigen Zuwachs Das Kreditneugeschäft der Banken mit Unternehmen und Selbstständigen belebt sich. Es wuchs im zweiten Quartal um 3,4 %. Nach Angaben der KfW Research ist das die stärkste Zuwachsrate seit Ende 2022. Sowohl kurzfristige als auch langfristige Ausleihungen nahmen zu. Kurzfristige Kredite dienten primär der Finanzierung verteuerter Betriebsmittel. Hintergrund sind die infolge des Nahost-Konflikts gestiegenen Energiekosten. Diese trieben die Vorleistungs- und Transportkosten in die Höhe. Der Anstieg der längerfristigen Kredite deutet auf Investitionsausgaben hin. Unternehmen könnten Kreditaufnahmen wegen erwarteter Zinssteigerungen vorgezogen haben.
Steigende Zinsen dämpfen die Nachfrage
Für das dritte und vierte Quartal wird eine Abschwächung erwartet. Das Wachstum beim Kreditgeschäft soll auf rund 1,5 % sinken. Das Zinsniveau wird zunehmend zum Bremsfaktor für die Kreditnachfrage. Die Phase rückläufiger Kreditzinsen der letzten zwei Jahre ist vorbei. Die durchschnittlichen Kreditzinsen für Unternehmen stiegen bis Juli auf knapp 4 %. Die restriktive Kreditvergabe der Banken bleibt bestehen. Laut der KfW-ifo-Kredithürde berichteten 40,5 % der Mittelständler von restriktivem Verhalten. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung. Die Zurückhaltung der Banken folgt aus verschlechterten Bilanzen vieler Firmen. Der Anteil von Krediten mit deutlich erhöhtem Ausfallrisiko ist hoch.
Energiebedarf treibt die Kreditsuche an
Der Liquiditätsbedarf durch energiebedingte Mehrausgaben bleibt ein maßgeblicher Treiber. Fast 80 % der Unternehmen meldeten zuletzt hohe Kostensteigerungen. Die Ölpreise und Energiepreise sind zuletzt wieder deutlich gestiegen. Der Finanzierungsbedarf zur Kostendeckung bleibt vorerst bestehen. Mittelfristig könnte die Energiewende die Kreditnachfrage weiter stützen. Der Preisschock verstärkt den Anreiz zur Umstellung auf erneuerbare Energiequellen. Banken erwarten künftig eine steigende Nachfrage nach Krediten für klimabezogene Anlageinvestitionen. Die zunehmende Verbreitung künstlicher Intelligenz liefert hingegen kaum Impulse. Viele Mittelständler nutzen einfach zu handhabende Anwendungen ohne große Investitionen. Investitionen in Rechenzentren werden meist von Großkonzernen getragen. Geopolitische Unsicherheiten dämpfen die allgemeine Investitionsbereitschaft weiterhin spürbar.
Konjunktur hellt sich langsam auf
Die deutsche Konjunktur zeigt erste Anzeichen einer leichten Aufhellung. Stimmungsindikatoren bei den Investitionsgüterherstellern deuten auf eine Belebung hin. Auch eine gestiegene Kapazitätsauslastung in der deutschen Industrie wirkt positiv. Unternehmensinvestitionen stabilisieren das Kreditgeschäft leicht, ohne ein wesentlicher Treiber zu sein. Langfristig deutlich höhere Energiepreise könnten den kurzfristigen Liquiditätsbedarf jedoch weiter spürbar erhöhen. Dies würde die wichtige Investitionsbereitschaft der mittelständischen Unternehmen zusätzlich belasten. Eine schnelle Entspannung der aktuellen geopolitischen Lage bleibt für die weitere Entwicklung entscheidend.








