Die Nord Holding konzentriert sich bei ihren Direktinvestments auf zukunftssichere Branchen und Unternehmen mit Wachstumspotenzial. Die auf den Small- und Mid-Cap-Bereich fokussierte Beteiligungsgesellschaft sieht sich durch das Aufkommen von KI in diesem Ansatz bestätigt. Geschäftsführer Andreas Bösenberg erläutert im Interview die Hintergründe.
Unternehmeredition: Wie hat sich der Dealflow der Nord Holding zuletzt vor dem Hintergrund multipler Krisen entwickelt
Andreas Bösenberg: Wir haben uns hervorragend entwickelt. Allein im März und April dieses Jahres haben wir drei Plattformen akquiriert. Nach knapp anderthalb Jahren sind wir mit unserem neuen Fonds bereits zu 35 % allokiert. Grundsätzlich muss man sagen, dass es in dieser ungewissen Welt schwieriger wird, Gelder zu allokieren. Die Rahmenbedingungen sind extrem herausfordernd; man denke nur an makroökonomische Unsicherheiten, geopolitische Unsicherheiten, Preisschocks. Ich glaube, dass sich deshalb gerade die Spreu vom Weizen trennt. In den letzten zehn Jahren konnte man praktisch jeden soliden Deal machen. Das ist heute nicht mehr so. Wir erleben eine Zeit der unvorhersehbaren Ereignisse, der sprichwörtlichen schwarzen Schwäne.
Was macht die Nord Holding resilienter?
Wir sind kein Investor, der immer auf die besten und damit teuersten Assets aus ist – auf Assets, die zum Zeitpunkt des Erwerbs schon in ihren Märkten reüssieren und von denen man annimmt, dass die Multiples immer weiter steigen und sie einen sicheren, hohen Exiterlös bringen. Wenn dann unvorhergesehene Ereignisse eintreten, wie das in den letzten Jahren häufiger der Fall war, geht die Rechnung oft nicht auf. Ein Beispiel: Bis vor Kurzem waren Softwarefirmen heiß begehrt. Man dachte, es gehe immer nur nach oben. Anfang des Jahres gab es aber eine empfindliche Korrektur, als man feststellte, dass KI bei vielen dieser Firmen das Geschäftsmodell zerstören kann. Stattdessen suchen wir uns Assets, die außerhalb des gerade Angesagten eine Chance haben. Wir schauen uns den Einzelfall an. Wir suchen Assets, die relativ zum Gesamtmarkt günstig sind und die das Potenzial haben, mit unserem Value-Creation-Ansatz weiterzuwachsen.
Ist Ihnen das zuletzt auch gelungen?
Das ist uns weitestgehend gelungen. Wir haben es geschafft, in den letzten Jahren in einem schwierigen Exitumfeld viele Firmen zu verkaufen, besonders an Strategen. Wir haben es auch geschafft, in diesem Markt erhebliche neue Gelder einzusammeln, was derzeit sicherlich kein Selbstläufer ist. Unsere Probleme liegen eigentlich immer in ganz profanen Dingen; etwa, wie schnell man eine Organisation dreht, transformiert und skaliert. Bei dieser Orgatransformation können in einem disruptiven Umfeld rasch Fehler passieren – zum Beispiel eine Managementzusammenstellung, die nicht ausreicht für die angestrebte Entwicklung, oder das Setzen auf das falsche Pferd. Kurzum: Die Herausforderung ist es, unsere Value Creation Roadmap schnell umzusetzen und keine Zeit zu verlieren. Das gilt in jedem Marktumfeld, in dem wir aktiv sind. Das läuft mit unserer Investitionsstrategie einher.
Wie wird sich KI auf Ihr Geschäft auswirken?
Künstliche Intelligenz hat einen großen Einfluss in jeder Investitionsentscheidung, in jeder Portfoliogesellschaft. Sie zerstört unser Private-Equity-Geschäft nicht, aber es wird in einer Welt mit schnell wachsender KI-Dynamik wesentlich anspruchsvoller. Wir stellen uns auch die Frage, ob es angesichts der KI-Entwicklung nicht auch sinnvoll sein kann, verstärkt in Firmen zu investieren, die nicht oder wenig durch KI berührt werden. Wir haben zum Beispiel vor einigen Jahren eine Fitnessclubfirma gekauft. Die Menschen werden weiter dort trainieren, KI hin oder her. Wir haben auch ein klassisches IT-Systemhaus im Portfolio, also einen Dienstleister, der für Unternehmen Geräte, Netzwerke und Programme installiert. Das wollte lange niemand haben. Aber das Interesse an solchen Assets dürfte zunehmen, weil Investoren sich damit gegen die Risiken absichern wollen, die mit KI verbunden sind.
Vielen Dank für das Gespräch!
👉 Dieser Beitrag erscheint auch im Spezial „Investoren im Mittelstand 2026“.
ZUM INTERVIEWPARTNER

Andreas Bösenberg
Geschäftsführer
Nord Holding Unternehmensbeteiligungsgesellschaft MBH







