„Vetternwirtschaft darf keinen Platz haben“

Seit Jahren ist Fuchs Petrolub im Markt und an der Börse mit Schmierstoffen erfolgreich. Im Interview erklärt CEO Stefan Fuchs, warum sich der Gang an den Kapitalmarkt gelohnt hat, wie sein Vater das Erbschaftsteuergesetz genutzt hat und warum er seine Aktienanteile vererben will.

Künftig übernimmt Ihre Schwester diese Funktion. Von wem kam die Initiative?

Letztlich hat das die Familie einstimmig beschlossen. Mein Vater ist jetzt 78 Jahre alt. Vielleicht kommt auch mal eine Zeit, in der kein Fuchs im Vorstand sitzt. Auf einen Posten im Aufsichtsrat haben wir mit einem Stimmrechtsanteil von 54 Prozent allerdings ein gewisses Anrecht, und das wollen wir auch nutzen.

Wie wichtig ist es, dass Ihre Familie die Mehrheit der Stimmrechte hält?

Das ist uns sehr wichtig, denn dies gewährt der Firma die Unabhängigkeit, welche Teil unseres Geschäftsmodells ist. Es macht einen Unterschied, ob die Familie 30 Prozent oder die Mehrheit der Stimmrechte am Unternehmen hält. Aufgrund unserer starken Bilanz und des hohen Cashflows wären wir mit einem geringeren Stimmrechtsanteil gewiss ein Ziel von Private-Equity-Gesellschaften. Ob diese an einer ähnlich langfristigen Strategie, wie wir sie haben, interessiert sind, ist fraglich.


„Mein Aktienpaket möchte ich meinen Kindern vermachen“

Stefan Fuchs, CEO Fuchs Petrolub


Dann stehen Sie also auch künftig für den Erhalt des Familienunternehmens?  

Definitiv. Vor allem geht es um die Identifikation mit dem Unternehmen. Sicher wird es künftig anspruchsvoller, die wachsende Zahl an Gesellschaftern ans Unternehmen zu binden. Noch ist die Anzahl gering. Momentan sind es zehn. In der nächsten Generation kommen dann ca. 15 dazu. Große erfolgreiche Familienunternehmen wie Freudenberg oder Henkel leben es vor, Hunderte von Gesellschaftern unter einen Hut zu bringen.

Wie lief der Übergang finanziell ab?

Mein Vater nutzte das Erbschaftsteuergesetz, und hier muss man auch der Bundesregierung ein Lob aussprechen: Vor knapp 20 Jahren betrug unser Börsenwert rund 150 Mio. Euro. Mittlerweile liegt dieser bei 5,7 Mrd. Euro. Mein Aktienpaket möchte ich meinen Kindern vermachen, der kurzfristige Erfolg steht deswegen nicht im Vordergrund. Müsste auf die Weitergabe der Aktien Erbschaftsteuer bezahlt werden, bliebe mir nichts anderes übrig, als Anteile zu verkaufen. Das wäre dann wohl das Ende des Familienunternehmens.

Welche Finanzierungsformen nutzen Sie in Ihrem Unternehmen?

Momentan sind wir in der glücklichen Situation, dass wir die Investitionen aus dem Cashflow stemmen können. Wir haben im Jahr 2015 zwei Akquisitionen daraus bezahlt. Und auch unser größtes Investitionsprojekt in der Firmengeschichte über 300 Mio. Euro, den Aus- und Neubau von Werken, finanzieren wir innerhalb von drei Jahren aus dem laufenden Geschäft. Und das, obwohl wir bislang die Hälfte des Nettogewinns an Dividende ausschütten.

Ihre Eigenkapitalquote beträgt 72 Prozent. Das ist viel, vor allem in einer Zeit, in der das Fremdkapital so günstig ist.

In einer Welt mit hohen Risiken fühlen wir uns damit sehr wohl.

Was sind die Ziele für die Zukunft?

Wir wollen unser Portfolio weltweit ausrollen und dieses überall auf den technisch gleichen Stand bringen. Wachsen wollen wir vor allem organisch, angereichert mit Akquisitionen. In Europa haben wir einen Marktanteil im zweistelligen Bereich. In den USA und in China liegt dieser im niedrigen einstelligen Bereich.

 Und wie wollen Sie Ihr künftiges Wachstum finanzieren?

Wie in den vergangenen Jahren setzen wir stark auf Erträge aus dem laufenden Geschäft. Sollte es mal eine große Akquisition geben, würden wir sicherlich auch über ein Darlehen nachdenken. Es gibt keine Vorgabe, nie wieder Schulden zu machen. Das wäre auch ungesund.

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