„Glück, Wille und Gene“

Unternehmeredition: Welchen Weg hat Ihre Schwester eingeschlagen? Hatte sie auch die Option zur Nachfolge?

Volkhardt
: Meine Schwester hat nicht lange im Unternehmen gearbeitet und sich früh für eine eigene Familie entschieden. Sie hat Carl Geisel geheiratet, den Besitzer des Hotels Königshof in München, und zwei Kinder bekommen, die inzwischen 20 und 21 Jahre alt sind. So besteht Hoffnung, dass der Bayerische Hof auch künftig in Familienhand bleibt. Es wäre mein starker Wunsch, dass sie weiterführen, was andere mit viel Leidenschaft aufgebaut haben. Anders als zur Zeit meines Vaters, der nach dem Krieg wieder bei null anfangen musste, haben wir heute das Glück, einen erfolgreich funktionierenden Betrieb zu haben. Hotelier ist ein toller Beruf – wichtig ist, einen Instinkt dafür zu haben und es 100%ig zu wollen. Für mich ist die Hotellerie ein erfülltes Leben.

Unternehmeredition: Was waren Ihre wichtigsten Veränderungen, die Sie nach der Übernahme der Geschäftsführung durchgeführt haben? Was haben Sie anders gemacht als Ihr Vater?

Volkhardt
: Unter meinem Vater war der „Bayerische Hof“ ein sehr patriarchisch geführtes Haus. Neben ihm gab es zwei dominierende Abteilungsleiter für den kaufmännischen und den operativen Bereich. Aber es gab keine weiteren Hierarchien, kein Personalwesen, keine Abteilung für Marketing und Verkauf. Trotzdem funktionierte es damals gut. Durch mein BWL-Studium habe ich die damals aktuellen Strukturen in der Unternehmensführung kennengelernt, und so war es meine Hauptaufgabe in der ersten Zeit, das Unternehmen umzustrukturieren, weitere Führungsebenen mit klaren Verantwortlichkeiten einzuführen. Es war nicht einfach, als junge Chefin fundamentale Dinge zu verändern, die lange Zeit als richtig galten. Daneben habe ich den Bayerischen Hof umgebaut, modernisiert und wieder der Zeit angepasst. Die Umsätze sind entsprechend gestiegen. Eine besondere Herausforderung der Hotellerie stellt der Umgang mit Wirtschaftskrisen oder Themen wie z.B. SARS oder der Schweinegrippe dar, die sehr stark und schnell auf die Nachfrage durchschlagen. Ich denke, wir sind die ersten, die eine beginnende Krise oder den einsetzenden Aufschwung merken. Ich habe sehr früh das richtige Gefühl fürs Unternehmen entwickelt und transparente und steuerungsfähige Strukturen eingeführt, um schnell auf externe Einflüsse reagieren zu können. Das ist essenziell.

Unternehmeredition: Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Erfolgsfaktoren und Hindernisse beim Generationswechsel?

Volkhardt
: Die Erfolgsfaktoren sind: Glück, Wille und Gene. Ich hatte das Glück, dass mein Vater mir rasch die Führung alleine überlassen hat. Der Nachfolger muss sich im Klaren darüber sein, dass er als Unternehmer letztlich alle Entscheidungen alleine trifft und dafür auch alleine geradestehen muss. Das größte Konfliktpotenzial beim Generationswechsel liegt für den Senior darin, nicht loslassen zu können. Er sollte von einer patriarchischen Haltung Abstand nehmen und auch wirklich übergeben. Der Nachfolger muss eine Begabung dafür haben und erkennen, ob er es 100%ig will oder nicht will. Wenn nicht, ist es ratsamer, einen externen Manager zu beauftragen und zu sehen, ob sich vielleicht in der nächsten Generation ein geeigneter Nachfolger findet.

Unternehmeredition: Frau Volkhardt, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de


Zur Person: Innegrit Volkhardt
Innegrit Volkhardt ist geschäftsführende Gesellschafterin der Gebrüder Volkhardt KG. Das Familienunternehmen umfasst das Hotel Bayerischer Hof (www.bayerischerhof.de) in München, das Hotel Zur Tenne in Kitzbühel und eine Weinkellerei.